Zocken mit den Strompreisen

Glaubt man einer Meldung der DPA, die unter anderem bei web.de zu lesen ist, so waren wir vor einigen Tagen wieder einmal kurz vor dem Kollaps des Stromnetzes.  Als spekulativer Hintergrund werden hohe Börsenpreise genannt, die dazu führten, dass der Verbrauch „optimiert“ berechnet wurde und in Folge auf Produktionsreserven aus der Regelleistung zurückgegriffen wurde. Wie aus der Meldung hervorgeht, bestand zum Teil über Stunden eine zu geringe Produktion. Bei der Regelleistung des Stromnetzes handelt es sich um Kraftwerke, die sehr schnell hoch oder runter gefahren werden können um unerwartete Verbrauchsspitzen oder plötzliche Ausfälle auszugleichen. Nicht konzipiert ist diese Stromquelle für die Deckung des Grundbedarfs – zu dem es aber scheinbar zwischen dem 6. und dem 9. Februar genutzt wurde.

Eigentlich sollte eine solche „Optimierung“ der Einkaufspreise nicht vorkommen, könnte man annehmen. Es scheint allerdings sehr verlockend zu sein, bei zu hohen Einkaufspreisen den tatsächlichen Verbrauch klein zu rechnen. Es bleibt offen, was passiert, wenn es tatsächlich zu einem Ausfall kommt. Kaum wird man die Marktgesetze dafür verantwortlich machen – eher den Ausstieg aus der Atomenergie, oder unzuverlässige Kapazitäten aus den erneuerbaren Energieträgern.

Schön, dass nicht einmal eine Woche vor dem Beinahe-Zusammenbruch der Stromhändler und Kraftwerksbetreiber „Next“ aus Köln die Erfolgsmeldung veröffentlichte, dass der Zusammenschluss aus von Biogasanlagen zu einem virtuellen Kraftwerk, zur Deckung der Regelleistung beigetragen hat.

Der Kreis schließt sich, wenn man sich nun überlegt, wer für den Schaden der Stromzockerei eigentlich aufkommt: Der „Otto-Normal-Bürger“. Diesmal allerdings (zum Glück) nicht direkt mit Steuergeldern, sondern durch stickenden Bio-Müll, der in Projekten wie der neuen Bio-Energietonne der AVR-Rhein Neckar gesammelt wird zur Verstromung in einer Biogasanlage.

 

 

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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