Als großer Stromnetz-Coup wurde die Idee zur Neuvergabe der Stromnetzkonzession der 11 Gemeinden im Elsenztal bereits im Mai 2012 gefeiert, nachdem sich die Gemeinden bereits vorab für ein koordiniertes Vorgehen bei den auslaufenden Verträgen verständigt hatten.  In der Zwischenzeit haben die Gemeinderäte die bestehenden Konzessionsverträge auf ein einheitliches Datum verlängert und damit ein Projektziel gesetzt. Bis zum 31. Dezember 2013 muss der Betrieb der Stromnetze in Bammental, Epfenbach, Eschelbronn, Gaiberg, Lobbach, Mauer, Meckesheim, Neidenstein, Spechbach, Wiesenbach und Zuzenhausen geregelt sein.

Eine der möglichen Optionen scheint die Gründung einer Gesellschaft, die den Betrieb übernimmt. In der Energiewirtschaft werden diese Gesellschaften Verteilnetzbetreiber genannt, derer es etwa 900 in Deutschland gibt. In Städten hat diese Funktion meist das Stadtwerk, doch auf dem Land wurde bisher meist den Aufwand einer solchen Institution gescheut. Was für ein Dorf zu groß scheint – wird bei 11 Gemeinden mehr als nur realistisch. Der Aufwand lohnt sich, wenn man bedenkt, dass der Konzessionsinhaber auf dem Gebiet der Gemeinde ein natürlicher Monopolist ist.

Aufgabe eines Verteilnetzbetreibers ist es die Infrastruktur zu unterhalten, die den Strom aus den Hochspannungsnetzen hin in die einzelnen Haushalte bringt. Damit ist dieser Betreiber auch der Ansprechpartner, wenn es zum Beispiel zu einem Stromausfall kommt, neue Leitungen benötigt werden oder der Zähler abgelesen wird. Dank der Verbreitung von Photovoltaikanlagen und Windenergie kommt verstärkt auch die Aufgabe hinzu den dezentral erzeugten Strom weiter zu verteilen.

Übernehmen die Gemeinden durch einen Zweckverband die Regie, so können sie einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile ausspielen: Das Wissen über die lokalen Gegebenheiten.

Bei öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus, Feuerwehrhaus und gerade Schulen ist die Optimierung der Betriebskosten dank knapper Etats schon etliche Jahre ein Thema. Existiert nur moderate Industrie, so kann der Zusammenhang zwischen verfügbarer Energie und der variable Verbrauch direkt in der Betriebsführung berücksichtigt werden. Es entsteht eine Entkoppelung vom großen nationalen Strommarkt, auf dessen Basis der bestehende Konzessionsinhaber seine Preise kalkulieren muss.

In anderen Regionen von Baden-Württemberg hat man bereits vor über 20 Jahren diesen Schritt gemacht, so sind 1991 aus einem Bürgerentscheid die Elektrizitätswerke Schönau entstanden. Wahrscheinlich durch die Sensibilisierung zum Thema Stromnetz sind bundesweit im Jahr 2012 sehr viele Städte und Gemeinde dabei die Konzessionsverträge gründlich zu überdenken.

Ein anderes Beispiel liegt an der Grenze von Österreich und Ungarn, mitten im Burgenland: Die Gemeinde Güssing mit nicht einmal 4.000 Einwohner. Dort hatte sich der Bürgermeister bereits im Jahre 1990 aufgemacht die regionale Wertschöpfung durch erneuerbare Energie zu fördern. Mit Erfolg, wie man nicht nur auf den Seiten des Europäischen Zentrums für Erneuerbare Energie sehen kann, welches in der Gemeinde beheimatet ist. Vielleicht ein Modell, welches sich die Gemeinderäte in meiner Heimat einmal näher anschauen sollten. In mein Bewusstsein ist die Gemeinde über das Buch Vorsicht Höchstspannung! Sichere Energie für morgen (Brockhaus) gerutscht.

Den Beitrag "Strom im Elsenztal 2014 offline Lesen:

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt