Es gibt sehr viele Regeln, die den Netzbetreibern auferlegt worden sind, um ihnen etwas auf die Finger schauen zu können. Diese werden auch immer im Wortlaut befolgt, wodurch eine theoretische persönliche Meinungsbildung auf Basis von Fakten möglich ist. Doch leider gibt es bei all der Transparenz und Open-Data bewusst – oder durch Unkenntnis – aufgebaute  Hürden, die eine systematische Qualitätsanalyse nicht effizient durchführbar machen. Vieles wird veröffentlicht, aber nutzen und auswerten geht nicht…

Regelleistung

Möchte man sich über die Gesundheit eines Stromnetzes informieren, dann schaut man sich technisch am einfachsten die Regelleistung an. Diese sorgt dafür, dass Erzeugung und Verbrauch zueinander in Balance gehalten werden. Die entsprechende Verordnung sieht vor:

Die Veröffentlichung hat in einer einheitlichen, in elektronischer Weise weiterverarbeitbaren Form (z.B. csv-Format, MS-Excel)
i) für den gesamten Netzregelverbund sowie
ii) differenziert nach Erbringungsregelzone
zu erfolgen.

Tatsächlich werden diese Daten auf der Seite www.regelleistung.net angeboten. Das auf dieser Seite keine Hintergrundinformationen, die wirklich von Nutzen sind vorhanden sind, ist klar, denn diese Seiten haben mit Sicherheit niemals eine Marketingabteilung passiert.  Interessant ist, dass man nach dem Studium des Impressums ohnehin erst einen Anwalt konsultieren sollte, wenn man Auswertungen oder sonstige Rückschlüsse auf Basis dieser Informationen erstellen will:

Inhalt und Gestaltung der Internet-Seiten sind urheberrechtlich geschützt. Eine Vervielfältigung der Seiten oder ihrer Inhalte bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung der deutschen Übertragungsnetzbetreiber, soweit die Vervielfältigung nicht ohnehin gesetzlich gestattet ist.

Die aktuellen Ausschreibungen für Regelenergie lassen sich noch relativ leicht über einen direkten Link  herunterladen. Soweit ich es sehe, ist dieser Link immer identisch, so dass eine Überwachung der vorhandenen Ausschreibungen mittels einer Applikation möglich ist. Wegen des „Index“ Parameters kann dies aber niemand garantieren.

Schwieriger wird es, wenn man versucht das Ergebnis der Auktionen auswertbar zu bekommen. Fragen wie die Häufigkeit und zeitlichen Verteilung des Abrufes von Minutenreserve oder der Sekundärregelenergie würden sich darüber beantworten lassen. Vor dem Download ist die Auswahl eines Datums notwendig von dem ab man dann 10,20 oder 30 Ergebnisse abrufen kann. Ein direkter, gleichbleibender Link für Scripte existiert nicht, so dass jemand händisch diese Auswahl vornehmen muss.

Besser sieht es bei den Abweichungen von der Merit Order aus. Anhand dieser Liste kann erkannt werden, was die Ursache war, dass nicht der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen hat, sondern der nächste in der Liste. Für diese Abweichungen existiert auch ein direkter Link, wobei auch hier unklar bleibt, ob die übergebenen Parameter über mehrere Tage unverändert bleiben. Analysen, die man auf dieser Liste ausführen könnte ist die Frage wie effizient der Abruf von Minutenregelleistung per Telefon funktioniert. Wie oft sind die Anbieter zum Zeitpunkt des Abrufs nicht erreichbar?

Netzlast Prognose

Der Strombedarf und die Erzeugung wird im europäischen Verbundnetz einen Tag im Voraus geplant. Geht diese Planung auf, so nimmt der Bedarf der voran genannten Regelleistung deutlich ab.  Im Zuge der Dezentralisierung der Stromerzeugung kann man davon ausgehen, dass die an den Übertragungsnetzen angeschlossenen Verteilnetze in der Lage sind bestimmte Bereiche selbst auszugleichen und nur ein Teil die Ebene der Übertragungsnetze erreicht. Für sehr wenige Verteilnetze (keine?) existieren tagesaktuelle Netzlast oder Austauschwerte.

Die Plattform für das europäische Verbundnetz findet sich unter Entsoe.net. Für die Nutzung dieser Umgebung ist ein Account notwendig, den man allerdings ohne Probleme erhält. Angemeldet können für die Regelzonen der Länder die Austauschwerte grafisch angezeigt werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit die Daten als XML oder CSV herunter zu laden.  Da eine Anmeldung erforderlich ist und zusätzlich die Auswertung von JavaScript ist dies nur per Hand machbar. Eine Automatisierung kann hier nicht erfolgen. Zudem sind die Daten bei Entsoe nach meinen Beobachtungen etwas lückenhaft und etliche Werte fehlen für Deutschland.

Bleibt der Zugriff auf die Netzlast der Übertragungsnetzbetreiber selbst. Auf deren Webseite sind diese abrufbar, allerdings auch nicht automatisiert. Das angebotene CSV Format ist spezifisch für jeden Netzbetreiber.

Das diese Daten hoch spannend sind, dürfte einleuchten. Zum Beispiel konnte ich im letzten Jahr auf Basis der Daten von TransnetBW zeigen, dass an Sonnentagen in Freiburg (Breisgau) im Winter der prognostiziert Verbrauch rund 2.000 MW über dem tatsächlichen Verbrauch des Übertragungsnetzes liegt. Durch Ausgleich mit anderen Übertragungsnetzen führt dies zwar nicht unbedingt zum Abruf von Regelleistung, allerdings zeigt es, dass man sehr viel auf Basis der Daten erkennen kann.

Verlustenergie

Unter diesem Begriff bezeichnet man elektrischer Strom, der im Rahmen des Netzes verloren geht. Starke Schwankungen oder relativ hohe Werte im Vergleich zur Netzlast lassen Rückschlüsse auf die Güte und den Alterrungszustand eines Verteilnetzes zu. Die Daten finden sich auf den Homepages der jeweiligen Stadtwerke/Netzbetreiber, da sie verpflichtet sind diesen Verlust per Ausschreibung erneut zu beschaffen. Vergleicht man allerdings die Art, wie diese Daten angeboten werden, so sind es immer andere XLS oder CSV Formate. Auch finden sich aktuell kaum Angaben aus dem Jahre 2012. Eine systematische Auswertung würde somit einen hohen manuellen Aufbereitungsaufwand mit sich bringen.

Stromhandel – EEX

Das Information und Marktdaten das höchste Gut einer Börse ist, lässt sich recht leicht am Börsenkurs der Deutschen Börse AG ablesen. Geht es darum Auswirkungen von der Energiewende auf die Strompreise wirklich zu validieren, dann benötigt man Marktpreise über einen längeren Zeitpunkt. Wie verändert ein Sturmtief den Strompreis? Wie der „Dunkelste Winter“ von dem aktuell in den Medien gesprochen wird. Diese Auswertungen könnten über die Intraday Preise, die man auch mit einem kostenlosen Zugang (MyEEX) herunterladen kann erstellt werden. Für den Zugriff auf die Transparency Plattform benötigt man keine Zugriffskennungen. Dort gibt es zum Beispiel eine vollständige Kraftwerksliste etc…

Mein Lob geht wirklich an die Aggregation der EEX, allerdings muss wohl auch hier im Detail die Datennutzungsbedingungen mit einem Anwalt studiert werden, um festzustellen ob man Aussagen auf Basis der dort (frei) verfügbaren Informationen anstellen kann.

Fazit

Es gibt bestimmt Terabytes an Informationen, die zu mehr Transparenz im Stromnetz führen, aber sie sind leider nicht in einer Form aufbereitet, dass Daten Analysten mit diesen einfach arbeiten könnten. Intelligente Stromnetz sollte aber gerade auf diese Ressourcen zurückgreifen, wenn es darum ein nachhaltiges Gelingen der Energiewende sicherzustellen.

Den Beitrag "Daten des Stromnetzes: Transparenz mit dem Ja, aber... offline Lesen:

2 Gedanken zu “Daten des Stromnetzes: Transparenz mit dem Ja, aber…

  1. Stimmt. Und die Website von 50Hertz verbietet es den Besuchern sogar, deren Daten „automatisiert“ herunterzuladen. Ob dieses Verbot rechtmäßig ist müsste man auch mal einen Anwalt fragen…

    Antworten
  2. Pingback: StromTicker Berlin – Onlinedaten des Verteilnetzes per Smartphone App via blog.stromhaltig.de

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