Ende Februar war es soweit, der nicht atomare Teil des Kernkraftwerk Biblis konnte seiner neuen Bestimmung zugeführt werden. Die Netzbetreiber RWE Power und Amprion haben mit den Mitarbeitern des Kernkraftwerks den Umbau zur Unterstützung der Blindleistung fertiggestellt, wie man einer Pressemitteilung des Konzerns entnehmen kann.

Laut Wikipedia ist die Blindleistung eigentlich der unerwünschte Anteil der Stromerzeugung, der mehr benötigt wird, als tatsächlich verbraucht wird. Ein Phasenschieber sorgt dafür, dass die Blindleistung gleichmäßig auf alle Phasen verteilt wird.

Was mich etwas verwundert ist die Begründung, die hinter dieser Unternehmung steckt. Gerade im Süden sei die Stabilität durch die Erneuerbaren Energien ohne einen solchen Phasenschieber gefährdet. Nach meinem technischen Verständnis, wirkt der Phasenschieber in Biblis sich unmittelbar, sofort, in Sekundenbruchteilen auf das Stromnetz aus und sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der angebotenen Leistung auf die Phasen. Sicherlich nicht unwichtig für die Stabilität des Gesamtsystems – jedoch war bislang die Schwachstelle die den Erneuerbaren unterstellt wurden, eher längere Ereignisse, wie eine anhaltende Flaute beim Wind. Um solche Vorfälle auszugleichen ist das Verfahren der Regelleistung vorhanden, welches hier ja bereits besprochen wurde.

 

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Ein Gedanke zu “Was passiert mit den alten Atommeilern? Kernkraftwerks Recycling in Biblis

  1. Jede Stromleitung und (fast) jeder Verbraucher wirkt sowohl als Kondensator, wie auch als Spule im Netz, d.h. unter Einwirkung eines Wechselstroms wird 50x pro Sekunde ein elektrisches und ein magnetisches Feld auf- und wieder abgebaut. Da die beim Abbau wieder freigesetzte Leistung jedoch nicht synchron zum verursachenden Strom ist, ist diese zurückgespeiste „Blindleistung“ nicht nutzbar, belastet aber die Leitungen thermisch genauso wie Wirkleistung.

    Es ist jedoch möglich, die Phase der Blindleistung (=ihre Verschiebung gegenüber der Wirkleistung) so zu verschieben, das sie wieder zu Wirkleistung wird. Dazu muß die kapazitive Verschiebung exakt genauso groß sein wie die induktive, was sich entweder durch das Zuschalten großer Spulen bzw. Kondensatoren erreichen läßt (was jedoch auch Wirkleistung kostet), durch aktive Phasenschieber (was sehr teuer ist) oder am besten durch das Einspeisen von Blindleistung, die genau spiegelbildlich zur aktuellen Blindleistung im Netz verschoben ist. Letzteres können jedoch nur Großkraftwerke mit fremderregten Generatoren, die gleichmäßig im Netz verteilt sind – ein Hauptgrund, warum die Abschaltung der KKWs das Netz so instabil hat werden lassen.

    Mit der Frequenzhaltung, also der Regelung des Erzeugungs-Verbrauchs-Gleichgewichtes durch Regelleistung hat das erstmal nichts zu tun. Sehr starken Einfluß hat die Blindleistungsregelung dagegen auf die Netzspannung, da mit zunehmender induktiver Verschiebung der Blindleistung im Netz steigt bzw. mit kapazitiver Verschiebung sinkt.

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