Bild: Cornelia Menichelli  / pixelio.de
Bild: Cornelia Menichelli / pixelio.de

Das der Wind in Bayern etwas anders weht, als im Rest der Republik ist ein bekannter Fakt. Die aktuelle Süddeutsche berichtet von der Skepsis des Bayerischen Wirtschaftsministers Martin Zeil (FDP) anlässlich der Energiewende, die auch am Freistaat nicht vorbei gehen wird. Hauptangst ist, dass durch den Wegfall der Atommeiler die Versorgungssicherheit nicht mehr gegeben ist. Ich frage mich: Ist Bayern eine Insel?

Neben Zeil, wird im Beitrag der Süddeutschen auch der Bertram Brossardt vom Verband Bayrischer Wirtschaft (vbw) zitiert, der unter anderem den Einspeisevorrang der erneuerbaren Energieträger kritisiert.

Wahrscheinlich hätte ich den Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vollständig ignoriert, wenn ich nicht wenige Minuten vorher den zweiten Teil der Stabilitätsanalyse des Stromnetzes freigeschaltet hätte.  Bei diesem Beitrag wurde natürlich die aktuelle Ist-Situation betrachtet und nicht den Status auf einer bayrischen Insel in 8-10 Jahren. Ursachen für die Versorgungssicherheit scheinen aber eher durch Spekulation und Kostenoptimierung für die Stromversorgung zu sein, als durch die Quellenwahl.

Unter dem Titel „Smartgrid braucht kein Mensch“ hatte ich hier im Blog über eine Veranstaltung vor einem Monat in Bayern berichtet. Veranstalter war Bayern Innovativ, die in ihrer Zeitung den Bayern Blackout als Titelthema hatten. Ursache dort waren Verbräuche, die nicht gedeckt werden – als Artikel Autor wurde der Verband Bayerischer Elektrizitätswerke (VBEW) genannt. Da die dort genannten Zahlen wirklich alarmierend waren, stellte ich eine Presseanfrage mit der Bitte mir Hintergrundinformationen zukommen zu lassen. Bislang habe ich hierauf noch keine Antwort erhalten, von daher muss ich leider mit den Daten arbeiten, die mir vorliegen.

Blackout Risiko: Steigender Verbrauch
Eigentlich sollten auch in Bayern einige Bemühungen am Laufen sein, die den Verbrauch senken und nicht steigern. -20% bis 2020 ist das Ziel, welches in ganz Deutschland angestrebt wird.

Blackout Risiko: Netzstabilisierung
Hier spricht der Anzahl der Eingriffe (Prozentwert) tatsächlich für die gemachten Aussagen. Im Fortschrittsbericht 2012 werden auf Seite 10 die Werte der verschiedenen Umspannstationen gelistet. Ein Plus von 30.800% beim Umspannwerk Kriegenbrunn (Bayern)   im Vergleich zum Vorjahr schockt jeden Statistiker – selbst bei einer ex-potentialen Entwicklung kann nichts innerhalb eines Jahres so stark sich verändert haben, dass es Ursächlich für diese Entwicklung ist. Die 2.000 Stunden mit netzstabilisierenden Eingriffen in Redwitz – Remptendorf (Bayern/Thüringen) des Spitzenreiters der Statistik sehen dagegen richtig putzig aus. Wobei dies 83 Tagen innerhalb des Winterhalbjahres 2011/2012 entspricht – also jede zweite Stunde.

Die Daten stammen von der Bundesnetzagentur und können in Auszügen auch der Pressemitteilung entnommen werden. Hierin enthalten sind auch die Ursachen:

„In diesem Zeitraum [Anm: Winter 2011/12] wurde nicht nur eine sehr hohe Auslastung von Leitungstrassen, sondern auch eine massive Unterspeisung der Bilanzkreise beobachtet. Das bedeutet, dass deutlich mehr Strom verbraucht wurde als prognostiziert und damit tatsächlich produziert worden war.“ (Quelle: Bundesnetzagentur)

Zu einer hohen Auslastung von Leitungstrassen kommt es, wenn in einem Gebiet nicht der Bedarf gedeckt werden kann. Übersetzt für Bayern: Ja, man sollte vielleicht am Ausbau der Erneuerbaren Energie arbeiten…. – ein Anreiz um hier Investitionssicherheit zu geben ist die Einspeisegarantie.

Eine Unterpeisung der Bilanzkreise kommt vor, wenn ein Stromhändler weniger Strom einkauft, als er tatsächlich benötigt. So geschehen bei der Zockerei zwischen dem 6. und 9. Februar 2012 (s.h. auch).

In der Erklärung der Bundesnetzagentur steht auch gleich die Lösung. Erfolgsfaktor für die Versorgungssicherheit ist die Qualität der Prognose. Fehler in der Prognose und in den Fahrplänen der Kraftwerke machen ein Plus von 30.800% erklärbar. Wer in jeder zweiten Stunde eingreifen muss, der besitzt keine Vorhersage – 50:50 Chance das eine Vorhersage (auch Wetter) in einem kurzen Zeitraum stimmt, ist Glücksspiel.

Kein Wunder, dass die Bundesnetzagentur zu folgender Aussage (für ganz Deutschland) kommt:

„So waren auch die sog. Differenzbilanzkreise der Verteilernetzbetreiber (VNB)deutlich unterdeckt, was darauf hindeutet, dass die VNB im Rahmen der Standardlastprofile für die Haushaltskunden die extrem tiefen Temperaturen wie im Februar 2012 nicht hinreichend reflektiert haben. Auch die Prognosen der Bilanzkreisverantwortlichen für die EEG-Anlagen, die ihren Strom nicht über die ÜNB, sondern direkt vermarkten, müssten nach Aussagen der ÜNB noch deutlich verbessert werden.“ (Quelle: BunetzA)

Soweit ich es sehe hängt Bayern, wie auch Niedersachsen und Hessen, am Übertragungsnetz der Tennet. Wenn die Lichter ausgehen sollten, dann in allen drei Ländern. Vielleicht sollte man daher auf Zusammenarbeit bauen, anstelle Bayern isoliert zu betrachten.

Die Mahnung der Bundesnetzagentur kann man umwandeln in klare Aufgabenstellungen: Was kann die bayerische Wirtschaft tuen, damit die Prognosen besser werden? 

Welche Infrastrukturprojekte müssen gefördert werden, um ein gleichberechtigtes Glied im Verbundnetz zu sein?

Den Beitrag "Politik in Bayern in ernster Gefahr offline Lesen:

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