Mediale Relevanz der Energiewende Dezember 2012 bis März 2013
Mediale Relevanz der Energiewende Dezember 2012 bis März 2013

Aufmerksamkeit für bestimmte Themen ist Schwankungen unterworfen. Pferdefleisch wird von Eiern und Mais verdrängt. Natürlich ist auch die öffentliche Diskussion und die Berichterstattung in den Medien über die Energiewende diesen Schwankungen unterworfen. Im letzten Jahr hatte ich daher begonnen sehr viele verschiedene Teilaspekte der Energiewende in ihrer öffentlichen Aufmerksamkeit zu analysieren und soweit möglich diese hier im Blog zu kommentieren bzw. im Rahmen des Medien-Monitorings tagesaktuell zugreifbar zu machen.

Als Basis für die Auswertungen dienen Meldungen in den Online-Medien sowie einige ausgesuchte Blogs. Bestimmt wird für jedes Medium, welche Relevanz das Thema im Vergleich zu den restlichen Veröffentlichungen des gleichen Mediums hat. Titelseite ist relevanter wie eine Ressort Seite – innerhalb der einzelnen Beiträge ist der Titel relevanter als der Anfang usw… . Die Formel die zur Berechnung verwendet wird erstreckt sich über fast drei Bildschirmseiten. Das Ergebnis ist ein Indexwert/Aufmerksamkeitswert, welcher zum Vergleich des zeitlichen Verlaufs genutzt werden kann.

Rückgang des Interesses an der Energiewende

Da die Indexwerte selbst auf Basis von komplexen Berechnungen entstehen, sind die Werte nicht vorstellbar. Die Frage, was ein Wert von 400 bedeutet kann eigentlich nicht mehr beantwortet werden. Persönlich habe ich mir daher angewöhnt immer einen Vergleichswert daneben zu haben. Für die Energiewende ist dieser Vergleichswert das Klima (Klimawandel, Klimaschutz).  Verfolgt man die Tageszeitungen kann man recht gut sehen, dass dieser bereits etliche Jahre ein Dauerthema in vielen Berichten ist, allerdings nur noch bedingt eine Schlagzeile auf der Titelseite wird. Die Anzahl der Ereignisse, die eine Diskussion über den Klimaschutz/wandel auslösen lassen sich recht gut im Nachhinein recherchieren (Wirbelstürme, Konferenzen,…).

Analysiert man die Grafiken der beiden Themen nun gegeneinander fällt auf, dass der langfristige Trend zumindest für die letzten 90 Tage deutlich nach unten zeigt. Interessant ist dabei die konstante Aufmerksamkeit bei der Energiewende im Bereich zwischen Jahresanfang und Mitte Februar. Das Jahr begann mit Ängsten um Stromausfälle und dem Anstieg der Haushaltsstrompreise. Ende Januar war der EEG-Brems-Vorschlag von Herrn Altmaier zur Mitte des Februar kam der Gegenvorschlag der Grünen Fraktion und löste eine Kommentierung in vielen Medienberichten aus. Auch bezogen ab diesem Zeitpunkt viele Interessensverbände Stellung (Indexwert am 20.2.2013 = 307). Zeitgleich kam auch die Eine-Billionen-Euro Rechnung von Herrn Altmaier in die Medien (19.2.2013).

Es folgte der Abfall auf gerade einmal 108 Aufmerksamkeitspunkte am 25.02.2013. Ein typisches Phänomen ist der schnelle und starke Abfall der Aufmerksamkeit, wenn ein Thema medial „verbrannt“ ist.  Gerade dieser Abfall ist erschreckend, da im Vergleich das Thema Klimawandel im gesamten Zeitraum einen Minimalwert von 260 hatte – bei gleicher Berechnung des Wertes. Ab dem 25.02.2013 steigt die Aufmerksamkeit auf die Energiewende wieder langsam an. Schaut man sich die Gründe hierfür im Detail an, so sieht man das es durch „Geplänkel“ wie der Wunsch der neuen Bildungsministerin am Thema beteiligt zu werden. Eine Tatsache, die schon heute keine Meldung mehr wert ist. Es bleibt abzuwarten, was für eine Nachricht die Aufmerksamkeit auf die Energiewende erneut auf über 200 Punkte bringt.

Weichenstellung….

Was ist der Nachteil, wenn Deutschland bei einer Fußball-WM von einer Runde zur nächsten kommt? Meist wird es teuer, denn von der öffentlichen Aufmerksamkeit unbeachtet werden Steuern erhöht und Förderungen gestrichen. Der 90-Tage Minimalwert von 108 ist ein Indikator, dass sich substantielle Veränderungen kaum Echo finden. Es bedarf eines Hypes oder Buzz um Ausschläge zu generieren. Beim Klimaschutz als Vergleichsindex hat sich in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit gefestigt. Google Alerts sind eingerichtet, Pressemitteilungen werden nach den entsprechenden Begriffen gefiltert. Wer etwas über Klima schreibt kann davon ausgehen, dass es Verbreitung findet. Wer etwas über die Energiewende schreibt läuft Gefahr im Nachrichtenrauschen unterzugehen.

Langsames Wachstum

Es ist sehr schwer wirklich einen Trend vorher zu sagen. In Deutschland wurden schon Bundestagswahlen auf Basis von Naturkatastrophen entschieden. Für die Energiewende gibt es ebenfalls sehr viele kurzfristig wirkende Einflussfaktoren auf die Relevanz. Bis Ende des Jahres denke ich aber, dass der 90-Tage Minimalwert nicht mehr unter 150 Punkte fallen wird. Grund hierfür wird eine klarere Definition der verschiedenen Handlungsfelder und Zuständigkeiten sein, was mit sich eine gezieltere Beobachtung durch die Medien bringt (man weiß wo man hinschauen kann). Des weiteren wird die Abhängigkeit von Tagesereignissen gemindert, wie es aktuell bereits beim Thema Klimawandel der Fall ist.

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Ein Gedanke zu “Energiewende – Geht das Interesse zurück? – Ist jetzt die Zeit der Weichenstellung?

  1. Pingback: Tendenziell geht die Aufmerksamkeit für die Energiewende zurück via blog.stromhaltig.de

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