Gastbeitrag von Robert Doelling
Gastbeitrag von Robert Doelling

Seitdem die Einspeisevergütung für Solarstrom in den letzten beiden Jahren deutlich gesunken ist und im gleichen Zuge die Strompreise anziehen, werden Solarstromspeicher immer interessanter. Sie könnten eine wirkliche Alternative zur Netzeinspeisung für kleine PV-Anlagen darstellen und den Besitzer ein gutes Stück weit unabhängiger vom Stromnetz machen. Eine neue Förderung soll nun genau das unterstützen. Ob eine solche Förderung wirklich sinnvoll ist, darüber streiten sich allerdings die Fachleute.

Förderankündigung ist Stein des Anstoßes
Stromspeicher sind unabdingbar für eine erfolgreiche Energiewende. Spätestens um das Jahr 2020 herum werden in Deutschland in beträchtlichem Umfang neue Stromspeicher zur Verfügung stehen müssen. Ein wesentlicher Baustein des benötigten Speichersystems ist der dezentrale Batteriespeicher. Welchen energiewirtschaftlichen Nutzen Stromspeicher in direkter Kombination mit kleinen Photovoltaik-Anlagen aufweisen, inwiefern Batteriespeicher den Ausbau der Verteilnetze reduzieren können und wie Solarstromspeicher auf die EEG-Umlage wirken, ist allerdings umstritten. Die jetzt angekündigte neue Förderung für Solarstromspeicher verstärkt die ohnehin konträre Auffassung vieler Branchenvertreter.

Bisher bekannte Fördermodalitäten für Batteriespeicher
Die Förderung von Batteriespeichern ist bislang noch nicht spruchreif. Fest steht nur, dass es Fördergelder geben wird, mit denen Anreize zum Kauf eines Solarstromspeichers geschaffen werden sollen. Insgesamt stehen laut Bundesumweltminister Peter Altmaier rund 50 Millionen Euro zur Verfügung, die als zinsgünstiger KfW-Kredit oder als Zuschuss genutzt werden sollen. Der Zuschuss soll laut Frankfurter Rundschau rund 2.000 Euro bis 3.000 Euro je Einfamilienhaus betragen. Über den genauen Zeitpunkt des Förderbeginns kursieren allerdings widersprüchliche Aussagen. Laut Auskunft von Karin Freier, zuständig für die Markteinführung Erneuerbarer Energien beim BMU, könnte dies bereits im Februar sein. Die FAZ hingegen berichtet über den 1. März, während der Sprecher des BMU den Start des Förderprogramms um Ostern 2013 ankündigte.

Vorteile der Speicherförderung für die Stromnetze
Die Ankündigung der Förderung von Solarstromspeichern wurde vom Bundesverband der Solarwirtschaft begrüßt. Solarstromspeicher entlasten die Stromnetze, indem sie die Einspeisung ins Netz vom Zeitpunkt der Stromerzeugung entkoppeln. Somit tragen sie aktiv dazu bei, eine gleichmäßige Spannung und Frequenz der Stromnetze zu halten und übernehmen damit wichtige Aufgaben für das Netzmanagement. Laut einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, deren Ergebnisse erst am kommenden Freitag vorgestellt werden, können durch Stromspeicher Spitzen in der Stromproduktion um bis zu 40 Prozent reduziert und die Aufnahmefähigkeit der Netze ohne zusätzlichen Ausbau bis zu 66 Prozent gesteigert werden.

Reduzieren Solarstromspeicher die EEG-Umlage?
Das Magazin energie-experten.org berichtet hingegen auch von mittelfristigen Vorteilen durch eine Entlastung der EEG-Umlage. Solarstrom-Anlagen, die mit staatlich geförderten Solarstromspeichern kombiniert werden, reduzieren ihre Einspeiseleistung für die gesamte Vergütungsdauer der Anlage und daher auch die Einspeisevergütung, die hierfür bezahlt werden müsste. Da die neue Förderung für Solarstromspeicher nicht durch eine Umlage finanziert wird, würden die so eingesparten Mittel die EEG-Umlage auf den Strompreis reduzieren. Zudem reduziert der erhöhte Eigenverbrauch des Solarstroms auch den Stromnetzausbaubedarf. Auch diese eingesparten Kosten müssten fairerweise der neuen Förderung von Solarstromspeichern zugeschrieben werden und von der dementsprechenden Strompreisumlage abgezogen werden.

Solarstromspeicher müssen intelligent integriert werden
Im Gegensatz dazu sehen Branchenvertreter wie der BDEW eher Nachteile in der Förderung der Solarstromspeicher. Der BDEW kritisiert insbesondere, dass der Stromnetzausbau nicht profitiere, da die PV-Anlagenbetreiber auch mit einem Solarstromspeicher immer noch ans Stromnetz angeschlossen sind, Strom beziehen und damit auch Kosten verursachen. Daher müssten die geförderten Solarstromspeicher mit dem Gesamtsystem verknüpft werden und fernsteuerbar sein. Diese Einschätzung teilt auch das Bundeswirtschaftsministerium: Ohne eine Integration von Solarstromspeichern in die Mechanismen des Stromnetzes führe ein höherer Eigenverbrauch von Photovoltaikanlagen nicht zwangsläufig zu einer Entlastung des Verteilnetzes[^w].

Photovoltaik ist Backstop-Technik
Bei aller geäußerten Kritik darf nicht nur der primäre energiewirtschaftliche Nutzen einer Förderung von Solarstromspeichern in den Vordergrund der Diskussion gestellt werden. Klar ist, dass die Photovoltaik eine Backstop-Technik ist, die hilft, erschöpfliche Ressourcen durch unerschöpfliche Ressourcen zu ersetzen. Und auch zu Beginn des 100.000-Dächer-Programms 1999 stand nicht der wirtschaftliche Nutzen der PV im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, dieser Technik durch eine gezielte Förderung zur Marktreife zu verhelfen. In diesem Kontext ist auch die Förderung von Solarstromspeichern zu sehen. Die vermehrte Nachfrage wird wie bei der Modulproduktion zu Skaleneffekten und Kostenreduktionen führen und Solarstromspeicher mittelfristig zu einem wirtschaftlichen Produkt machen, das dann wiederum die aufgebrachten Förderkosten rechtfertigt.

Gastartikel von Robert Doelling

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5 Gedanken zu “Förderung von Solarstromspeichern: Fluch oder Segen?

  1. Da fehlen mir einige Punkte in der Aufzählung. Ohne weitere steuernde Funktionen sind die Speicher an einem sonnigen Tag zwischen 11 und 12 Uhr und speisen dann in das Netz ein, damit haben wir mittags immer noch die die Spitzenlast der PV im Netz. Es muss sichergestellt werden, dass die Speicher auch einen Beitrag zur Entlastung der Netze leisten können. Das würde ich mehr in den Vordergrund stellen, anstelle einer möglichen Entlastung der EEG-Umlage.

    Ich bin für den verstärkten Einsatz von Batteriespeichern, versteht mich nicht falsch. Aber diese Diskussion lenkt ab von Speichern in Verteilnetzen, Power-to-Gas könnte hier schon viel weiter sein, als Beispiel.

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  2. Hallo Andreas, diesem Punkt ist der vorletzte Absatz gewidmet: „Daher müssten die geförderten Solarstromspeicher mit dem Gesamtsystem
    verknüpft werden und fernsteuerbar sein. Diese Einschätzung teilt auch
    das Bundeswirtschaftsministerium: Ohne eine Integration von
    Solarstromspeichern in die Mechanismen des Stromnetzes führe ein höherer
    Eigenverbrauch von Photovoltaikanlagen nicht zwangsläufig zu einer Entlastung des Verteilnetze“.

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    • Das ist gut, dass dieser Punkt integriert ist.

      Power-to-Gas muss nicht unbedingt ein Kurzzeitspeicher sein, das Gas kann auch längere Zeit gespeichert werden, dieses Verfahren ist meines Erachtens am flexibelsten von allen bisher bekannten und erprobten Speicherarten.

      Zu dem Punkt der Auswirkung auf die EEG-Umlage. Neue PV-Anlagen haben nur noch geringen Einfluss auf die Höhe der Umlage, von dem her ist kaum eine Änderung zu erwarten. Und viel wichtiger ist, dass mit der Höhe des Programms von 50 Millionen Euro können ca. 5.000 Speicher gefördert werden (bei Kosten von je ca. 10.000 EUR), auf die gesamte Umlage wird man da auch nicht viel Einfluss haben.

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