Argumente für Strompreiserhöhung
Argumente für Strompreiserhöhung

Man stelle sich vor, dass man bei einer Werbeagentur sitzt und für den Kunden (Stomanbieter) einen Brief entwerfen soll, wo man diesen über steigende Strompreise informiert. Wie gut, wenn man in dieser Situation auf die PR und Lobby-Arbeit der Kollegen zurückgreifen kann – und vor allem auf die Rolle der Medien in diesem Falle verlass ist. Schnell ist die gestiegene EEG Umlage im Schreiben verarbeitet und dient als alleinige Rechtfertigung. Doch die Preise sollen noch weiter steigen…

Ich gestehe, dass ich im Moment zwei Stromanbieter habe, die beide nicht dem Grundversorger entsprechen. Von daher habe natürlich schon damit gerechnet, dass auch bei mir eine Erhöhung des Strompreises ansteht. Vorbereitet durch die Medien war ich gespannt, was in den Schreiben steht. Decken sich die Anbieter doch meist am EEX ein, was den Ausbau von Smartgrids in Deutschland erfolgreich verhindert. Beim Preisverlauf dort sehe aber zumindest ich keinen Trend nach oben. Also muss die EEG Umlage als Sündenbock herhalten. Aber halt! Da ist doch dieser Film „Leben mit der Energiewende“, der morgen in Berlin Premiere hat. Der Eintrittspreis unter 2 Cent war gewählt worden, da dies der Anstieg der EEG Umlage je kWh ist. Einer meiner Versorger erhöht von 21,46 Cent auf 25,54 Cent den Preis. Bleiben 2 Cent  für welche Tasche?

„Kein Cent dieser Preisanpassung bleibt bei [Name des Anbieters] hängen.“

Bei meinem anderen Anbieter wird für die Erhöhung auch die EEG-Umlage als Begründung verwendet. Dort steigt der Preis von 21,42 Cent auf 24,63 Cent. Im Schreiben wird die Erhöhung der EEG Umlage, KWK Umlage und §19 StromNEV-Umlage mit Netto 1,987 Cent je kWh angegeben. Ein Punktsieg für den zweiten Anbieter: 2,364 Cent je kWh (inkl. MwST) dürfte dem tatsächlichen Anstieg entsprechen, den die Lieferanten an ihre Kunden weitergeben. Durch mehrfachen Hinweis mit rotem Marker…

„inklusiver neuer EEG-Umlage“

… erspart man sich die Grundpreiserhöhung von 95,20€ auf 107,10€ im Jahr irgendwie zu rechtfertigen.

Fakt ist: Die Umlagen gehen tatsächlich in die Höhe.

Medien machen Preisabsprache möglich
Schrauben wir die Zeit einige Wochen zurück. Über die Steigerung der Umlagen wird in allen Medien berichtet. Selbstverständlich mit dem Kausalhinweis, dass die Umlage eine Steigerung der Strompreise mit sich bringen wird. Der Privatkunde fühlt sich wohl, denn es wird eine schöne Opferrolle für ihn geschaffen. Der Neid auf Brauereien und Golfplätze – und einige Verbrauchsgiganten ist ein gefundenes Fressen zur Ablenkung von der eigentlichen Tatsache. Aufklärung über die tatsächlichen Größen fehlt.

Jetzt müssen die Grundversorger als First-Mover herhalten. Ihre Kunden haben sich in der Vergangenheit bereits als resistent gegenüber Preissteigerungen gezeigt. Allerdings durch die große Anzahl der Kunden haben nun die Medien erneut etwas zu berichten. Vorteil für die kleineren Stadtwerke und Co., die nun ebenfalls die Preise erhöhen können. Eine solche gute Transparenz über die Akzeptanz von Preiserhöhungen und deren Begründung kann man sich bei den Benzinpreisen nur wünschen.

Was heute die Umlagen waren, sind übrigens morgen die Offshore Anlagen und die Hafungsrisiken, wie man aktuell bei Wallstreet-Online lesen kann. Springen weitere Medien an, können wir im ersten Quartal 2013 mit der nächsten Erhöhung rechnen.

Selbst ein Schreiben vom Stromanbieter erhalten? Mich würden die Begründungen interessieren. Einfach Kommentar hinterlassen oder mich anmailen.

Den Beitrag "Krisen PR: Strompreiserhöhung. - Sind die Medien schuld am Preisantieg? offline Lesen:

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