Strom Export Bilanz Deutschland
Strom Export Bilanz Deutschland

Das es in Deutschland zu viel Strom gibt, ist nicht unbedingt ein neues Phänomen. 10 Jahre (2002) ist es her, dass die Jahresbilanz das letzte mal negativ war. Im Jahre 2012 wurde nun ein neue Rekordmenge an Strom in das Ausland exportiert von 67,3 Mrd kWh – bei einem Import von 44,2 Mrd. kWh. Die Handelsbilanz zeigt damit einen Exportüberschuss von 23,1 Mrd kWh oder einem Viertel der der Strommenge die im vergangenen Jahr aus Kernenergie im Bundesgebiet erzeugt wurde (99,9 Mrd kWh).

Zu entnehmen sind diese hoch spannenden Zahlen der aktuellen Statistik der AG Energiebilanzen. Klar zu erkennen ist in dieser Statistik, dass wir uns in Deutschland auf einem gesättigten Energiemarkt befinden. Darunter versteht der Volkswirt einen Markt, bei der eine zusätzlich erzeugte Einheit eines Produktes nur durch die Verdrängung eines anderen Marktteilnehmers absetzt werden kann. Dieser Konkurrenzkampf herrscht zwischen zentraler und dezentraler Stromerzeugung, aber auch zwischen konventionellen und regenerativen Energieträgern. Gerade bei Produkten, die keine qualitativen Unterschiede aufweisen, ist der Preis das Mittel, das diesen Konkurrenzkampf zu einer Entscheidung bringt.

Nun ist Strom kein Produkt, welches sich auf Halde produzieren lässt und verlustfrei gelagert werden kann. Strom muss zum Zeitpunkt der Erzeugung verbraucht werden. Verteilnetzbetreiber sind daher angehalten, ihre Bilanzierungskreise möglichst auszugleichen. Übertragungsnetze bzw. Regelzonen sollten eigentlich auch immer ausgeglichen sein. Ein steigender Export an Strom kann also nicht im gleichen Umfang gefeiert werden, wie eine Exportsteigerung in der Automobilindustrie.

Verwunderlich ist, dass 2013 zum Jahr der Kohle wird, wie die Klimaretter prognostizieren. Zusätzliche 5.300 Megawatt an Kohlekraftwerke werden in diesem Jahr erstmals an Strom produzieren. Eine Rekordmenge, die wohl 1:1 auf den Exportüberschuss aufzuschlagen ist, da nur Kraftwerke mit 1.000 Megawatt Gesamtleistung vom Netz gehen werden. Ein vorprogrammierter Überschuss, der nicht etwa ein Zeichen von Luxus ist, sondern gezielter Druck auf die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern ausüben soll.

Für den aktuellen Winter wurden im Spätherbst etliche alte Kraftwerke als systemrelevant klassifiziert, wodurch ihr Bestand gesichert ist. Überkapazität, Systemrelevanz und zum Glück weiter voran schreitender Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie sorgt irgendwann zu einem subventionierten Export. Wenn da die Wettbewerbshüter in Brüssel nicht ein Problem mit haben…

Geht man von einem Börsenpreis von 0,4 Cent/kWh aus, beträgt der Überschuss monetär zwar nur  ~92,5 Millionen Euro. Dennoch ein Betrag der pro Kopf und Bundesbürger mehr als einen Euro ausmacht. Gewinne, die an der EEG-Umlage und Offshore Haftung vorbei läuft.

„Es ist erstaunlich, dass sich die politische Debatte um die Energiewende derzeit nur auf das Ausbremsen der erneuerbaren Energien konzentriert, während gleichzeitig weitgehend unbemerkt neue Kohlekraftwerke mit einer Rekordleistung ans Netz gehen“ (IWR Direktor Norbert Allnoch bei Klimaretter.info)

Geht man davon aus, dass auch die betreibenden Konzerne keine Macht haben etwas wirklich auszubremsen, dann passiert mit Blick auf die Exportbilanz eigentlich etwas ganz anderes. Die Energiewende findet in Deutschland statt. Parallel läuft die Energiewende im Europäischen Verbundnetz allerdings in anderer Geschwindigkeit wodurch sich durch Expansion in diese Märkte das heimische Merit Order Problem verlagern lässt. Die Betriebskosten für in Deutschland betriebene Steinkohlekraftwerke sind eben konkurrenzfähig im europäischen Vergleich.

Hoffentlich bleibt dies auch bei der Frage, wer für den Netzausbau bezahlt auch noch in den nächsten Jahren in Erinnerung.

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4 Gedanken zu “Strom der Deutsche Exportschlager

  1. Nun ja – kann man das wirklich einfach so stehen lassen? Sie beschreiben in Ihren anderen Beiträgen intensiv das Thema „Stabilisierung der Netze“. In wieweit sind denn die „Dickschiffe“ der Kohle- und Kernkraftwerke für die Netzstabilität verzichtbar?

    Einen weiteren Aspekt müssen wir doch sehen: Derzeit laufen viele Uralt-Kraftwerke aus den 60er Jahren (hier in Baden-Württemberg Heilbronn 5/6, Walheim, Karlsruhe, Mannheim) mit miserablen Wirkungsgraden und technisch in einem Zustand, der das Ende der Lebensdauer schon längst erreicht hat und die vielfach nicht auf häufige Lastwechsel usw.. ausgelegt sind, was zu hohem Verschleiß bei Aggregaten führt. Nur so zum Vergleich: Unsere Autos müssen alle 10 – 20.000 km zum Kundendienst. Trucks in Australien (sogenannte Road-trains) haben Wartungsintervalle von 500.000 km – das sind 5.000 Betriebsstunden, weil sie eben mit konstanter Geschwindigkeit unter optimalen Bediingungen über die Highways donnern können.

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  2. Pingback: [Video] Physikalischer Stromfluss im Europäischen Verbundnetz (März 2013) via blog.stromhaltig.de

  3. Pingback: Strom aus Erneuerbaren für den Export? via blog.stromhaltig.de

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