Dunkle Wolken über dem GKM
Dunkle Wolken über dem GKM

In der lokalen Presse der Metropolregion Rhein-Neckar wurde diese Woche vor allem der Block 3 des Großkraftwerkes Mannheim besprochen, da es jetzt offiziell die Genehmigung für den Betrieb als „Kaltreserve“ in den kommenden beiden Heizperiodenen erhalten hat. Flankiert wird dies nicht nur von der nun beschlossenen bundesweiten Regelungen zur Kaltreserve (s.h. Süddeutsche), sondern auch vom Neubauprojekt „Block 9“.

Die Verstromung von Kohle befindet sich im Trudeln. Tobias Staufenberg, Geschäftsführer des BUND Regionalverbands Rhein-Neckar-Odenwald, kommentiert gegenüber blog.stromhaltig die wirtschaftliche und systemische Lage des Neubaus.

Anfang März 2013 sprach EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer das Offensichtliche aus:

zu den gegebenen Strompreisen sei das der Neubau vom Block 9 am Großkraftwerk Mannheim (GKM) nicht wirtschaftlich und man müsse überlegen, wie man damit umgehe.

Rasch signalisierte auch der zweite große Anteilseigner RWE, dass man für einen Verkauf der eigenen Anteile offen sei. Aus der Triade der Anteilseigner hielt lediglich die MVV Energie weiter zu dem Projekt – sie besitzt aber auch die alleinige Vermarktungsrechte für die Fernwärme.

Nach diesem PR-GAU ruderten RWE als auch EnBW kurze Zeit wieder zurück und man bekräftigte überdeutlich, weiterhin zu Block 9 zu stehen. Das Bild aber war klar: intern zweifeln sowohl RWE als auch EnBW an der Wirtschaftlichkeit von Block 9.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat das Projekt von Anfang an kritisch begleitet und neben vielen anderen Punkten auch die mehr als fragliche Wirtschaftlichkeit angemahnt. Zudem sind wir Anfang 2012 in Revision vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegangen, da zahlreiche Beinträchtigungsbedingungen durch das Kraftwerk im Genehmigungsverfahren nicht ausreichend berücksichtigt wurden und auch das vorige Verfahren vor dem VGH Mannheim diese Bedenken nicht ausräumen konnte.

Die nun durch das Regierungspräsidium Karlsruhe erfolgte Genehmigung, den Block 3 des GKM zwei weitere Jahre als sogenannte Kaltreserve zu betreiben, zeigt zweierlei:

  1. Kohleverstromung wird durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien zum Auslaufmodell.
  2. Die Energiewirtschaft klammert sich angesichts sinkender Gewinnmargen an ihre veralteten und unwirtschaftlichen Anlagen wie die Ratten an das sinkende Schiff.

Klar ist: im Sinne einer regionalen Netzstabilität muss die Versorgungssicherheit in den Wintermonaten gewährleistet sein. Mittelfristig wird der im Energie Einleitungsgesetz vorgesehene Netzausbau viele dieser Engpässe lösen, kurzfristig müssen jedoch Maßnahmen ergriffen werden.

Dazu müssen jedoch nicht zwangsläufig fossile Energiequellen freigehalten werden: Nachfrageflexibilisierung in der Industrie, die Erhöhung der flexiblen KWK-Kapazitäten, die Nutzung von vorhandenen Netzersatzanlagen (Notstromaggregate) und die Kapazitätssicherung im europäischen Netzverbund sind klare Alternativen. Auch in den Vorstandsetagen von EnBW und RWE weiß man das.

Zugeben würden sie es wohl kaum.

(von Tobias Staufenberg – Geschäftsführer des BUND Regionalverbands Rhein-Neckar-Odenwald)

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