enbw_differenzbilanzierungStuttgarter Zeitung (11.5.2013)

EnBW bleibt womöglich zunächst Herr über die Netze

Stuttgarter Zeitung (20.6.2013)

Bei der Betreibergesellschaft soll der Haupteigentümer sogar zunächst nur 25,1 Prozent bekommen. Den Hauptanteil wird ein Energieversorger mit Knowhow im Betrieb der Netze übernehmen. Wer die Anteilseigener und Betreiber sein werden, entscheidet sich aber erst im Herbst.

Der Kampf um Stromnetze hat viele Gesichter. Unter der Überschrift Besitzstandswahrung auf Verteilnetzebene hatte blog.stromhaltig  bereits einige genannt. Auf Basis der Diskussion um das Stromnetz in Stuttgart soll ein näherer Blick auf Veröffentlichungspflichten geworfen werden.

In Stuttgart möchte man eine kommunale Energiewende hinbekommen. Für das Stromnetz läuft die Konzession aus. Die Idee einiger Bürgerinitiativen war die Bildung eines neuen Stadtwerkes, welches die Konzession erhalten solle. Jedoch hatte man sich – wie auch in vielen anderen Gemeinden für eine Ausschreibung entschieden. Das Aktionsbündnis 100 Strom hatte sich bereits im Januar 2013 kritisch zu einer Ausschreibungspflicht geäußert (s.h. Video bei Youtube). Mittlerweile sind die Angebote eingegangen und im Herbst soll nun entschieden werden. Bislang war die EnBW Netze im Besitz der Konzession für die Landeshauptstadt.

Kurzportrait: Stadtwerke Stuttgart e.V.

Laut Webseite der Initiative verfolgt der Verein die Ziele:

  • Stadtwerke sind bürgernah.
  • Stadtwerke fördern dezentrale Energieerzeugung mit Erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung.
  • Ohne Stromerzeugung aus Atom- und Kohlekraftwerken und ohne die Leitungsverluste durch lange Übertragungsleitungen.
  • Stadtwerke stellen Energie zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung.
  • Stadtwerke sind dem Bürger verpflichtet und nicht den Aktionären.
  • Stadtwerke schaffen zusätzliche Arbeits- und Ausbildungsplätze.
  • Stadtwerke können zu einer Förderung der lokalen Wertschöpfung beitragen

Besonders ist die nun entstandene Trennung zwischen dem eigentlichen Netzbetrieb und der Energieversorgung. Die formulierten Ziele orientieren sich an den Bedürfnissen der Bürger. Durch die gesetzliche Entkopplung von Versorgung und Netzbetrieb rückt das Thema Konzession in den Hintergrund.

Zwei Stimmen für die Bürger

Geht es um das Gelingen der Energiewende, dann haben die Bürger theoretisch zwei Stimmen. Eine Stimme geben sie ab, bei der Wahl ihres Stromanbieters. Einer der Mitbieter in Stuttgart, die Elektrizitätswerke Schönau hatte ihre rund 10.000 Kunden im Februar aufgefordert dieses Stimmrecht durch Wechsel zu den Stadtwerken auszudrücken. Die andere Stimme haben die Bürger bei der Besetzung der Stadtparlamente, diese entscheiden über die Vergabe des Konzession.

Netzbetrieb zu Zeiten der Energiewende

Für das Gelingen der Energiewende sind viele Faktoren notwendig. Bei der Stromwende ist die Ausgestaltung des Netzbetriebes einer der größeren Baustellen. Zu diesen Baustellen zählt sowohl die Integration der dezentralen Stromerzeugung in die Verteilnetze, als auch die Versorgungssicherheit generell. Betriebs Know-How ist daher mit Sicherheit notwendig.  Eine Qualitativebeurteilung fällt allerdings schwer, da die notwendigen Einblicke in den Ausschreibungen der Kommunen nur untergeordnet berücksichtigt werden.

Veröffentlichungspflichten zum Netzbetrieb

Damit die verschiedenen Bewerber um einen Netzbetrieb mit einander verglichen werden können, existieren etliche Veröffentlichungspflichten. Ein Beispiel ist die sogenannte Differenzbilanzierung  nach § 12 Abs 3 StromNZV. Im Rahmen dieser Veröffentlichung wird angegeben, welche Mengen an Ausgleichsenergie benötigt wurde, um auf dem Netzgebiet die Abweichungen zwischen Prognose und tatsächlichem Verbrauch auszugleichen.

Für den aktuellen Konzessionsinhaber in Stuttgart, die EnBW Regional AG, kann man die Veröffentlichung für das Jahr 2012 abrufen. Der Pflicht wurde damit genüge geleistet. Allerdings hätte man sich dieses PDF auch gleich sparen können, denn die 661 Seiten sind so konzipiert, dass die Daten nicht elektronisch auswertbar sind. Dies ist kein unübliches Verfahren, zeigt allerdings, dass man der Pflicht nachkommt – aber möglichst die Betriebsgeheimnisse waren will.

„Ein Problem bleiben teils deutliche Bilanzkreisabweichungen, besonders zwischen Weihnachten und Neujahr.“

Dieser Satz wird wohl in einer Veröffentlichung der Bundesnetzagentur für die Situation im Deutschen Stromnetz des Winters 2012/13 zu finden sein (s.h. auch). Ob dieses Problem vom aktuellen Konzessionsinhaber mehr oder weniger verursacht wurde, kann auf Basis des PDFs zumindest nur mit sehr viel Fleißarbeit beantwortet werden. Ein erster Blick auf die Zahlen zeigt allerdings, dass sich die EnBW im besseren Marktschnitt bewegen dürfte. Allerdings sind bislang auch noch nicht alle Daten der Verteilnetzbetreiber auswertbar vorhanden.

Der Betrieb eines Stromnetzes ist mit Sicherheit nicht leicht. Allerdings sollte die Aufgabe auch nicht überschätzt werden. Betrachtet man die Diskussion in Stuttgart von außen, kommt der Anschein auf, das die Diskussion zwar lebensnah am Bürger geführt wird,  man bei den Netzen selbst jedoch von den eigenen Idealen wegrückt.

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