Prämienberechtigt?
Prämienberechtigt?

„Und ich bin ein dynamischer Lastabwurf, denn ich bin eine Wärmepumpe“

Wer gestern die Nachrichten verfolgt hat, dem ist vielleicht die Millionenbescherung aufgefallen, die gestern per Verordnung durch die Bundesregierung beschlossen wurde. Im groben geht es darum, dass man eine Prämie bekommen kann, wenn man seinen Stromverbrauch reduzieren kann. Eine weitere Prämie erhält man, wenn tatsächlich der Strom abgeschaltet wird.  Die einzelnen Zahlen kann man bei Klimaretter.info nachlesen. Als Regel besteht: 50% muss innerhalb von Sekunden abschaltbar sein. 50% innerhalb von 15 Minuten. Kaufen müssen die Übertragungsnetzbetreiber das Potential – bezahlen die Stromkunden per Umlage. Aber sind nicht auch die privaten Stromkunden prämienberechtigt?

Lastabwurf nennt man das Verfahren, welches hier per Verordnung geregelt wird. Bislang hat hat man eine Laststeuerung über die sogenannte Regelleistung gemacht, bei der es nur um die Produktion von Strom geht. Jetzt rückt der Verbrauch in den Vordergrund. Schaut man beim Verlinkten Beitrag bei Tagesschau.de in die Kommentare,  bekommt man das Gefühl, dass der private Kunde sich hier überhaupt nicht als Potential sieht – und damit nicht als prämienberechtigt.

Jetzt muss man natürlich sagen, dass die Beträge, um die es hier geht keinen reich machen würden. Aber…

Wer hat eine Wärmepumpe? Vielleicht hängt diese an einem Zweitarif-Zähler / oder einem Wärmetarif. Dort gibt es bereits eine abschaltbare Last. Technisch umgesetzt durch Abschalten der Belieferung für einige Zeit (1-2 Stunden). Neue Geräte haben noch intelligentere Verfahren des Lastmanagements. Eine Abschaltung dieses Stroms für einige Stunden ist ohne Komfortverlust möglich, gespart wird natürlich auch die Umwälzpumpe, die dann nicht laufen muss.

Wer hat einen Kühlschrank? Auch dieses Gerät kann ohne Komfortverlust für einige Zeit vom Netz genommen werden. Miele hat bereits vor zwei Jahren mit ihren @Home Produkten gezeigt, dass es funktioniert. Bei anderen Herstellern sieht es ähnlich aus und kann durch das Label „Smart Grid Ready“  sogar in die Kaufentscheidung aufgenommen werden.

Zuviel Kleinteilerei? Weicht der Verbrauch von der Prognose ab, so dass auf das Instrument des dynamischen Lastabwurfs zurückgegriffen werden muss, dann will man doch gerade im Sekundenbereich kleine Änderungen vornehmen und nicht warten, bis man den Dampfhammer braucht. Lieber fein-teilig einzelne kWh abwerfen, als auf einen Schlag mehrere MWh.

Beruflich bin ich persönlich im Bereich von Big-Data beschäftigt und weiß, dass die Stückkosten kein Grund sein können, warum man die privaten Haushalte bei der Abschaltprämie unberücksichtigt lässt. Vielleicht könnte so der Traum von Smartgrids doch noch Wirklichkeit werden….

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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