Anteil der Kosten Regelenergie an der Bilanzkreisabrechnung
Anteil der Kosten Regelenergie an der Bilanzkreisabrechnung

… getragen werden sie von den Stromkunden – verursacht von den Verantwortlichen der Bilanzierungskreise…

Über ein Drittel (37%) der bilanzierten Stromkosten des Übertragungs- netzbetreibers 50 Hertz gehen in die Bereitstellung von Regelenergie für die angeschlossenen Verteilnetze (Stromanbieter / Grundversorger). Bei den anderen 3 ÜNBs (Amprion, Tennet, TransnetBW) dürfte die Rechnung nicht viel anders aussehen. Ein Kostentreiber, der vor allem  kleinere Stromkunden belastet – seinen Ursprung aber in der Planung und Prognose der Anbieter hat.

Aufgabe der Übertragungsnetzbetreiber ist es für die gesamte Regelzone in Deutschland zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen, dass soviel Strom im Netz vorhanden ist, wie zum selben Zeitpunkt benötigt wird. Ist zuviel Strom im Netz, dann muss dieser durch negative Regelleistung ausgeglichen werden, gibt es zuwenig Strom, so muss mit Hilfe der positiven Regelleistung für Nachschub gesorgt werden. Stromerzeuger können für die unterschiedlichen Arten der Regelleistung ein Gebot abgeben – wird diese benötigt, so kommt zunächst der Anbieter mit dem niedrigsten Preis zum Zuge, bis der aktuelle Bedarf gedeckt ist (Merit-Order). Eine Übersicht über die Auktionsergebnisse stellen die 4 Übertragungsnetzbetreiber auf einer eigenen Seite zur Verfügung. Regelenergie/Regelleistung soll aber nur zum Ausgleich von Prognosedifferenzen benötigt werden.

Der mengenmäßig größere Teil des benötigten Stroms stellt das sogenannte Grundlastband da. Es   ergibt sich aus der Verbrauchsprognose der einzelnen Stromanbieter. Diesen Energiebedarf zu decken ist relativ kostengünstig, denn hierfür bestehen Lieferverträge und letztendlich auch der Handel an der Strombörse. Stromabnehmer, mit einem Jahresbezug von mehr als 100 MWh, sind bereits seit einigen Jahren verpflichtet ihren Lastgang/Lastprofil genau zu kennen. Kleinere Stromabnehmer werden mit standardisierten Lastprofilen, wie dem H0 Profil für Privathaushalte, prognostiziert. Das gerade die Profile der kleineren Stromkunden, nur ein sehr ungenaues Bild der Wirklichkeit abgeben, ist bereits seit einiger Zeit bekannt – rund zwei Drittels des verbrauchten Stroms werden bislang damit geschätzt. Ob und in welchem Umfang die Möglichkeiten der Smart-Meter Auslesung für eine bessere Prognose genutzt werden, ist unklar.

Sicher ist hingegen, dass für kleinere Stromkunden die Kosten für die Regelenergie in die Netzentgelte einfließt. Damit ist es aus Sicht des Energieversorgers ein durchlaufender Posten in der Abrechnung – ähnlich der EEG-Umlage oder der Mehrwertsteuer. Für Großkunden, die eine direkte Eindeckung über ein bekanntes und gesichertes Lastprofil vornehmen lassen können, fällt die Umlage der Regelleistungskosten relativ gering aus.

Aus Basis der aktuellen Marktstruktur haben die Netzbetreiber lediglich aus Sicht der Netzstabilität ein Interesse die Nutzung der Regelleistung zu optimieren. Ein Monetäres Interesse ist wohl eher nicht vorhanden. Stromanbieter, die im Wettbewerb um den Kunden die Preise niedrig halten möchten, brauchen sich um dieses Thema auch nicht zu kümmern, da auch ein Konkurrent mit den gleichen Kosten rechnen muss. Ein Kostenfaktor, bei dem man durch Optimierung der Prozesse keine Veränderung herbeifügen kann, hat bei noch keinem Unternehmen für Investitionen gesorgt.

Der Aufbau eines Smart-Grids – eines intelligenten Stromnetzes – betrachtet lediglich die technischen Aspekte. Am Beispiel des Marktes für Regelleistung wird erkennbar, dass die kaufmännische Seite deutlich flexibler gestaltet werden muss. Könnte ein Stromanbieter durch „smarte“ Bedarfsprognose einen deutlich günstigeren Einstandspreis erzielen, dann würde wahrscheinlich auch der Kostenanteil für Regelenergie fallen.

Nicht nur der Bau neuer Leitungen geht ins Geld. Auch die Stabilisierung des derzeitigen Stromnetzes kostet immer mehr. (Der Standard)

Regelleistung ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ein unverzichtbares Element der Netzstabilität – auf der anderen Seite ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.

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