Dynamische Stromtarife: Verbrauchsplanung
Dynamische Stromtarife: Verbrauchsplanung

Eigentlich sollte es bereits in Deutschland ein sehr großes Angebot und verschiedene Szenarien für dynamische Stromtarife geben. Bereits im Jahre 2010 hatte es von der Bundesnetzagentur ein Festlegungsverfahren gegeben. Im Spätjahr 2012 erkennt der Stromtarifvermittler Verivox richtig: „Variable Stromtarife weiterhin wenig attraktiv“. Dabei ist es vielleicht doch nicht so schwierig, wenn man sich mit der Kundenbrille dem Thema nähert. Wie so häufig, wenn es um die Energiewende geht, ergibt sich eine Win-Win Situation: Bessere Lastprognose, erhöhtes Verständnis über den Verbrauch, Stabilisierung der Versorgung…

Vor einigen Wochen gab es hier im Blog die Suche nach einem Gesprächspartner über Lastmanagement. Dank etwas Verbreitung durch Energynet und die Energieblogger (auf Facebook) sind einige interessante Gespräche entstanden, in deren Folge ein Lösungsweg zu dynamischen Stromtarifen sich abzuzeichnen scheint. Selbstverständlich sind einige Annahmen getroffen worden, die nun am besten wieder im Rahmen der Netzwelt diskutiert werden sollten. Dennoch scheint es einige Kriterien zu geben, die für einen standardisierten dynamischen Stromtarif gelten müssen.

Keine besondere Hardwareanforderungen
Die Messung des Verbrauchs sollte beim Stromkunden mit einem üblichen Zähler durchführbar sein. Empfehlenswert ist ein Smart-Meter von einem Messstellenbetreiber, der unabhängig vom Stromlieferanten/Grundversorger ist.

Dynamik bedeutet nicht nur sparen.
Ob man gerade sparen will, oder sich etwas gönnen möchte, sollte vom Verbraucher bestimmbar sein. Ebenso ist ein Datenschutz zu realisieren, der die Eigentümerschaft und die Hoheit über deren Auswertung beim Verbraucher lässt. Wenn Daten freigegeben werden, dann mit einem gewissen Ziel. Ein Beispiel könnte die gezielte Meldung des Strombedarfs zu einem bestimmten Zeitpunkt sein.

Bedarfsplanung als primäres Ziel
Für den Stromkunden sollte der dynamische Stromtarif als Notwendigkeit zur gezielten Bedarfsplanung bei der Stromproduktion dienen. Der Kunde wird damit zum festen Bestandteil in der Erstellung der Fahrpläne für die einzelnen Stromerzeugungsarten und ist in die Kommunikation eingebettet.

Umsetzung dynamischer Stromtarife
Das Bild zum Artikel zeigt ein Kundenportal, bei der für einen Tag der Bedarf vom Kunden für Großverbraucher mit planbaren Zeiten gemeldet werden kann. Hierzu sind dem Kundenprofil einige Verbraucher zugeordnet, die auf einem Plan der Folgetage abgelegt werden können. Wird ein Gerät innerhalb dieses Zeitraums betrieben – erkennbar durch den gemessenen Verbrauch – dann wird der Verbrauch mit einem Spartarif abgerechnet. Alle anderen Verbräuche werden mit dem Basistarif abgerechnet.

Für einen Anschluss kann zusätzlich eine Grundlast hinterlegt werden. Im Laufe von 24 Stunden darf diese Grundlast zu keinem Zeitpunkt unterschritten werden. Auch der Verbrauch aus der Grundlast wird mit dem Spartarif abgerechnet.

Jedes Gerät kann für eine bestimmte Häufigkeit geplant werden. Kann kein Verbrauch festgestellt werden, zu dem das Gerät geplant wurde, so reduziert sich die Anzahl. Wird ein Verbrauch festgestellt, so erhöht sich die Anzahl. Bei einer negativen Anzahl muss das Gerät bis zu einem Wert von „1“ zum Basistarif betrieben werden.

Auswertung für den Kunden

Prognose Auswertung des Stromkunden
Prognose Auswertung des Stromkunden

Am Folgetag eines geplanten Verbrauchs erhält der Kunde die Möglichkeit seinen Planungserfolg unmittelbar einzusehen. Dies soll dazu dienen eine direkte Auswirkung auf den Bezugspreis zu bekommen und die Auswirkungen von verschiedenen Verbrauchern auf die Stromrechnung besser verstehen zu lernen. Letztendlich liegt die Hypothese nahe, dass mehr Verständnis zu einem bewussteren Umgang und damit zu einer Einsparung führt.

Wirtschaftlichkeit
Die im Augenblick verfügbaren dynamischen Stromtarife zeichnen sich vor allem durch hohe Grundgebühren aus, oder durch eine Abschaltung des Stroms zu bestimmten Zeiten („Wärmempumpentarife“). Bei dem hier vorgeschlagenen Lösungsweg wurden daher Werte verwendet, die auch ohne eine Erhöhung der Grundgebühr möglich sein könnten, dennoch auch einen monetären Anreiz schaffen. Für den Basistarif wurde mit 0,22€/kWh gerechnet – für den Spartarif mit 0,19€/kWh. Für den Beispieltag konnte so eine Ersparnis von 0,13€ (=48,32€ pro Jahr) ohne Komfortverzicht und mit Planungsfehlern ermittelt werden.

Für EVUs
Als Stromlieferant müsste natürlich zunächst ein Portal aufgebaut werden, bei dem der Kunde seine geplanten Verbräuche gezielt übermitteln kann. Die geplante vertikale Netzlast müsste in Form von Zeiten bei denen der Spartarif möglich ist vorhanden sein. Nützlich scheint, wenn mindestens 8 Stunden je Tag (nicht zusammenhängend) der Spartarif möglich ist. Im Gegenzug erhält der Versorger eine deutlich bessere Planungssicherheit, auch wenn nicht alle Kunden diesen Tarif wählen, da Hochrechnungen ähnlich der TV-Einschaltquote möglich werden.

Schlußfrage
Wer könnte sich als Stromkunde solch einen Tarif vorstellen? Feedback wie immer erwünscht. (Kommentar im Blog, Mail, Facebook oder Google+)

 

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