Gerade in den Industriestädten existieren noch viele oberiedische Bunker, die zu Zeiten des kalten Krieges einen Schutz für die Öffentlichkeit hätten bieten sollen. In Hamburg Wilhelmsburg hat man nun eine neue Verwendung des Bunkers gefunden, er wird zum thermischen Speicher umgebaut. Im Beitrag Ein Bunker für Energie  des DRadio Wissen kann man dies nachhören.

Bunker für den Zivilschutz sind mit ziemlichem Abstand die häßlichsten Gebäude, die in etlichen Industriestädten Deutschlands als Mahnmal für den Frieden stehen. Allein in Mannheim existieren 20 dieser Schutzbauten übererdisch. Betritt man einer dieser Anlagen, dann merkt man dass darin ein sehr eigenartiges Klima herscht. Unbeheizt – aber dennoch viel zu warm und meistens schwül. Schuld ist die Fasade, die mit bis zu einem Meter wie eine rießige Thermoskanne das innere klimatisch von der Außenwelt abschirmt.

Bild-Quelle: Papillon Bunker Heerdt (Modell)
Bild-Quelle: Papillon Bunker Heerdt (Modell)

Bereits vor 10 Jahren hatten sich die Architekten Rainer Mielke und Claus Freudenberg darauf spezialisiert den Relikten aus Kriegszeiten eine neue Bestimmung zuzuführen. Es entstanden Wohnungen in den Bunkerräumen. Ein besonders exklusives Ambiente für die eigenen 4 Wände. Auch in Düsseldorf entsteht aktuell ein ganz neues Wohnprojekt Papillion im Bünker Heerdt. Der Trend zum Wohnen im Bunker scheint weiter zu gehen. Doch vielleicht ist der Einsatz als Energiespeicher auch keine schlechte Idee. Das Hamburger Projekt ist eine Art Re-Powering, das im Rahmen der Internationalen Bau Ausstellung (IBA) umgesetzt wird.

Ob Stromspeicher oder Thermischer Speicher – die Notwendigkeit von großen Energiepuffer wird zunehmen. Das Hamburger Bunker Projekt ist nach eigenen Angaben konzipiert für 3.000 Haushalte – mittels 2.000 m³ Pufferung. Die Energie kommt dabei aus Abwärme der Norddeutschen Ölwerke, Solarthermi sowie Biogas aus dem Stadteigenen Klärwerk. Nicht unbedingt CO2-Neutral – aber immerhin eine rechnerische Einsparung von über 90%, wie man bei Inegeneur.de nachlesen kann.

Auch für das Stromnetz könnten solche Anlagen von Interesse werden. Bei einem 100% Wirkungsgrad wird der Wärmeumwandlung – und ohne Nutzung von Wärmetauschern – werden für 1.000 Liter Wasser (1 m³) zur Erwärmung um 10 Grad etwa  11,6 kWh Energie benötigt. Die Speicherkapazität in Hamburg entspricht demnach ~ 23.200 kWh (23 MWh).

In der Zeit von 1.4.2013 bis  5.4.2013  wurde für gesamt Deutschland eine negative Minutenregelleistung von 5.400 MWh abrerufen (Quelle). Bei der negativen Regelleistung handelt es sich um Großstromverbraucher, die innerhalb von einer Minute Strom aus dem Netz nehmen können. Existieren viele dieser Anbieter/Einrichtungen, dann können negative Strompreise aktiv verhindert werden, da Überschüssiger Strom nicht mehr ins Ausland exportiert werden müsste, sondern „eingelagert“ werden kann. Mit 234 Bunkern könnte man – bei gleichen Bedingungen –  den gesamten Bedarf an negativer Regelleistung in Deutschland der letzten 5 Tage decken.

Was sich wie ein sehr schönes Modell anhört scheitert allerdings am aktuellen Strommarktdesign. Müsste niemals Geld fließen, dann hätte ein solches Szenario durchaus etwas von nachhaltigem Energiemanagement. Das Problem ist, dass die gespeicherte Energie immernoch mit Verlusten behaftet ist. Energie in der Form von Wärme kostet weniger als Haushaltsstrom. Ein falsches Speichermanagement bedeutet schnell ein finazieller Schaden für den Betreiber usw… usw…

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