Es ist schon ein paar Monate vergangen, als hier im Blog über das Projekt Kombikraftwerk2 mit seiner Sicht auf das Stromnetz der Zukunft ein Blick geworfen wurde. Ziel des Projektes unter Förderung des Bundesumweltministerium, an dem sich  unter anderem Fraunofer IWES, Siemens, Solarwold und SMA als Partner beteiligen, ist es die Netzstabilität und Netzsicherheit bei der Verwendung von erneuerbaren Primärenergiequellen zu nutzen. Um den aktuellen Stand zu erfahren, habe ich Sven Kirrmann von der Agentur für Erneuerbare Energien einige Fragen gestellt.

Soweit ich sehe, hat sich die Webseite Kombikraftwerk.de in den letzten Monaten nicht wesentlich verändert.  Gibt es Fortschritte? 

[Kirmann] Auf der Website hat sich tatsächlich nicht viel getan, da die Forscher noch bei den Berechnungen und Versuchen sind. Anfang des kommenden Jahres  werden aber einige weitere Hintergrundinformationen und voraussichtlich ab Februar auch ein Film zum Projekt über die Seite auffindbar sein. Mit den wirklichen Ergebnissen des Projektes ist allerdings frühestens im Juni zu rechnen, voraussichtlich sogar erst im Herbst 2013.

Können bereits Aussagen gemacht werden, welche Erzeugungskomponeten in welcher Dimension benötigt werden? 

[Kirmann] Hierzu gibt es erste Abschätzungen, das endgültige Szenario, dass dem Projekt zu Grunde gelegt wird, ist aber noch in der Berechnung.

Ist die räumliche Verteilung (wie sie in Kombikraftwerk1 existierte) zwingend notwendig?

[Kirmann] Das KombiKW 1 hatte ja einen etwas anderen Fokus, dort sollte gezeigt werden, dass die deutsche Last komplett durch EE abgedeckt werden kann. Hier war die räumliche Verteilung nötig, um die unterschiedlichen Wetterverhältnisse in Deutschland ausnutzen zu können. Beim KombiKW2 geht es bei den Feldtests mit den realen Anlagen zunächst nur um die technische Machbarkeit von SDl durch EE-Anlagen, hierzu wäre eine räumliche Verteilung per se nicht notwendig. Bei einer EE-Vollversorgung muss neben  der technischen Machbarkeit aber natürlich auch eine verlässliche Erbringung dieser SDL gewährleistet sein, also auch in Gegenden, wo bspw. an einem Zeitpunkt Flaute herrscht – hierzu ist eine überregionale Kopplung der Anlagen dann wieder nötig.

Wer könnte ein potentieller Betreiber sein?

[Kirmann] Das Projekt untersucht zunächst die technischen Machbarkeiten und nicht die wirtschaftliche Umsetzung, daher sind dazu keine Ergebnisse zu erwarten. Prinzipiell ist aber eine Vielzahl von Möglichkeiten denkbar, von neuen, rein privaten Betreibern (wie bspw. der Projektierer Enertrag mit seinem Hybridkraftwerk), ein zentrale Steuerung über die bisherigen Netzbetreiber (sowohl als lokale Kombikraftwerke oder durch überregionale Steuerung vorstellbar), oder aber auch neue staatliche Einrichtungen, die die entsprechende Steuerung übernehmen – wobei ich letzteren Fall für eher unwahrscheinlich halte…

Welche Rolle spielt die Strombörse / wie kann eine Preisfindung ermöglicht werden?

[Kirmann] Wie beschrieben, sind wirtschaftliche Aspekte nicht Teil des Projektes, daher ist auch hierzu keine Antwort zu erwarten. Prinzipiell werden die SDL wohl auch zukünftig über entsprechende Ausschreibungsverfahren generiert, deren Rahmenbedingungen aber für eine Integration der EE angepasst werden sollten (Kleinere Lots, kürzere Ausschreibungsfristen, etc…). Dieses Verfahren könnte zukünftig sicherlich auch an der Strombörse stattfinden, auch wenn die Übertragungsnetzbetreiber dieses Hoheitsrecht wahrscheinlich ungern abgeben werden

Gibt es Fortschritte in der Schwarzstartfähigkeit?

[Kirmann] Sie Schwarzstartfähigkeit wird in einem Feldtest untersucht, der allerdings erst Mitte nächsten Jahres stattfinden wird – daher kann ich Ihnen leider noch nichts dazu sagen.

Soll ein Ausgleich in den Lastprofilen lediglich über die Regelleistung erfolgen?

[Kirmann] Vielleicht verstehe ich Ihre Frage falsch, aber dafür wäre die Regelleistung doch viel zu klein?! Der Ausgleich zw. Erzeugung und Last wird vor allem durch die steuerbaren Energieträger wie Biogas und Windgas-BHKW sowie durch Speicher erfolgen.

(Anmerkung: Ich kann dieser Aussage nur zustimmen was die Regelleistung angeht, wird aber in einigen Zeitungsartikeln von den Netzbetreibern so hingestellt…)

Ich bedanke mich auch an dieser Stelle noch einmal für die Beantwortung der Fragen und wünsche allen Projektbeteiligten einen erfolgreichen Start in das Auswertungsjahr 2013.

Den Beitrag "Nachgefragt: Gibt es Neuigkeiten beim Kombikraftwerk2? offline Lesen:

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