Wie einer Meldung des Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) zu entnehmen ist, übernimmt mit 3/4 die direkte Vermarktung die wichtigste Vertriebsform des Erzeugungsbereiches. Damit nähert man sich der Quote von rund 80% an, die bei den konventionellen Energieträgern erreicht wird. Ein Erfolg der auf eine bessere Telemetrie, der Simulation und Prognose der Ertragssituation aber auch einer besseren Verbrauchsprognose, zu verdanken ist. Folgt man der Meldung des BWE weiter, so sollen in diesem Jahr auch Optionen für den Einsatz von Windkraft bei der Regelenergie geprüft werden. Bei diesem Szenario würden Windgeneratoren dann zum Einsatz kommen, wenn die Netzfrequenz des Stromnetzes unter 50 Hertz fällt.

Nicht nur aus diesen Meldungen wird erkennbar, dass die Betriebskonzepte und damit auch die Business Pläne der Windkraft einem systemischen Wandel unterzogen sind. Die Betreiber positionieren ihre Stärken im großen Strommarkt. Eine Tatsache, die auch notwendig wird, bedenkt man, dass der Windstrom gerade in den letzten Tagen zu einer dominanten Produktion mit destabilisierenden Tendenzen auf das Marktgeschehen, geführt hatte.

Bereits nach der ersten Novellierung des EEGs 2011 hatte sich eine gewaltige Änderung in den Betriebskonzepten der Parkbetreiber abgezeichnet. Hatte man vorher viele Anlagen nach dem Prinzip der Ernteoptimierung betrieben, bewegt man sich seither immer stärker auf einen gesättigten Markt zu, bei der man nicht mehr mit „Vollgas“ einspeisen kann. Ist die Produktion höher als die Abnahme, müssen die Konzepte angepasst werden. Die Direktvermarktung stellt dabei den Bezug zum Verbrauch her. Es entsteht eine neue Merit-Order die sich allein auf die Regelbarkeit von unterschiedlichen Energieträgern zurückführen lässt.

Alle aktuellen Betriebsformen sind nach meinem Empfinden allerdings noch zu nahe an einer Kopie der Mechanismen von konventionellen Kraftwerken orientiert. Direktvermarkteter Strom für Privatkunden – immerhin 2/3 des verbrauchten Stroms in Deutschland – wird beim Demand Management nicht einbezogen.  Spätestens bei der Diskrepanz aus Standardlastprofil und tatsächlichem Lastgang der privaten Haushalte wird sich auf kurz oder lang ein Konkurrenzkampf zwischen den verschiedenen erneuerbaren Energieträgern ergeben. Wieso soll auf Ertrag aus einer Windkraftanlage verzichtet werden, wenn die Sonne gerade richtig gut scheint?

Im Rahmen des Bürgerdialogs hat das Ministerium für Forschung und Bildung bereits vor längerem ihre Vorstellungen klar kommuniziert:

Eine modernere Infrastruktur ermöglicht außerdem eine größere Flexibilität in der Stromversorgung, die auch dem Verbraucher zu Gute kommt. Bisher konnten nur Großabnehmer von schwankenden Preisen am Strommarkt profitieren. Künftig kann sich jeder diese Schwankungen zunutze machen: Mit intelligenten Stromzählern und Endgeräten im Haushalt, die durch ein intelligentes Stromnetz versorgt werden, kann Energie in besonders nachfragearmen Zeiten verbraucht werden. Dann ist Strom nämlich besonders günstig. (Quelle)

Windkraft kann unbestritten Regelenergie sein, sie kann in weiten Teilen zur Deckung der Grundlast dienen. Ohne eine Einbeziehung des Endverbrauchers wird die Erzeugung immer dem Verbrauch hinterherlaufen – einfach, wenn die Erzeugung mit der Verbrennung von Fossilen Brennstoffen gekoppelt ist und man lediglich eine Schippe mehr auflegen muss. Das aktiv verzichtet werden muss, obwohl mehr Stromernte möglich ist, um zu Zeiten einer starken Nachfrage noch freie Kapazitäten zu haben, ist ein neues Konzept. Es ist selbstredend, dass ein CO2 und Nuklearabfall neutraler Strom deutlich privilegiert werden muss.

Beim BWE findet sich als Lösungsansatz eine Kombination aus Grünstromprivileg und dem Marktprämienmodell der Direktvermarktung. Ich würde weiter gehen und belohnen, wenn ein Erzeuger seine Einspeisung direkter mit genannten Verbrauchern/Messstellen abstimmt. Ein Potential von 20% sind möglich beim Demand Management von Privathaushalten, wie man im Podcast von Energynet erfahren kann.

Den Beitrag "75% des Windstroms geht in die Direktvermarktung offline Lesen:

Ein Gedanke zu “75% des Windstroms geht in die Direktvermarktung

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt