Modellstadt Mannheim
Modellstadt Mannheim

In der vergangenen Woche wurden die Ergebnisse des letzten Praxistestes der Modellstadt Mannheim (kurz MoMa) vorgestellt. Bei 1.000 Haushalten kam im Versuchszeitraum ein SmarTest Energiebutler zum Einsatz, der es den Versuchsteilnehmern (Privathaushalte) erlaubte einen dynamischen Stromtarif zu nutzen. Wurde Strom zu Zeiten verbraucht, in denen er günstig zu erzeugen war, so hatten die Teilnehmer auch günstigere Tarife. Gerade bei der Stromerzeugung aus Wind und Sonne ein Test, wie elastisch der Verbrauch auch Preisänderungen reagiert.

Neben der MVV Energie sind bei dem geförderten Projekt auch Informationsspezialisten wie IBM und PPC mit im Boot. Die Ergebnisse lassen sich durchaus sehen, auch wenn mir keine Informationen vorliegen, in welchem Bereich der Strompreis schwankte. Dennoch gaben viele der Teilnehmer bereits nach dem letzten Praxistest an, dass mehr Bewusstsein über die Zeit und den Bedarf des Stromverbrauchs entstanden ist.

Im Rahmen des 3. Praxistestes wurden scheinbar extremere Schwankungen der Tarife zugelassen. Galt im 2. Praxistes noch der „alte“ Tarif als maximaler Strompreis, so wurden in der nun abgeschlossenen Phase Preisesprünge um 100% verprobt. Das Ergebnis war eine Verschiebung des Verbrauchs um 11%. Im 2. Test waren ferner die Zeiten für günstigen und teuren Strom immer gleich, erst im 3. Test hat man scheinbar die Wetterabhängigkeit mit berücksichtigt.

Zur Steigerung des Komforts konnten Waschmaschinen und ähnliche Großgeräte im Haushalt durch den Energiebutler auf besonders günstige Zeiten verschoben werden. Kein Wunder, dass eine relativ hohe Akzeptanz bei den Verbrauchern bestand:

„Die allermeisten unserer Teilnehmer würden ein solches System gerne auch in Zukunft nutzen“; berichtete moma-Projektleiter Dr. Robert Thomann (MVV Energie). „Über 90 Prozent wünschen sich auch im Alltag variable Strompreise, um durch ihr Verhalten Geld sparen zu können, und viele Menschen würden für eine entsprechende automatische Steuerung auch Geld bezahlen.“

Neben der Rückkopplung aus dem Verbraucherverhalten wurde im Laufe der Modellstadt Mannheim auch die Struktur des Netzes untersucht. Anstelle das Netz als eine Größe zu sehen wurde es in viele Zellen unterteilt, die untereinander sich über ihren Status austauschten. Man könnte es als Schwarmintelligenz für Stromnetze bezeichnen, oder auch als angewendete Agenten-Systeme wie ich sie bereits im Beitrag zum Fahrplan des BDEW zu SmartGrid kurz vorgestellt hatte.

Nachhaltigkeit und Strom

Die Modellstadt Mannheim zeigt eigentlich recht schön, welche Komponenten benötigt werden, um ein nachhaltiges stabiles Stromnetz zu schaffen, bei dem der Verbraucher von der passiven Rolle als Zahler in eine aktive Rolle wechselt.

Zunächst muss eine Infrastruktur geschaffen werden, die es dem Stromkunden erlaubt seinen eigenen Verbrauch zu verstehen. Klassische Stromzähler, bei der mindestens das Design eines Excel-Sheets notwendig ist um eine Auswertung zu machen, sind hierfür ungeeignet. Smart-Meter mit ansprechender Analyse und Statistik sind hier deutlich ansprechender. Als Beispiel sei hier das Portal von Discovergy, einem Stromanbieter unabhängigen Zählerbetreiber, oder die bereits vorgestellte ENBW App für Smartphones.

Ist der Verbrauch bekannt, so kann er auch gesteuert werden. Damit dies ohne Komforverlust funktioniert helfen sämtliche SmartHome Systeme wie IP-Symcon. Einige Verbraucher wie Kühlschränke oder Wärmepumpen lassen sich damit aktuell noch nicht unkompliziert steuern, es existieren allerdings erste Ebus-Erweiterungen mit denen dies zukünftig möglich sein dürfte.

Für den nächste Komponente ist MoMa bislang Vorreiter in ihrem letzten Praxistest. Dort wurden durch variable Strompreise die Anreizfaktoren zum Handeln geschaffen. Wer sparen wollte musste sich mit der Verfügbarkeit und der Stromherkunft beschäftigen.

Stromwetter App
Stromwetter App

Gerade der letzte Schritt scheint mir der wichtigste. Wer nicht zu den 1.000 Haushalten gezählt hat und dennoch seinen Stromverbrauch in Zeiten mit mehr Strom aus Sonne und Wind legen möchte, der sollte einen Blick in die  kostenlose IPhone App „Stromwetter“ von Vattenfall werfen. Diese App zeigt auf Basis der Daten der EEX[^w] eine Prognose für die kommenden 24 Stunden, der Zeitfenster mit mindestens 8 GW Einspeisung aus Sonne und Windkraft. Zumindest ein Anfang um Bewusstsein für Tageszeiten und Wetterabhängigkeiten zu bekommen – wenn auch Verhaltensänderungen keinen Einfluss auf den eigenen Geldbeutel haben werden.

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Ein Gedanke zu “Modellstadt Mannheim: 6-8% des Stromverbrauchs ist verschiebbar. / 90% der Verbraucher wünschen sich dynamische Stromtarife

  1. Pingback: Offener Standard OGEMA – Damit das SmartGrid zum Endkunden kommt… via blog.stromhaltig.de

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