Am 1. Weihnachtsfeiertag war es mal wieder soweit: In Deutschland gab es Strom im Überschuss. Die Folge: Der Strom muss weg, koste es was es wolle. Wenn kostenlos nicht reicht, dann werden auch gerne Prämien bezahlt, wie man bei der Sächsischen Zeitung lesen kann. Als Ursache werden die milden Temperaturen, die vorhandene Windkraft und die geringe Abnahme angemerkt. Ich nennen es Planungsversagen…

Es war an Weihnachten 2009, als die Bild-Zeitung den wohl faszinierendsten Ausdruck ihrer Energieberichterstattung prägte: Gänsebraten-Spitze.  Damals hatte man den Verbrauch zu gering eingeschätzt und in Folge kam es zu einem zu hohen Verbrauch. An Weihnachten 2012 wurde nun das gegenteilige Phänomen. Keiner will den guten Strom haben…

Ursache ist nicht zuviel Wind oder das Abschalten von Atomkraftwerken. Vielmehr sind es Prognosefehler. Klar, es sind einige Faktoren, die zu bedenken sind: Wetter, Verbrauch, Produktion.

„Die deutsche Kraftwerkswirtschaft hat in diesen Tagen viel Geld verbrannt.“ (Rainer Baake, Agora gegenüber der DPA)

Soviel Geld kann es nicht sein – oder werden die Fahrpläne der Kraftwerke nur von Männern gemacht? Die ganz erschrocken am 24.12. feststellen, dass auch dieses Jahr wieder Weihnachten ist. Tage, die jedes Jahr etwas anders sind als die anderen Tage im Jahr. Betriebe und Familien ticken zu Weihnachten eben nicht gleich wie am Tag der Deutschen Einheit.

Am Tag nach der Gänsespitze im Jahr 2009 kam es wohl zum Gänseabsturz, denn damals war plötzlich auch zuviel Strom im Netz. Die Frankfurter Rundschau kommt in ihrer Online-Ausgabe zu einer Lehre aus 2012:

„Die Nachfrage nach Strom muss sich stärker nach dem Angebot richten – in der Industrie und den Haushalten“ (FR-Online)

Leider gibt es keine mir zugängliche Studie, ich denke aber, dass sehr ungewiss ist, wie hoch die Preiselastizität tatsächlich bei Strom ist. Steigt der Preis, geht dann der Verbrauch in gleichem Maße nach unten? Dagegen spricht, dass nur rund die Hälfte des Preises je kWh tatsächlich Erzeugerkosten sind. Der Rest sind Umlagen, Abgaben und Steuern. Möchte ein Anbieter also aktiv etwas machen, indem er 10% den Preis erhöht oder vergünstigt, dann kann er nur die Erzeugungskosten um 20% senken. Bedenkt man, dass man ein solches Vorhaben auch noch seinen Kunden kommunizieren müsste, was mit Aufwand verbunden ist. Die Abrechnung des Stromverbrauchs im Jahrestakt – ohne Ausnahme für einige Stunden an Weihnachten – erfolgt, dann wird eine Kopplung aus Angebot und Nachfrage zur Utopie.

Sobald mir jemand Geld dafür gibt wenn ich ihm 2-3 Tage im Voraus die Fehler der Prognosen mitteile, würde ich meinen normalen Job an den Nagel hängen und es machen…

Fakt ist, dass sich die Fehler wirklich sehr gut voraus sehen lassen. Falsche Prognosen führen zu falschen Fahrplänen, fehlerhafter Preisbildung, führen zu falschen Kapazitäten usw… – Mittlerweile beobachte ich die Daten bei der Transparenzplattform der Übertragungsnetzbetreiber schon einige Zeit und muss feststellen, dass es immer die gleichen Fehler sind, die man dort sehen kann.

Vielleicht sollte man als Lehre aus den Weihnachtsfeiertagen der letzten Jahre lieber einmal bei Kaggle einen Wettbewerb ausschreiben. Auf dieser Plattform finden sich Daten-Wissenschaftler zusammen und versuchen Aufgabenstellungen besser zu lösen, als sie bisher gelöst werden.  Ein Beispiel ist der Wettbewerb zum  „Global Energy Forecasting„. Bei diesem Wettbewerb geht es zwar „nur“ um das Thema Wind, schaut man sich allerdings die Gewinnerliste an, so stellt man fest, dass Stefan Henß aus Frankfurt auf den 4. Platz kam.

Den Beitrag "Strom zu verschenken! Wer Strom abnimmt bekommt Geld - doch keiner will... offline Lesen:

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