Warum werden manche Probleme nicht auf Eis gelegt?
Strom fließt, alle Ampeln grün?

Eine wirklich beachtliche Dokumentation, die uns die ARD leider zu einer schlechten Sendezeit (0 Uhr) in der Nacht zum Donnerstag geschenkt hat. Panorama – Die Reporter beschäftigte die Frage Energiewende – Größenwahn statt Megaplan (Mediathek). Es werden die verschiedensten Herausforderungen angesprochen, die das Thema Energiewende mit sich bringt. Kritisch hinterfragt, ob die Ampel für das Vorhaben wirklich noch auf „grün“ steht, oder bereits jetzt alle Alarmsirenen aufheulen sollten. Man bekommt den Eindruck, dass viele Baustellen auch zu vielen Ergebnissen führen müssten – ohne einen Masterplan zu haben, wie man das Ziel des Atomaustieges bis in 10 Jahren schaffen kann. Doch fehlt es wirklich nur am Plan?
Geplant wird, um ein Risiko des Scheitern bereits im Vorfeld auszuschließen, die einzelnen Aufgabe in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen und dem Projekt eine Struktur zu geben über die ein Status ermittelt werden kann. Schließlich will keiner in 10 Jahren feststellen, dass die Abnahme der Brandmeldeanlage vergessen wurde.

Es gibt mit Sicherheit mehr als 10.000 Projekte, die im Moment rund um das Thema Energiewende in Deutschland gestartet wurden. Wird davon ausgegangen, dass jedes einzelne Projekt einen kleinen Beitrag liefert, so sollte die reine Menge schon zu einem gewissen Erfolg führen.

Alle Projekte, die ich näher kenne, werden mit sehr viel Professionalität und Erfahrung durchgeführt – Deutschland ist halt ein Land der Ingenieure. Die Probleme (Ertragsschwankungen, Netzkapazitäten, Umwelteinfluss,…) sind bekannt und werden sehr gezielt angegangen. Was fehlt ist allerdings etwas mehr Größenwahn im politischen Denken. Oder nennen wir es Mut für etwas Großes?

Zum Ende des Berichtes der ARD, wird das Beispiel eines Kohlekraftwerkes genannt, welches sich im Moment im Bau befindet. Investoren machen Schwierigkeiten, da das Kraftwerk vom Netz genommen werden muss, wenn Sonne+Wind den Bedarf an Strom decken. Geld wird aber nur verdient, wenn Strom produziert und verkauft werden kann.

Auch auf der Verbrauchsseite können gewisse Verbräuche kontrolliert werden. Bereits heute haben Industriekunden die Möglichkeit gewisse Abnahmemengen zeitlich zu verlagern und somit dem Angebot anzupassen. Nur wird dies nicht reichen, bedenkt man, dass mehr als 50% des Stromverbrauchs durch private Haushalte und Kleinbetriebe entsteht. Technisch lässt sich dort auch einiges machen. Denken wir nur an alle Smartphones, die nächtlich geladen werden (~16 Millionen) – ein Potential das zwar noch nicht viel ist, aber immerhin ein weiteres Mosaiksteinchen.

Auf dem Papier und bei Modell-Projekten sind sehr viele Lösungen denkbar, die allerdings unter den aktuellen Bedingungen in der Breite nicht funktionieren werden. Das Kohlekraftwerk zeigt, dass der Strommarkt eben ein Markt ist. Man muss etwas leisten um dafür Geld zu bekommen. Und warum sollten Smartphones etwas teurer werden, um mit einer Technik zur „Intelligenten Ladung“ ausgestattet zu werden?

Der Mut für etwas Großes besteht darin, dass die Energiewende wahrscheinlich einige Regeln der freien Marktwirtschaft verändern werden muss. Die Steuerung über Subvention und Abgabenordnung wird nicht reichen, um den gezielten Effekt der Nutzung aller sinnvollen Ressourcen zur intelligenten Stromerzeugung und des Stromverbrauchs ausschöpfen zu können.

Wie können Marktregeln aussehen, die einen Interessenausgleich von Erzeugern, Industrie und Verbrauchern als gleichberechtigte Partner in einem Großprojekt vereint?

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