Wer regelmäßig das Medienmagazin ZAPP (NDR) schaut, der hat vielleicht vor einigen Wochen den Bericht gesehen, bei dem es darum ging, wie Zeitungen zitiert werden möchten und das es Rankings gibt, wie viele Zeitungen die eigenen Inhalte abgeschrieben haben. Das Handelsblatt hat in seiner Dienstagsausgabe einen Sprung nach vorne gemacht. Die Schlagzeile „Im Stromnetz hat’s gewackelt“ wurde dank des Nachrichtendienstes DTS in etliche Online Medien verbreitet mit kaum einer Änderung zum Original.

Der Bericht im Handelsblatt bezieht sich auf Fakten aus einem Kurzbericht der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Sytemsicherheit. Leider scheint bei der Quelle, eine öffentliche Einrichtung, eine Panne bei der Pflege der Webseite vorhanden zu sein, denn dort wird unter Aktuelles und bei einer Suche nach „Systemsicherheit“ kein Kurzbericht gelistet. Berichte, die nur einem Medium vorliegen sollte es eigentlich bei einer öffentlichen Einrichtung nicht geben.

Das Handelsblatt nennt in seiner Lesung des Berichtes eine Häufigkeit von 38 massiven Eingriffen in die Netzstabilität. Diese Zahl deckt sich um 8 Zähler mit den ungeplanten Abschaltungen (=Störungen) von Großkraftwerken im Zeitraum. Könnte also auch eine Ursache für die Eingriffe sein, wenn plötzlich 450MW weniger im Netz sind. Leider lässt sich diese Aussage genauso wenig validieren wie die Annahme, dass die Erzeugung aus Wind und Sonne dafür verantwortlich ist. Fehlende Validierbarkeit schadet zwar der Glaubhaftigkeit, aber der kann man ja nachhelfen. Vielleicht mit einer kreativen Verschlagwortung…

Betrug, Kriminalität, Kriminalität und Recht

.. eine Auswahl der Schlagworte zum Bericht bei dem Handelsblatt. Leider fehlt mir im Beitrag sämtliche Hinweise auf eine kriminelle oder auch nur latent kriminelle Handlung. Einen Betrug? Begangen von wem? Den Übertragungsnetzbetreibern? Den Stromerzeugern? – Keine Antwort…

Schaut man etwas hinter die Fassade, so sollte man zunächst überlegen, wie es überhaupt zu kritischen Situationen im Stromnetz kommt. Ab einer gewissen Liefermenge von Energie muss im Voraus geplant werden, dabei ist es unerheblich welcher Primärenergieträger zur Erzeugung verwendet wird. Fahrpläne werden erstellt – der prognostizierte Lastgang wird durch die Erzeugungseinrichtungen eingedeckt. Wenn wirklich ein Überangebot an Strom vorhanden war, warum sind dann nicht einige Kraftwerke mit einer hohen CO2-Emission vom Netz gegangen? „Zu hohes Stromangebot führt zu weniger Klimakillern“  – Ist doch auch eine Schlagzeile wert. Wird vielleicht nicht ganz so häufig zitiert, aber wenigstens mal eine Positivmeldung.

38, oder 200 oder 2000 oder doch 4 Netzeingriffe

Von allen Medien, die die Meldung aufgegriffen haben, hat jede mir bekannte die Zahl „38“ übernommen. Diese steht relativ unspezifiziert im Raum. Im Fortschrittsbericht 2012 (Bayern) findet man auf Seite 10 für das Umspannwerk Redwitz – Remptendorf  für eine Gesamtjahr (8760 Stunden) eine Zahl von 2000 Stunden mit Eingriffen in die Netzstabilität….

Fakt ist: Die Fakten fehlen…

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