BNetzA Geheimbericht: Integration von Wind- und Sonnenstrom in das Stromnetz gelingt immer besser.

BNetzA: Verbesserte Lage des  Stromnetz im Winter 2012/2013
BNetzA: Verbesserte Lage des Stromnetz im Winter 2012/2013

Eigentlich schade, dass positive Meldungen der Bundesnetzagentur nur über kostenpflichtige Nachrichten-Ticker verteilt werden. Auf der Agenturseite selbst  findet sich bislang nicht der Bericht über die Lage des Stromnetzes, der von einigen Online Medien aufgegriffen wurde. Fest steht, dass die Agentur wohl die Stabilität des Stromnetzes im Winter 2012/2013 genauer untersucht hat, dabei kam es zu weniger Eingriffen und Instabilitäten, als bislang angenommen.

«Insgesamt verlief der Winter 2012/13 weniger angespannt als der Winter 2011/12», heißt es im noch unveröffentlichten Bericht der Bundesnetzagentur zur Winterversorgung (Quelle: Kölner-Stadtanzeiger)

Insgesamt werden 3 Tage genannt, an denen es dennoch zu Situation gekommen ist, die eine professionelle und gut geschultes Personal bei den Netzbetreibern gefordert hat.

Die Wintermonate sind in jedem Jahr eine besondere Herausforderung für die Stromnetze. Waren es in den 1980er Jahre noch die Sommer, die durch niedrige Flußpegel zu geringer Kühlung der Kraftwerke führten – und damit eine Lage darstellten, so sind es heute die Winter bei denen der Verbrauch deutlich höher ist.

Bei den Situationen im nicht veröffentlichten Bericht der Bundesnetzagentur handelte es sich um Ereignisse, die bei blog.stromhaltig bereits beschrieben wurden.Interessant ist, dass nicht das Ausbleiben von Erneuerbarer Energie eine Herausforderung darstellte, sondern die zuviel vorhandene Energie.

Am 29. Januar 2013 mussten Reservekraftwerke hochgefahren werden, um ein Gegengewicht für die starke Einspeisung aus Windkraft vom Norden entgegen zu wirken. Dieses Paradoxon kann man im Hintergrund Beitrag zur Blindleistung näher betrachten. In diesem Beitrag sind auch Alternativen aufgezeichnet, die zum Beispiel aus einer Kopplung von großen Solar-Parks direkt an die Übertragungsnetze, aus räumlicher und  betrieblicher Sicht, bestehen kann. Unschön ist, dass sich letztendlich um einen Prognosefehler handelte, wie die Hannover Zeitung mitteilt:

Allerdings wäre der Einsatz aufgrund aktualisierter Windprognosen gar nicht mehr nötig gewesen, aber der Anfahrvorgang konnte nicht mehr gestoppt werden.

Ungeplante Nichtverfügbarkeiten von Kraftwerken am 25.03.2013 - Quelle: EEX
Ungeplante Nichtverfügbarkeiten von Kraftwerken am 25.03.2013 – Quelle: EEX

Am 25. und 26. März 2013 hat dann die Nichtverfügbarkeit der konventionellen Kraftwerke im Süddeutschland das Netz strapaziert. Ein Phänomen, welches sich durch eine alternde Kraftwerkslandschaft in den kommenden Jahren noch verschlimmern dürfte.  Fehlt eine Leistung von 2.515 MW, so ist dies ein Defizit, welches mit Kreativität ausgeglichen werden kann.

Redispatch-Maßnahmen am 25. und 26. März 2013 der Tennet TSO:

25.03.2013 4 14:45 2090
26.03.2013 7 16:00 1740

(Quelle: Tennet TSO)

Strom-Export Deutschland

Im nicht veröffentlichten Bericht der Bundesnetzagentur wird scheinbar auch ein Blick auf die Export-Situation geworfen:

Die Netto-Stromexporte stiegen im Winter um 92 Prozent an. Lagen sie im Winter 2011/12 noch bei 10,9 Terawattstunden (TWh), so kletterte sie im Winter 2012/13 auf 20,8 TWh.(Quelle: Westfälische Nachrichten)

Deutschland ist eine Export-Nation, beim Strom hat dies natürlich einen schönen Nebeneffekt auf die Rentabilität von fossilen Kraftwerken. Wie bereits im Beitrag über das Kraftwerk Lünen beschrieben wurde, liegen die Erlöse für Export-Strom meist über den nationalen Strompreisen. Ein lohnendes Geschäft, wenn das Engpassmanagement an den Übergabepunkten klappt.

Prognosefehler

Bereits genannt wurde die fehlerhafte Windprognose, die im Januar zum Abruf der Kaltreserve geführt hatte. Zwischen Weihnachten und Neujahr kam es nach dem Geheimbericht scheinbar wieder zu deutlichen Bilanzkreisabweichungen.

Abweichung Bilanzkreis 2012 (Exemplarisch)
Abweichung Bilanzkreis 2012 (Exemplarisch)

Bei der Führung und Eindeckung der Bilanzkreise kommt scheinbar zu selten ein parametrischer Ansatz zum Einsatz, dadurch können Schwankungen durch das Wetter, Beschäftigung und vielen weiteren Einflussfaktoren nicht in die Bilanzkreisführung eingebracht werden.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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