EB-MeinungEnergiewendeTritt Günther Öttinger auf einer Veranstaltung auf, dann kann man sich auf gute Unterhaltung verlassen. Auto Motor und Sport, das Handeslbatt oder der Veranstalter Reed haben sich dieses Jahr schon für den EU-Minister als Key-Note entschieden.  Er verleugnet nicht seine Herkunft aus dem Ländle und unterstreicht seine Bodenständigkeit gerne mit deterministischen Forderungen. Die neuste Forderung brachte ihm ein „Auf Krawall gebürstet“ als Titel  in der Online-Ausgabe Focus ein.

„Aber wir können in Zukunft nicht weiter 7500 Megawatt Photovoltaik-Leistung installieren, die keiner braucht – und dann auch noch für Backup-Infrastruktur bezahlen, die nötig ist, wenn gerade keine Sonne scheint“, so Oettinger. (Quelle: Focus)

Der EU-Minister sieht sogar die Versorgungssicherheit in Deutschland gefährdet. Eigentlich verwunderlich, wenn man die jüngsten Zahlen etwas näher anschaut.

Eine der letzten Veranstaltungen, bei denen Oettinger aufgetreten ist, ist die GESA Smart City & Urban Security Konferenz in der vergangenen Woche in Berlin, die in Kooperation mit dem Fraunhofer Ernst-Mach-Institut durchgeführt wurde. Ein anderes Fraunhofer Institut hatte erst vor wenigen Tagen die Fakten zur Photovoltaik in Deutschland zusammengetragen, welches zum auch zum Ergebnis kommt, dass PV-Strom in Deutschland relevante Beiträge zur Stromversorgung bringt. Oettinger fordert das EEG spätestens nach der Bundestagswahl zu reformieren. Die Fakten des Fraunhofers sehen zwar auch Reformbedarf, allerdings mit einem etwas differenzierterem Ergebnis:

Ziel des EEG ist  weiterhin, die Stromgestehungskosten kontinuierlich zu reduzieren. Ein wichtiger Baustein zur nachhaltigen und emissionsfreien Stromerzeugung wird aber auch die reale Einpreisung der externen Kosten konventioneller Energie darstellen, wie es bspw. der Emissionshandel erreichen soll. Dieses Instrument bewirkt aber derzeit noch keine wesentliche Verteuerung der konventionellen Energie, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energie stark geschwächt wird (vgl. Abschnitt 4.3 zum Preiseinfluss der Politik).

Ein etwas anderer Blickwinkel, wenn man die Wettbewerbsfähigkeit der EEG-Anlagen mit dem Emissionshandel verknüpft. Ein Handel der eigentlich zum Ziel hat weniger CO2 Emission in Europa zu haben – der aber nie richtig abgehoben ist und nach dem Backloading Vorschlag auch erst sich bewehren muss. Das diese Woche noch die Deutsche Blockade zu den EU-Klimaauflagen für Autos bekannt wurde stellt die Frage, welche Kimlaziele verfolgen wir eigentlich mit welchen Mitteln?

Weniger CO2 bedeutet auch weniger Verbrennung von fossilen Rohstoffen, bedeutet auch weniger  Rohstoff Import – auch darum geht es bei der Stromwende in Deutschland. Eine Position, die eigentlich Herrn Oettinger gefallen durfte, bedenkt man eine Aussage von ihm von vor 2 Jahren:

Laut Oettinger wird der Energie-Importbedarf der EU, der aktuell bei 55 Prozent liegt, in 20 Jahren bis auf 75 Prozent ansteigen. Eine äußerst beunruhigende Perspektive, findet der EU-Kommissar. (Quelle: AM&S)

Wer braucht die 7.500 MW PV-Strom? Derjenige, der beruhigend sich von Energie-Importen unabhängig machen möchte. Aktuell kann mit dem PV-Strom nicht einmal die Spitzenlast gedeckt werden, die zur Mittagszeit regelmäßig für einen Rückgriff auf die Wasser-Speicher sorgt (s.h. auch dieser Beitrag). Vielleicht haben Speicher aber eine bessere Verwendung, als ein täglich wiederholender Ritus der Spitzenlast auszugleichen. Auch Oettinger scheint dieser Meinung zu sein…

Wenn – hypothetisch – keinerlei neuer Strom ins Netz eingespeist werde, würden die Reserven im Land gerade einmal für 24 Minuten reichen“, rechnete er vor. „Wenn wir denken, wir müssten dann nur zwei Steckdosen mehr im Wohnzimmer installieren, damit mehr Strom kommt – Pfeifendeckel!“ (Quelle Focus Bericht)

Zwei Steckdosen mehr ist vielleicht ein sehr schöne Analogie, da Strom nicht gleich Strom ist. Um Kosten zu sparen, sind einige Supermärkte mit großen Kühltruhen bereits heute dabei den Strom dann zu konsumieren, wenn er günstig ist. Die eine Steckdose hat dauerhaft Strom – die andere nur dann, wenn er benötigt wird. Dynamische Lasten im Rahmen des Demand Side Managements sind viele vorhanden, ohne dass es zu einem großen Infrastrukturumbau bedarf.  Kilian Rüfer beschreibt dies in einem Gast-Beitrag bei Energynet wie folgt:

Nach den Zielen aus dem Energiekonzept der derzeitigen Bundesregierung müssen nun also fleißig Anreize für Ausgleichsmöglichkeiten ausgearbeitet und durchgesetzt werden, um eine Energiewende in die Tat umzusetzen.

Wenn die Sonne nicht scheint, dann weht der Wind im Norden, weht er dort nicht, dann weht er als Föhn im Süden (wo man noch etwas mehr Windkraft braucht…). Weht er auch dort nicht, dann gibt es noch Laufwasser – und wenn das auch nicht reicht, dann vielleicht noch die Biomasse aus Gras oder Bioabfall. Dazu bedarf es zwar noch etwa Ausbau, aber keinen Ausbaustopp….

Aktuell gibt es beim PV-Strom noch „schwarze Tage“ wie den 26.06.2013. An diesem Tag musste durch fehlerhafte Prognose mehr Strom aus anderen Quellen erzeugt werden, als die PV-Anlagen aufbrachten (=Positive Ausgleichsenergie). Dennoch geht die Rechnung unter dem Schnitt besonders für die Wirtschaft aus, die ihre Energiekosten durch günstigen PV-Strom im Spitzenlastbereich senken kann. Privathaushalte beziehen dagegen nur selten Solar-Strom, wie unlängst hinterfragt wurde.

Den Beitrag "Fakten Check des Oettinger's Energiewende Entertainment offline Lesen:

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt