Bundesregierung will clevere Unternehmer zu Kasse bitten….

Bereits bei der Umfrage, die zu Beginn des Jahres hier im Blog durchgeführt wurde, sprachen sich die Mehrheit der Leser für eine Neuregelung des Erneuerbaren Energiegesezes (EEG) aus. Doch was die Bundeskanzlerin an diesem Mittwoch im Rahmen eines Interviews gegenüber NDR-Info meinte, war wohl damit nicht gemeint. Der clevere Unternehmer, der sich Gedanken über die Energiekosten macht und lieber investiert als eine Abhängigkeit einzugehen, der steht jetzt unter Beobachtung der Bundesregierung.

„Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, ihren eigenen Energiebedarf selber zu decken, und die zahlen dann natürlich keine EEG-Umlage mehr“. Auch hier müsse die Bundesregierung die weitere Entwicklung genau beobachten.(Dr. Angelika Merkel im Interview mit NDR-Info)

Mit den Worten „bedenklich“ wird diese Entwicklung im Interview eingeleitet, die zumindest mich zum Nachdenken bringt. Was wird hier eigentlich ausgesagt? Was für Unternehmen sind dies? Wer bekommt hier durch die Hintertür gesagt, dass er sich um die EEG-Umlage mogelt?

Einen starken Zubau hat es in den letzten Jahren tatsächlich bei Klein- und Mittelständischen Unternehmen gegeben, die zum Beispiel ihre E-Mobility Flotte aus der eigenen PV-Anlage auf dem Dach auftanken. Diese Unternehmen schummeln sich an der Minaralölsteuer vorbei und noch schlimmer, sie helfen nicht beim Umbau der Stromnetze, sie verweigern scheinbar ihre soziale Verantwortung für das Kollektiv der Energiewende.

Ok, die EEG-Umlage ist eine Umlage und keine Steuer. Aber der Strom aus der Steckdose ist einfach zu verlockend um die Wirtschaft zu steuern. Wer nicht mehr an der Nadel hängt, die ihn unter Strom setzt, der wird sich für das gesellschaftliche Ganze nicht mehr wirklich interessieren. Steigende Energiekosten sind diesem Unternehmer ferner als die Windmasten in der Nord/Ostsee, ferner als Desertec. Zu letzterem – in die Wüste – schickt er aber einen Interessenvertreter, der die Worte „Stabilität“ und „Energiekosten“ in einem Satz verankert bekommt….

„Stabilität der Energiekosten ist das neue Die Renten sind sicher“ (diesen Satz twittern)

Wer keine EEG-Umlage zahlt, ist jetzt Feind. Spätestens nach der Diskussion um die Befreiung von Großverbrauchern denkt nun jeder an Golfplätze und die Berliner S-Bahn. Dabei fällt mir auf, das in der Aussage der Bundeskanzlerin  das Wort „Energie“ mit „Strom“ gleichgesetzt wird. Noch im November 2012 hatte ich hier über Industriekraftwerke berichtet und das Zitat bekommen, dass man immer seltener Strom produziert und viel häufiger zur Deckung von zum Beispiel Prozesswärme/dampf für die Produktion dient. Energie aus dem eigenen Kraftwerk zu nutzen, anstelle lange Transporte mit Verlusten in Kauf zu nehmen? Ich denke Unternehmen, die in so etwas investieren eignen sich ganz schlecht als Feindbild…

Wenn sowohl die Industriekraftwerke (konventionell) als auch die PV-Anlagen für die E-Mobility-Flotte ausfallen, welche Unternehmen sind dann unter Beobachtung der Bundesregierung? Bleiben die Gemeinschaftsanlagen für PV- und Windstrom, die manchmal auch Bürgerenergie genannt. Rechtlich gesehen sind dies natürlich auch alles Unternehmen (Gbr, Genossenschaften, GmbH…).

Hätte das Zitat (wie verlinkt) nicht auch auf der Seite der Bundesregierung gestanden, dann hätte man es für niedersächsisches Walhkampfgeschwubbel halten können…

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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