Eirgrid – Das Stromnetz in Irland

Liveansicht CO2 Emission bei Eirgrid
Liveansicht CO2 Emission bei Eirgrid

Inseln haben eine besondere Faszination, besonders wenn es um das Stromnetz geht. Abgeschlossene Versuchslabore für die Energiewende, bei denen meist nur ein oder zwei Zuleitungen beachtet werden muss. Ideal, wenn man nicht die ganzen Verflechtungen mit ihren Interaktionen und Auswirkungen, ansehen will.  Das Stromnetz in Deutschland ist zum Beispiel sehr komplex. In der Mitte von Europa wird elektrische Energie regelmäßig mit den Nachbar ausgetauscht. Spricht man von der Integration der Erneuerbaren, dann reicht es nicht Österreich oder Deutschland isoliert zu betrachten – es muss geregelt sein, welche Rolle und Aufgaben die Nachbarstaaten haben. Technisch diese Herausforderung zu lösen ist eine Seite; die kaufmännische Seite eine andere.

Damit der Strom über Grenzen der einzelnen Länder in Europa hinweg ausgetauscht werden kann, existiert der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (Entso-E) Befindet man sich in der Mitte des Netzes, so kann es zu Durchleitungseffekten komme. Beliebt ist das Beispiel des Deutschen Windstroms, der vom Norden über die Nachbar Polen und Tschechien irgendwann in Bayern ankommt. Durch diesen Austausch wird es sehr schwierig eine verlässliche Aussage darüber zu machen, ob Deutschland selbst seine Stromversorgung aufrecht halte kann, oder zwingend auf den Austausch mit den Nachbarn angewiesen ist.

Leichter fällt solch eine Aussage bei einer „Insel“ wie Irland. Der Austausch erfolgt an der Nord-West Grenze der Entso-E ausschließlich mit Vereinigten Königreich. Zuständig für die Betriebsführung der Netze ist die 2001 gegründete EirGrid. Ein Unternehmen, welches sich vollständig im Staatsbesitz befindet und nicht, wie bei vielen anderen Ländern des Verbundnetzes, ein oder mehrere Privatunternehmen. Dennoch müssen die gleichen Aufgaben der Versorgung gelöst werden. Auf Irisch übersetzt sei dies vor allem die Integration eines 40% Anteils aus Windkraft bis zum Jahre 2020.

Hinsichtlich des Strombedarfs ist Irland etwa 10-15 mal kleiner als Deutschland. Die konventionelle Stromerzeugung ähnelt ihrer Struktur nach sehr der Struktur in Österreich. Spitzenlasten werden mit Gas abgedeckt – die Grundlast kommt von Kohle.  Ausnahme ist die Seite der Erneuerbaren Energieträger hier spielt die Windkraft eine dominante Rolle. Zwischen 1,3 und 1,7 GW wird an einem „nomalen“ Tag durch den Wind eingebracht – zeitgleich schwankt der Bedarf um die 3,0 GW (Tagesmittel/Frühjahr). Man sieht, wie weit man an die Ziele für 2020 bereits gekommen ist.

Glaubhaft wird die Eigrid durch ihre Veröffentlichungen und die Möglichkeit der Betriebsführung auf die Finger zu schauen. Bekommt man in der Mitte Europas häufig den Eindruck, das Zahlen und Dokumentationen rein zur Erfüllung von Veröffentlichungspflichten bereitgestellt werden, so bekommt  man bei Eigrid das Gefühl, dass man sich auch ein paar Gedanken gemacht hat, was die Informationskunden überhaupt erwarten. Für IPhone Nutzer existiert zum Beispiel eine App mit den aktuellen Netzdaten und dem Netzplan (zu finden mit der Suche nach „EirGrid“). Ähnlich der Anwendung der französischen RTE wird hier auch der CO2 Footprint des Inselstaates berechnet und angezeigt.

Deutlicher wird das Vertrauen, dass von mehr Transparenz ausgeht, am Beispiel der Schwarzstartfähigkeit von Stromnetzen. Vor einigen Wochen hatte ich versucht die Kommunikationspläne für einen Schwarzstart (Vollständiger Stromausfall größerer Netzteile) in Deutschland zu finden. Die einzigen Pläne, die öffentlich zugänglich waren sind die des EirGrid. Sehr empfehlenswert zu lesen, wenn man wissen will, was eigentlich bei einem größeren Ausfall passiert.

 

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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