bild.de 03.06.2013
bild.de 03.06.2013

Mit der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung würde die Energiewende den Deutschen Haushalten teuer zu stehen kommen, wenn man den Aussagen von Siemens Chef Peter Löscher in der heutigen Bild-Zeitung glaubt:

Mit unseren Vorschlägen kann es gelingen, den Kostenanstieg für Privathaushalte bis 2020 auf die Hälfte zu reduzieren, statt 400 Euro nur 200 Euro pro Haushalt. (Quelle: Bild)

Als Vorschlag ist im Bild Interview mehr europäische Zusammenarbeit bei der Energiepolitik genannt. Löscher nennt damit konkrete Zahlen, wie es auch der Peter Altmaier (CDU) vor wenigen Tagen (erneut) getan hat.

Bei Peter Altmaier geht es um die Billionen Frage – eine Zahl, die man sich nur schwer vorstellen kann. Heftig Kritik gibt es von Greenpeace Energy, über Bundesverband Erneuerbare Energie e.V.  bis hin zu Claudie Kemfert. Die Zahl ist einfach zu hoch. Im Gedächtnis der Wähler bleibt lediglich der Schock vor einer hohen Summe hängen.

Die Zahl von Löscher ist dagegen leicht vorstellbar. 400 € mehr, wenn man nicht den 3 Vorschlägen aus der Bild-Zeitung folgt:

  1. Kein Bedingungsloser Ausbau der Erneuerbaren
  2. Mehr Effizienz beim Verbrauch
  3. Mehr Zusammenarbeit in Europa

Werden diese Punkte erfüllt, dann könnte nach Vorstellung des Konzernlenkers die zusätzlichen Kosten je Haushalt auf die Hälfte reduziert werden. Offen bleibt, welche Studie oder Berechnung zu diesen Zahlen kommt. Nicht offen bleibt die Rolle, die das Unternehmen Siemens bei der Energiewende spielt.

Das Unternehmen sieht sich als Infrastrukturlieferant für die Energiewende. Die wichtigste Komponente, wenn es um den Umbau eines Stromnetzes oder Kraftwerkslandschaft geht.

„Siemens begrüßt die Vorlage des Netzentwicklungsplans. Ein zügiger Ausbau der Netze ist das Rückgrat der Energiewende. Dazu bedarf es intensiver Zusammenarbeit aller Beteiligten. Und die Bundesebene muss das Verfahren eng koordinieren und möglichst aus einer Hand führen.“  Udo Niehage, Konzernbeauftragter der Siemens AG zum Thema Energiewende (Quelle)

Auf Seite 55 der Mai Ausgabe von „Energiewirtschaftliche Tagesfragen“ findet sich ein Schaubild, bei dem man sehr genau erkennen kann, welche Komponenten aus dem Hause Siemens kommen sollen: Energiemanagement Systeme, Energiedatenmanagement, Lokale Betriebs & Instandhaltungs Modelle.

Das Unternehmen ist bei den Großunternehmen der Energiewirtschaft zu Hause. Wird sehr viel Strom in kleinen, dezentralen Anlagen erzeugt, dann bekommt das Unternehmen nur noch bei der Resteverwertung – dem Umbau der Netze zum Zuge. Regeln, Schalten, Steuern…

Selbst die 200€ Rechnung je Haushalt basiert allerdings auf der Annahme, dass der Strommarkt und besonders die Abhängigkeit vom Netz dem heutigen Status-Quo entspricht.

Bis 2020 sind noch mehr als 6 Jahre. Bis dahin könnten sehr viele private Haushalte – und ganze Kommunen – sich unabhängig vom Strompreis gemacht haben, indem sie zu Eigenstrom-Nutzern werden. Auf aktueller Datenbasis lässt sich der Strom so für ca. 18-24 Cent je kWh – ohne Förderung – langfristig produzieren. Bedenkt man dann noch Entwicklungen wie den Wäschetrockner mit 80% weniger Verbrauch, den Energynet vorgestellt hat, dann sieht man, wie schwer überhaupt zuverlässige Aussagen zu diesem Thema gemacht werden können.

Das sich die privaten Stromkunden aufgemacht haben, eine Entkopplung von Energiepolitik und heimischer Stromrechnung zu erzielen, kann man immer öfter lesen. Sehr erquickend sind immer die Beiträge des Sonnenflüsterers, der in einer seiner letzten Beiträge von seinem persönlichen Turn-Around berichtet. Bei einer Wohnanlage, bei der ich selbst eine Eigentumswohnung vermiete, bin ich gerade dabei die notwendigen Daten zu sammeln, um den Bewohnern eine PV-Anlage schmackhaft zu machen. Die Kosten für den Strom dürften allerdings auch in dieser Anlage deutlich zurück gehen. (An dieser Stelle: Wenn jemand mit solchen Projekten Erfahrungen hat – ich suche noch Unterstützung!).

Das gesamte Interview mit Löscher ist deutlich länger als nur die eine Aussage. Da aber die Bild-Redaktion in ihrer Online-Ausgabe den Titel bereits so auffallend gewählt hat, bleibt auch hier nur eine Aussage beim Leser hängen: 400€ …  Raum für besondere Spekulation lässt der Untertitel: „… wenn wir nichts dagegen tun“.

Was kann man tun?

Die berühmten 99% (der Bild-Leser) können von den 3 genannten Punkten im Beitrag nichts verändern. Sie können aber selbst schauen, wie sie effizienter mit Energie umgehen können und wie sie ihre eigene Energievision (Selbstversorgung?) aufbauen.

Also: Hab keine Angst vor Zahlen – egal woher sie kommen…

Den Beitrag "Siemens Chef Löscher lehrt in der Bild den Verbrauchern das Fürchten. offline Lesen:

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