black_outIn der Abenteuer Forschung Sendung vom 19.02.2013 wurde das Thema „Blackout“ sehr ausführlich behandelt. Unter anderem wird dort der beinahe Zusammenbruch des Stromnetzes vom Februar 2012 genannt. Diesem Vorfall wurde bereits in Drucksache 17/9515 des Deutschen Bundestages nachgegangen. Dem Netzbericht der Bundes Netzagentur ist zu entnehmen:

„Im Februar 2012 wurde erneut der Einsatz von Reservekraftwerken in Deutschland und Österreich sowie in einigen Stunden auch der Abruf von Notreserven aus dem Ausland notwendig, als Gaslieferungen aus Russland unerwartet ausblieben und einige Erdgaskraftwerke aufgrund unterbrechbarer Kapazitätsverträge zwischen Kraftwerks- und Fernleitungsnetzbetreibern nicht vollumfänglich produzieren konnten.“

Beobachten konnte die BNetzA, dass…

„In diesem Zeitraum wurde nicht nur eine sehr hohe Auslastung von Leitungstrassen, sondern auch eine massive Unterspeisung der Bilanzkreise beobachtet. Das bedeutet, dass deutlich mehr Strom verbraucht wurde als prognostiziert und damit tatsächlich produziert worden war.“

und kommt für die Gründe zum Ergebnis:

Die Ursachen für diese Unterspeisung der Bilanzkreise sind vielschichtig. Die bisherigen Untersuchungen, die noch nicht abgeschlossen sind, sprechen dafür, dass die Abweichungen weder einzelnen wenigen Akteuren noch einem strukturell homogenen Fehlverhalten zuzuordnen sind. Auch wenn vereinzelte Arbitrage-Geschäfte von Bilanzkreisverantwortlichen stattgefunden haben sollten, so wären diese aufgrund der hohen Ausgleichsenergiepreise in den betreffenden Zeiträumen jedenfalls finanziell nicht lohnend gewesen und darüber hinaus auch keineswegs allein ursächlich für die Abweichungen. So waren auch die sog. Differenzbilanzkreise der Verteilernetzbetreiber (VNB) deutlich unterdeckt, was darauf hindeutet, dass die VNB im Rahmen der Standardlastprofile für die Haushaltskunden die extrem tiefen Temperaturen wie im Februar 2012 nicht hinreichend reflektiert haben.

Aus dieser ausführlichen Analyse der Bundesnetzagentur lese ich, als Ursachen kollektives menschliches Versagen. Zum einen wurden die Prognosen verhauen, da immer noch zu häufig mit dem Standardlastprofil[^b] aus dem Jahre 2001 gearbeitet wird, unter dem auch der Verbrauch meiner Wärmepumpe abgerechnet wird, deren Lastgang mit Sicherheit nicht einem Standardhaushaltskunden entspricht. Zum anderen lese ich zumindest den latenten Versuch bei relativ hohen Strompreisen, die zu diesem Zeitpunkt vorhanden waren, lieber weniger Bedarf anzumelden als eventuell benötigt wurde.

Bei Abenteuer Forschung wird einige Minuten später in der Sendung davon berichtet, dass die aktuellen Leitstände die dezentrale Erzeugung von Strom noch nicht vollständig integriert haben. Nach meiner Erfahrung ist der Hauptgrund hierfür, dass in den SCADA-Systemen, die hier zum Einsatz kommen die Kleinkraftwerke (PV, Wind,…) sowie die Smart-Meter-Verbrauchsdaten nicht integriert wurden. Die Handlungsalternativen, die im Leitstand bleiben beschränken sich somit sehr stark auf die konventionelle Struktur des Netzes. Möglich wird dies unter dem Stichwort BigData.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich beruflich mich mit Big-Data Analyse auch für Stromnetze beschäftige. In diesem Zusammenhang schaue ich mir fast täglich die Day-Ahead Planung an und versuche die Fehler in der Prognose vorherzusagen. Meine Trefferquote liegt mittlerweile bei über 80% und das nur durch Verwendung von engmaschigen Wetterdaten…

Den Beitrag "Hintergründe zum Blackout bei AbenteuerForschung #ZDF offline Lesen:

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt