Der Kohlepfennig - der Beginn der Stromkostenumlage
Kampfansage der Kohle?

Fast jedes Medium hat die heutige Pressemitteilung von Greenpeace aufgegriffen und zitiert. Hintergrund war eine Studie der Uni-Stuttgart, aus der eine Gesundheitsgefahr aus der Verbrennung von Braunkohle abgeleitet wird.  Was leider kaum beachtet wird ist der Fakt, dass sich die Braunkohle auf kurz oder lang selbst abschaffen wird. Schuld daran sind die Betriebskosten die immer weiter steigen werden. Strom aus Wind, Biomasse, Sonne und Wasser wird aus rein wirtschaftlichen Gründen die saubere Nase vorne haben, wie eine Studie der Citigroup belegt.

Rund 45% des in Deutschland erzeugten Stroms stammt aus der Verbrennung von Kohle (s.h. auch Strommix-Navigator). An diesem Faktum wird sich kurzfristig nicht viel ändern. Eine besonders hohe Feinstaubemission haben Braunkohlekraftwerke. Aktuell existieren in Deutschland 55 Blöcke die sich in der Kölner-Bucht, um Leipzig und an der Polnischen-Grenze angesiedelt sind (s.h. Fusion Map). Die Nennleistung beträgt etwa 19 GW, dies entspricht etwa  13 Atomkraftwerken – oder der Leistung von rund 10.000 Windrädern neuerer Bauart.

Der große Unterschied zu neuen Kraftwerken besteht in der Kostenstruktur. Mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren, sind die meisten Kraftwerksblöcke bereits abgeschrieben. D.h. die Investitionskosten sind erwirtschaftet und verteuern den nun erzeugten Strom nicht weiter. Es ist davon auszugehen, dass Kraftwerke eine Abschreibung von 30 Jahre haben. Daraus ergeben sich 32 Kraftwerke mit einer Leistung von 8.495 MW, die frei von Investionskosten ihre Kalkulation machen können.

braunkohlekraftwerke_deutschland

 

Wie bereits im Beitrag „Alternde Kraftwerkslandschaft“ beschrieben, wird es wohl eine Abrwrackprämie brauchen (also zusätzliche Anreize), um diese Erzeuger vom Netz zu nehmen. Das Problem ist, dass trotz der geringen Anzahl diese Kraftwerke regelmäßig in der Liste der ungeplanten Abschaltungen auftauchen. Aktuell sind 5 Blöcke betroffen – also fast 10% der verfügbaren Anlagen. Als Aktionär der Betreiber würde ich diesen Punkt ernsthaft hinterfragen, man stelle sich einen Zahlungsausfall von 10% vor – bei Krediten bekommt man mit einer solchen Wahrscheinlichkeit einen mächtigen Strafzins auferlegt. Möge die Dividende dies beachten..Meine Vermutung ist, dass die Kosten für Betriebssicherheit das Thema schneller erledigen als Greenpeace in seinem Medien-Blast annimmt.

Betreiber von Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen haben auch noch ein Vermarktungsproblem. Nach der bereits häufig beschriebenen Merit Order wird auf Basis des variablen Gestehungspreises die Kraftwerke abgerufen. Eine Komponente der Gestehungskosten sind die umgelegten Wartungskosten nach MTBR (Durchschnittliche Zeit zwischen Wartungen). Die ungeplanten Ausfälle zeigen, dass sich die Häufigkeit der Ausfälle akut verschlechtert.  Die Konkurrenz sind ferngesteuerte Windparks, PV-Anlagen und Wasserkraftwerke, die nicht einmal Personal Vorort bereithalten lassen. Diese schlanke Betriebsführung ergibt einen relativ niedrigen Einstandspreis. Bei Braunkohle muss zusätzlich noch der Brennstoff selbst eingerechnet werden.

Bleibt die Frage, wer hat etwas von der Greenpeace Meldung? Ziel scheint für mich das Beschleunigen eines natürlichen Prozesses, der sich aus rein wirtschaftlicher Sicht auch von selbst ergibt. Kurzfristiger Gewinner sind die Betreiber von Laufwasser und Windkraftanlagen wie Greenpeace-Energy, bei denen der private Stromkunde eine Entscheidung treffen kann. Ob die Gesamtanzahl der Ökostromverträge über alle Anbieter erhöht wird durch diese Meldung bezweifle ich.

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