blog.stromhaltig https://blog.stromhaltig.de Damit der Strom der aus der Steckdose kommt ein bisschen nachhaltiger ist. Sun, 31 Jan 2016 02:18:42 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.8.13 Österreich: Kosten für Stabilisierung des Stromnetzes 2015 deutlich gesunken https://blog.stromhaltig.de/2016/01/oesterreich-kosten-fuer-stabilisierung-des-stromnetzes-2015-deutlich-gesunken/ https://blog.stromhaltig.de/2016/01/oesterreich-kosten-fuer-stabilisierung-des-stromnetzes-2015-deutlich-gesunken/#comments Sun, 31 Jan 2016 02:17:36 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9626 Weiterlesen ]]> Wie die Österreichischen Netzbetreiber am Freitag in einer Pressemitteilungen bekanntgeben, sind im vergangenen Jahr die Kosten für die Stabilisierung des Stromnetzes deutlich gesunken. Als Hauptkostensenker wird die internationale Kooperation (auch Deutschland) genannt, sowie die Gleichstellung der Pumpspeicher bei der Belastung durch Netzentgelte.

Wien (29. Jänner 2016) – Die Kosten für die Stabilisierung des österreichischen Stromnetzes mit Hilfe von Regelenergie sind 2015 um fast 30 Prozent gesunken, 143 Millionen Euro mussten 2015 für die gesamte Regelreserve aufgewendet werden. 2014 waren es noch über 200 Millionen Euro. Die verschiedenen Maßnahmen, die von der Regulierungsbehörde EControl und dem Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) gesetzt wurden, hätten deutliche Wirkung gezeigt, so Martin Graf, Vorstand der E-Control und APGVorstandsvorsitzende Ulrike Baumgartner-Gabitzer. „Die Anstrengungen in diesem Bereich haben sich gelohnt.“ So wurde durch die Zusammenarbeit mit Nachbarländern Geld gespart, auch gibt es mittlerweile mehr Teilnehmer am Regelenergiemarkt – was den Wettbewerb deutlich erhöht hat. Auch die Rahmenbedingungen wurden verbessert. So hat die E-Control ein spezielles Netznutzungsentgelt geschaffen, dass Verbrauchsanlagen und Pumpspeicher bei der Bereitstellung von Regelreserve gleichgestellt.

Nationale Maßnahmen zur Belebung des Regelreservemarktes gesetzt

Zuletzt sind neue Anbieter am Regelenergiemarkt hinzugekommen und bestehende Anbieter sind in neuen Bereichen tätig geworden. Diese haben z.B. Anlagen, die von anderen Lieferanten versorgt werden, in ihren Pool aufgenommen oder Power2Heat-Anlagen, die z.B. Fernwärme erzeugen. Weitere neue Teilnehmer werden in den nächsten Monaten erwartet. „Es kommt langsam Bewegung hinein“, sagt E-Control-Vorstand Graf, der sich durch neue Anbieter einen liquideren Markt und dadurch einen weiteren Beitrag zu niedrigeren Kosten für die Regelreserve erhofft. „Um den Wettbewerb zu erhöhen, wurde der Eintritt in den Regelreservemarkt durch gezielte Maßnahmen erleichtert“, erläutert Graf. So können auch verstärkt Industriebetriebe mit geeigneten Verbrauchsanlagen bzw. eigenen Stromerzeugungsanlagen am Regelreservemarkt teilnehmen.

Kosten durch internationale Kooperationen eingedämmt

Um die Kosten für die Regelreserve einzudämmen, wurden auch auf internationaler Ebene zahlreiche Maßnahmen getroffen. Die Kosten der Beschaffung durch die APG sind durch internationale Kooperationen gesunken. Eine gemeinsame Beschaffung der 2 Primärregelreserve mit der Schweiz wurde 2013 erfolgreich umgesetzt und im April 2015 auf die Übertragungsnetzbetreiber aus Deutschland, den Niederlanden und Dänemark ausgeweitet. Ein gegenseitiges Anrechnen beim Abruf von Sekundärregelenergie (Imbalance Netting) mit Slowenien wurde 2013 erfolgreich umgesetzt und seit Ende April 2014 ist eine ähnliche Regelung mit Deutschland und seinen Nachbarländern in Betrieb. „Damit wurden sehr große abgerufene Mengen an Sekundärregelenergie verhindert und die Kosten signifikant eingedämmt. An weiteren internationalen Kooperationsprojekten wird gearbeitet“, so Baumgartner-Gabitzer.

Über Regelenergie

Ein zentraler Bestandteil einer sicheren Stromversorgung ist die Vorhaltung von Regelleistung, um kurzfristig reagieren zu können, etwa wenn plötzlich weniger Strom als geplant erzeugt wird, weil beispielsweise die geplante Stromerzeugung eines Windkraftwerkes durch Prognosefehler plötzlich geringer ist oder ein Kraftwerk ausfällt. Dann springen kurzfristig Kraftwerke ein, um zusätzlichen Strom zu erzeugen oder Verbraucher verringern ihren Bezug. Regelenergie ist auch nötig, wenn plötzlich die Stromnachfrage sinkt, z.B. weil die Nachfrage der Verbraucher zu hoch eingeschätzt wurde oder ein großer Stromabnehmer, wie etwa ein Industriebetriebe wegen Anlagenproblemen ausfällt. Dann fahren Kraftwerke ihre Produktion zurück oder es werden Anlagen eingeschaltet, um überschüssigen Strom zu verbrauchen und wieder ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch herstellen.

Quelle: E-Control

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Mit offenen Ohren zum sicheren SmartHome https://blog.stromhaltig.de/2016/01/mit-offenen-ohren-zum-sicheren-smarthome/ https://blog.stromhaltig.de/2016/01/mit-offenen-ohren-zum-sicheren-smarthome/#comments Sat, 30 Jan 2016 13:18:33 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9619 Weiterlesen ]]> In einer Beitragsreihe Ende 2015 haben die Proteus Solutions GbR und blog.stromhaltig potentielle Risiken und ihre Auswirkungen aufgezeigt, die von Smart Homes ausgehen: Steuerung von intelligenten Häusern, die durchaus auch außerhalb ihres Einsatzgebietes eine Gefahr darstellen können. Zusammenfassend wird es riskant, sobald es einem Fremden möglich ist, die Kontrolle zu übernehmen und z.B. Einspeisung oder Lasten im Umfeld von Speichersystemen zu schalten. Ausgehend von den gemachten Beobachtungen beginnt das Jahr 2016 mit der Entwicklung von einigen „Best-Practises“, die Risiken minimieren.

Als Überleitung zu den Best-Practises soll ein konkreter Fall beschrieben werden. Bei der Produktreihe „VARTA element“ war es möglich durch Aufruf einer bestimmten URL die Speichersteuerung zum Laden oder Entladen aufzufordern. Diese Einstellung ist mittlerweile in den Energiespeichersystemen von VARTA Storage überarbeitet und wird aktuell auf die am Markt befindlichen Systeme ausgerollt.

VARTA Storage ist einer der führenden deutschen Herstellern von Speichersystemen, die zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage kombiniert werden können. Sobald mehr Strom von der Anlage erzeugt wird als zeitgleich im Haus verbraucht wird, wird der Speicher geladen. Geht die Sonne unter oder erhöht sich der Verbrauch, so wird die elektrische Energie wieder zurück  eingespeist.

Rollen

Wie bei sehr vielen Lösungen, die man in einem SmartHome findet, besitzt auch der Sonnenspeicher von VARTA Storage einen Webserver zur Konfiguration und zum Auslesen des aktuellen Status. Die Entwickler der Software richteten drei Rollen ein:

  • Anwender (Besitzer)
    Mit dieser Rolle kann man  lediglich den Status einsehen und die Rahmenbedingungen für die Ansteuerung eines externen Relay einstellen. 
  • Installateur
    Durch ein Passwort geschützt kommt man in den Bereich für Installateure. Hier werden die Grundeinstellungen, die für den Anschluss das Stromnetz notwendig sind, vorgenommen und die  Seriennummern der einzelnen Komponenten eingetragen.
  • VARTA Intern
    Für den Kundendienst durch den Hersteller existiert eine weitere Rolle  mit der detailliertere Informationen  zum Zustand der einzelnen Zellen ausgelesen werden können. Wie der Zugang für Installateure wird auch dieser Zugang durch ein Passwort geschützt.

 

Im Rahmen der Recherchen zur Beitragsreihe „Sicherheit im Smarthome“ wurde herausgefunden, dassbei den Batteriespeichern von VARTA Storage den Installateuren möglich war, den Speicher bei der ersten Inbetriebnahme zu testen. Ist die Erstinstallation abgeschlossen, so überwacht die Speichersteuerung fortlaufend, wie viel Strom aus dem Netz entnommen, verbraucht oder durch die PV-Anlage erzeugt wird. Per Einstellung im Installateurszugang konnte bei der Inbetriebnahme die Speichersteuerung zum Test manuell betreiben und somit zwischen „Laden“ und „Entladen“ wechseln.  Der Netzbetreiber kann in diesem Fall einen Lastwechsel von 2.000 W feststellen. Für einen einmaligen Test ist das kein Problem, jedoch sollte dies nicht zeitgleich bei vielen Speichern vorkommen.

Risiko

Um manuelles Lademanagement vorzunehmen, öffnete der Browser des Installateurs eine bestimmte URL und sendete dadurch den Befehl an den Speicher. Leider konnte man diese URL auch aufrufen, wenn man nicht vorher als Installateur angemeldet gewesen ist. Theoretisch war es sogar möglich, einen 2.000 Watt Lastwechsel aus der Ferne durchzuführen, indem man den Besitzer auf eine Webseite loggt, die als „Bild“ getarnt versehentlich den Befehl ausführt.

Durch blog.stromhaltig wurde die Schwachstelle an VARTA Storage gemeldet und innerhalb von unter einer Woche per Aktualisierung der Firmware behoben. Mittlerweile wurden bei VARTA Storage weitere interne Tests dazu durchgeführt und das Ausrollen der Software aktuell umgesetzt, so dass kein am Internet hängendes VARTA System mehr durch diese beschriebenen Schritte ferngesteuert werden kann..

Bei den in den kommenden Wochen erscheinenden Best-Practises wird eine wichtige Erkenntnis aus den Erfahrungen mit VARTA Storage verarbeitet werden. Die gefundene Schwachstelle konnte nur geschlossen werden, da man beim Hersteller auf ein offenes Ohr gestoßen war und Meldungen und Hinweise von außen in Weiterentwicklungen einfließen lässt.

Softwarehersteller haben in den vergangenen Jahren sehr viele verschiedene Werkzeuge entwickelt, wie man systemrelevante Meldungen bewerten und beheben kann. Anbieter von Lösungen aus dem Bereich SmartHome verfolgen in ihrer Softwareentwicklung jedoch selten diese Standards, was ein breites Spektrum von Risiken in die „intelligenten Häuser“ der Kunden gebracht hat.

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Kommentar: BDEW zeigt am Beispiel der Erstattung von Redispatchkosten, wie man die Fehler der Vergangenheit vergoldet https://blog.stromhaltig.de/2016/01/kommentar-bdew-zeigt-am-beispiel-der-erstattung-von-redispatchkosten-wie-man-die-fehler-der-vergangenheit-vergoldet/ https://blog.stromhaltig.de/2016/01/kommentar-bdew-zeigt-am-beispiel-der-erstattung-von-redispatchkosten-wie-man-die-fehler-der-vergangenheit-vergoldet/#comments Sat, 30 Jan 2016 00:00:01 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9611 Weiterlesen ]]> Wie bei allen Meldungen des BDEW, wird man als Otto-Normal Stromkunde erst einmal denken: “Was interessiert es mich?”. Viele Medienvertreter folgen dieser Lethargie der Kritiklosigkeit und schließen sich lieber dem bequemen Bild an: “Gebt ihnen was sie fordern, dann sind sie zufrieden…”. Tressiert darauf, dass bei den Stromkosten oder Ausfällen der BDEW einem hilft, die Ursache auch hier irgendwem anders in die Schuhe zu stecken.

In der aktuellen “Presseinformation” nennt der gemeinnützige Zwergenverein der “Wir sind Einprozent der Stromerzeugenden Unternehmen” - BDEW – eine Tatsache der Industrialisierung als “Notfall”. Ein differenzierungsfreier  Taschenspielertrick hilft der Elektro-Lobbygruppe im Vorzimmer des Bundes-Wirtschaftsministeriums den Bürgern und Unternehmern immer mehr Geld aus der Tasche zu ziehen.

Historische Entstehung – Der erste Redispatch

Zunächst gab es Fabriken, diese benötigten Strom (und Dampf), damit die Maschinen liefen. In der Nacht konnte dieser Strom auch den Bürgern zur Beleuchtung zur Verfügung gestellt werden. Die Städte mit viel Industrie wurden zuerst elektrifiziert. Viele Inseln entstanden, welche eine Schwäche hatten: In jeder musste soviel Strom erzeugt werden, wie exakt zum gleichen Zeitpunkt auch verbraucht wurde.  Die Folge waren, dass der nun lieb-gewonnene Elektronenfluss aus dem Kabel in der Wand recht instabil war. Abhilfe schaffte die Vernetzung, wodurch das Gleichgewicht deutlich einfacher erreicht werden konnte. Doch die Leitungen zwischen den Inseln hatten eine maximale Belastung, die nicht überschritten werden durfte.  Ein sogenannter Redispatch musste durchgeführt werden.

Ein Redispatch ist eine Maßnahme des Engpassmanagements, bei dem die maximale Belastung einer Leitung dadurch reduziert wird, dass man umverteilt. In Flussrichtung (Quelle) soll weniger in den Strom eingespeist werden, in Verlauf muss dann der Zufluss wieder erhöht werden, so dass am Ende die gleiche Menge wieder gleich ist. Eine Maßnahme, die man sich mit Flüssen, Quellen sowie Zu/Abflüssen  wirklich sehr gut bildlich vorstellen kann. Heute wird der Begriff verwendet, um die Eingriffe zu beschreiben, die Netzbetreiber vornehmen, wenn der Stromhandel vertraglich “Quellen” aushandelt, an denen von der Natur keine Flüsse oder Bäche vorgesehen sind.

Zu Zeiten der ehemaligen DDR war Bitterfeld eine blühende Industriestadt (Video Empfehlung: Schwarze Pumpe – 60 Jahre unter Strom). Was damals das “Waschpulver umsonst” waren, zahlen die Stromkunden heute mit den Redispatchkosten. Die Insel des Braunkohlestroms wurde nie (ausreichend) an das europäische Stromnetz angebunden und so kommt es wie es kommen muss: Notall Engpassmanagement.

Presseinformation des BDEW

Berlin, 29. Januar 2016 – Anlässlich der heutigen Beratung des Strommarktgesetzes im Bundestag fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft einen angemessenen oder besseren Ausgleich der Kosten für Notfallmaßnahmen der Kraftwerksbetreiber zur Stabilisierung des Stromnetzes (Redispatchkosten).

Die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Hildegard Müller, sagte: “Die Unternehmen werden gezwungen, große Kraftwerke kurzfristig an- und abzuschalten, um das Stromnetz stabil zu halten. Mit der jetzt von der Bundesregierung vorgeschlagenen Regelung soll den Kraftwerksbetreibern aber nur ein Teil der Kosten dafür ersetzt werden. Das ist für die Branche nicht nachvollziehbar.

Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat sich bereits in der Vergangenheit Gedanken zu einer fairen Vergütung von Redispatch-Maßnahmen gemacht. Im April 2015 hatte es eine Beschränkung der Vergütung auf einen Auslagenersatz als nicht zulässig angesehen. Das OLG nannte zahlreiche Kostenarten, die zu erstatten seien. Der Vorschlag der Bundesregierung greift das aber nicht nur nicht auf sondern führt darüber hinaus zu einer systematisch zu geringen Vergütung. Es ist unverständlich, dass die Bundesregierung die Grundsatzentscheidung des Gerichts außer Acht lässt.”

Die aktuellen Zahlen zum Redispatch machen laut Müller deutlich, warum eine angemessene Vergütung dringend notwendig ist. “Redispatch-Maßnahmen haben in den letzten Jahren rasant zugenommen. Während im Jahr 2010 insgesamt 306 Gigawattstunden (GWh) ‚redispatcht‘ wurden, betrug die Gesamtarbeit im Jahr 2015 bereits über 11.000 GWh”, sagte Müller.

Desto günstiger der Börsenstrom, desto mehr Braunkohle im Mix

War im Jahre 2010 der Strompreis noch relativ hoch an den Strombörsen, so ist er nun deutlich niedriger. In der Folge ist es für teurere Kraftwerke nicht rentabel ihren Strom dort zu verkaufen, weshalb für die günstigeren Quellen mehr Platz bleibt. Strom aus Braunkohle ist dank lukrativer EEG-Befreidungs-Subvention sehr günstig… . Die Grünen fordern daher die Logik des Strommarktes vollständig umzudrehen, wie man bei EnWiPo nachlesen kann.

Kombiniert man die historische Entwicklung mit einem niedrigen Börsenstrompreis, dann kommt man sehr schnell auf die scheinbar explodierenden Mengen an Redispatch. Ob es mit den Kosten tatsächlich im gleichen Umfang ist, sei einmal dahingestellt. Schließlich darf jeder selbst bewerten, wenn jemand eine Quelle erschlossen hat, deren Wasser verkauft – ohne es transportieren zu können. Ist die Allgemeinheit dann dafür verantwortlich?

Am 11.04.2014 hatte blog.stromhaltig  unter der Überschrift “Auch Speicher will gelernt sein” einen Beitrag über einen ganz speziellen Redispatch geschrieben. Frage: War dies ein Notfall? Wurden solche Fälle aus den Zahlen des BDEW herausgerechnet? Laut Presseinformation wird auf die Gesamtarbeit 2015 geschaut. Hier im Blog ist man auf eine etwas andere Zahl gekommen,  was aber nicht weiter schlimm ist. Die Frage ist viel eher, wo die Not tatsächlich besteht.

Dezentrale Stromerzeugung – Gescheitert?

Der BDEW zeigt in seiner Presseinformation nicht nur, wie man das Normal der “Industrialisierung” plötzlich zum Notfall umdefinieren kann, sondern auch, wie gescheitert eigentlich der Gedanke einer dezentralen Stromerzeugung ist.

Wenn mein Nachbar eine Solaranlage auf dem Dach hat, deren Überschüsse in das Stromnetz eingespeist werden, diese dann von mir abgenommen werden, dann benötigt man dafür keinen Redispatch. Solche bedauerlichen Einzelfälle treten in Deutschland auch an bewölkten Tagen etwa 1,2 Millionen mal auf. Wenn das Windrad auf dem Feld der Nachbargemeinde in der Nacht dreht, dieser Strom bei mir dafür sorgt, dass Kühlschrank und Telefon weiter ihre Dienste verrichten, dann benötigt dies auch keinen Redispatch. In der Logik des BDEW: Es liegen keine Notfälle vor :)

Es mag vielleicht für den einen oder anderen schockierend sein, aber die Netzverluste zeigen, dass der Strom immer kürzere Wege zurücklegt. Nicht mehr das entfernte Atomkraftwerk macht die Fernseher hell, sondern lokal erzeugter Strom. Die Redispatches heute dienen nur dazu, dass veraltete Kraftwerke nicht (ohne Entschädigung) gedrosselt werden.

Fazit

Im Jahre 2016 lässt der BDEW außer acht, dass die Stromkunden nicht die Verursacher sind, sondern die Presseinformationen und die Arbeit der Mitglieder des Branchenverbandes, welches die Redispatches verursachen und die Kosten in die Höhe treiben lassen.

 

]]> https://blog.stromhaltig.de/2016/01/kommentar-bdew-zeigt-am-beispiel-der-erstattung-von-redispatchkosten-wie-man-die-fehler-der-vergangenheit-vergoldet/feed/ 0 Anlagenstammdaten: Verschiedene Arten das Bundesdatenschutzgesetzes umzusetzen https://blog.stromhaltig.de/2016/01/anlagenstammdaten-verschiedene-arten-das-bundesdatenschutzgesetzes-umzusetzen/ https://blog.stromhaltig.de/2016/01/anlagenstammdaten-verschiedene-arten-das-bundesdatenschutzgesetzes-umzusetzen/#comments Wed, 27 Jan 2016 01:02:10 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9603 Weiterlesen ]]> Das Bundesdatenschutzgesetz ist ein recht umfangreiches Werk. Es gibt Leitlinien vor, welche Daten von Bürgern unbedingt zu schützen sind, und welche frei verfügbar sein dürfen. Vor der Verschärfung konnte man zum Beispiel für jede EEG-Anlage genau herausfinden, welche Einnahmen der Anlagenbetreiber (wahrscheinlich) zu versteuern hat. Veröffentlicht wurde im entsprechenden Register die Straße, Anlagengröße, Erzeugung, Drosselung usw… . Mittlerweile sind diese Datenbestände nicht mehr frei abrufbar. Der Übetragungsnetzbetreiber TransnetBW schreibt zum Beispiel auf seiner Seite:

Die bisherige Veröffentlichung der Stamm- und Bewegungsdaten musste zur Wahrung der Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) formal und inhaltlich angepasst werden. Hierzu war es erforderlich, die vollständigen Anlagenstamm- und Bewegungsdaten unter Angabe eines anonymisierten Anlagenschlüssels zu veröffentlichen.

Sehr löblich! Mit etwas Googeln findet man allerdings auch noch.

Wir lernen: Das Netz vergisst eben doch nicht.

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Plan 2016 – Geringfügig weniger Last im Stromnetz erwartet https://blog.stromhaltig.de/2016/01/plan-2016-geringfuegig-weniger-last-im-stromnetz-erwartet/ https://blog.stromhaltig.de/2016/01/plan-2016-geringfuegig-weniger-last-im-stromnetz-erwartet/#comments Wed, 27 Jan 2016 00:42:49 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9599 Weiterlesen ]]> Zum Ende eines jeden Kalenderjahres wird der grobe Fahrplan für die nationalen Stromnetze erstellt. Zwei wichtige Kenngrößen ist dabei die erwartete minimale und maximale Last. Zum 22.12.2015 haben die Netzbetreiber in Deutschland diese Zahlen gemeldet. Ein Blick darauf verrät, dass die Betreiber von einem leichten Rückgang der Netzlast ausgehen. Ansonsten ist der Verlauf  über die Jahreszeiten, wie zu erwarten.

Lastverlauf (Plan) 2015/2016 - Interaktive Grafik durch Anklicken
Lastverlauf (Plan) 2015/2016

Hatte man im Jahre 2015 noch mit einer Spitzenlast in der Kalenderwoche 6 gerechnet, so erwartet man den Zeitpunkt der höchsten Netzlast in diesem Jahr in der Kalenderwoche 49. Die geringste (geplante) Last 2015 war wie auch dieses Jahr in der  Kalenderwoche 24  (2015:36.123 MW, 2016:35.895 MW) . Gerade an diesem Zahlenpaar sieht man, dass die Betreiber des Stromnetzes insgesamt von einer geringeren Last in diesem Jahr ausgehen.

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Keine Angst vor fehlendem Datenschutz bei Smart-Metern – Verteilnetzbetreiber können einfach nicht… https://blog.stromhaltig.de/2016/01/keine-angst-vor-fehlendem-datenschutz-bei-smart-metern-verteilnetzbetreiber-koennen-einfach-nicht/ https://blog.stromhaltig.de/2016/01/keine-angst-vor-fehlendem-datenschutz-bei-smart-metern-verteilnetzbetreiber-koennen-einfach-nicht/#comments Mon, 25 Jan 2016 10:48:29 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9593 Weiterlesen ]]> Groß ist die Angst, dass die Gewohnheiten und Gepflogenheiten in der geschützten Privatsphäre der eigenen Vier-Wände in fremde Hände gelangt. Durch den Zwang zum Einbau von sogenannten Smart-Metern sehen Verbraucherschützer (zurecht) eine Gefahr. Doch wie das Beispiel des Verteilnetzbetreibers Syna GmbH (100% Tochter der Süwag) zeigt, braucht man wirklich keine Angst haben, dass eine Digitalisierung der Energiewende in den kommenden Jahren zur Realität werden könnte. “Daher können Ihre Zählerstände … nicht weiter bearbeitet werden” - also auch nicht, um damit irgend etwas ungewünschtes anzustellen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass wenn die Daten nicht für ungewünschte Zwecke verwendet werden können, dann können sie auch nicht für gewünschte Zwecke einen Nutzen bringen.

Mit der Digitalisierung der Energiewende ist es im Jahre 2016 noch nicht weit vorweg gegangen worden. In der Niederspannung, an der die ganzen privaten Haushalte in Deutschland angeschlossen sind herrscht digitale Steinzeit – nicht nur bei der Syna. Die Folge ist, dass man überhaupt nicht weiß,  wie das System “Stromversorgung” überhaupt tickt. Welche Wechselwirkungen bestehen und an welcher Stelle es kritisch für die Versorgungssicherheit wird.  Die Netzbetreiber arbeiten heute noch mit Methoden, welche zu Zeiten der Liberalisierung und des Unbundlings vor über 10 Jahren, bereits veraltet gewesen sind.

Von Seiten des Bundes Wirtschaftsministerium wird der Einbau von Smart-Metern forciert, da man der Annahme ist, wenn mehr Messwerte vorhanden sind, dann könne man auch die Netze besser betreiben. Es erscheint logisch, wenn von der Politik angenommen wird, dass bei bekanntem Stromverbrauch von gestern, man hinreichend genau ermitteln kann, wie hoch wohl der Verbrauch heute sein wird. Mehr Daten = Bessere Prognosen. Heute werden die Verteilnetze noch auf Sicht geflogen.  Den Netzbetreibern liegt lediglich der Jahresverbrauch bis zur letzten Ablesung vor. Da auch in Verteilnetzen die Entnahme zu jeder Zeit gleich der Einspeisung sein sollte, wird mit Hilfe der Übergabepunkten zur nächst höheren Spannungsebene versucht eine Prognose zu erstellen. Die Kosten, die für Fehler in der Prognose entstehen, trägt ohnehin der Stromkunde mit seinen Netzentgelten. Das Risiko, wenn das Netz in einem ungewünschten Zustand kommt, wird indirekt auch gewälzt.

Es ist zu befürchten, dass auch mit Smart-Metern die Netzbetreiber die dadurch erhobenen Daten nicht in die Versorgungssicherheit einfließen lassen. Auf Anfrage teilt die Syna mit:

Mit ca. einer Millionen Entnahmestellen sind wir im Massengeschäft unterwegs und halten uns an aktuelle Gesetzte und Verordnungen. Dabei agieren wir diskriminierungsfrei.
In der IT-Landschaft der Syna GmbH sind Standardprozess für das Massengeschäfte abgebildet.

Standardprozesse und Massengeschäft – keine Rede von der Nutzung der Daten in der IT-Landschaft für den Netzbetrieb. Man müsste eigentlich annehmen, dass dies die Hauptaufgabe eines Netzbetreibers ist. Würde man die Daten nutzen, so hätte man festgestellt, dass im Jahre 2015 ein stetiger Anstieg des Spannungsniveaus in der Nacht stattgefunden hat, welches sich nun bedenklich nahe an den zulässigen Grenzwerten befindet.

Erschreckend ist, dass die Technik, die wir heute als Smart Meter bezeichnen, nicht neu ist und bereits tausendfach in Deutschland verbaut wurde.  Dazu der Verteilnetzbetreiber Syna:

“Hier stimmen wir Ihnen zu, dass es Hersteller gibt, deren Geräte eine ZSG-Messung vorsehen. Obwohl nähere Anforderungen an Funktionalität und Ausstattung von Messsystemen noch vom Gesetz- und Verordnungsgeber ausgestaltet werden müssen. Zudem wird erst im „Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende“ die  Durchführung einer Zählerstandsgangmessung für bestimmte Kundengruppen weiter konkretisiert. Wie die Folgeprozesse abzuwickeln sind,  ist derzeit nicht eindeutig geklärt. “

Entweder man weiß tatsächlich nicht, was die Daten der Smart-Meter mit dem Netzbetrieb zu tuen haben – vielleicht bringt ja ein Gesetz die innovative Erleuchtung? – oder man baut schon heute vor, dass man nach dem Gesetz (=Verpflichtung) die Hand für mehr Geld offen halten kann. Was soll das alles kosten, wenn wir unsere IT-Landschaft umbauen müssen?

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Engpass 2015: Erstmals Offshore Windenergie sichtbar https://blog.stromhaltig.de/2016/01/engpass-2015-erstmals-offshore-windenergie-sichtbar/ https://blog.stromhaltig.de/2016/01/engpass-2015-erstmals-offshore-windenergie-sichtbar/#comments Fri, 22 Jan 2016 00:44:19 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9586 Weiterlesen ]]> Der Stromhandel könnte so schön sein, gäbe es nicht die Netze, über die verkaufte Strommengen auch  transportiert werden müssen. Kann die durch den Handel geplante Lieferung von Erzeugung zum Verbraucher nicht durch die Netze abgebildet werden, so müssen die Übertragungsnetzbetreiber einen sogenannten Redispatch (=Umverteilung) durchführen. Im Jahre 2015 wurden 1208 GWh Strom vorbei an Markt, Angebot und Nachfrage neu verteilt. Alle Einwohner von Hannover hätten damit versorgt werden können. Dieser Spaß ist nicht günstig, im Mittel kostete der Markteingriff mehr als das Doppelte vom Börsenpreis und wird hauptsächlich durch die Vollzahler-Stromkunden getragen. Auch 2015  ist der Hauptkostentreiber die Stromerzeugung der ostdeutschen Braunkohlekraftwerke, jedoch entsteht an der Ostseeküste bei Rostock gerade ein neuer “Hotspot”, welcher auf das Konto der Offshore-Stromerzeugung geht. Die Verursacher bei Braunkohle und Offshore Wind können sich dem Zuspruch des Wirtschaftsministeriums sicher sein.

Redispatch Hotspots 2015
Redispatch Hotspots 2015

Der Handel von Strom an den Börsen kann man sich wie eine Auktion bei Ebay vorstellen, bei der man ein Produkt (zum Beispiel LCD Fernseher zum Schnäppchenpreis) anbietet, dann aber wegen fehlender Straßenverbindung nicht an den Kunden liefern muss. Der Netzbetreiber ist dabei die Autobahnpolizei, die feststellt, wenn zu viele LCD-Fernseher gleichzeitig transportiert werden müssen. Der Verkäufer wird dann angewiesen weniger LCD Fernsehr zu verschicken, stattdessen liefert ein anderer Händler, der näher am Kunde ist. Ursprünglicher Verkäufer und Käufer werden natürlich entschädigt, was letztendlich der Kunde irgendwie zahlen muss. Stromkunden in Deutschland zahlen für Redispatches mit ihren Netzentgelten.

Im Jahre 2015 war auch das Thema Netzentwicklungsplan auf der Tagesordnung. Wir erinnern uns an die Bayrische Blockadehaltung, wenn es darum geht neue Trassen in den Freistaat zu ziehen. Schaut man auf die Redispatch Karte für Deutschland, so stellt man fest, dass man in Bayern sehr gut beraten ist, wenn man sich am besten fern hält. Zumindest die Stromkunden sind dankbar, denn sie zahlen deutlich geringere Netzentgelte wie die Stromkunden in anderen Bundesländern.

]]> https://blog.stromhaltig.de/2016/01/engpass-2015-erstmals-offshore-windenergie-sichtbar/feed/ 1 Strommix 2015: 31,8% aus Erneuerbaren https://blog.stromhaltig.de/2016/01/strommix-2015-318-aus-erneuerbaren/ https://blog.stromhaltig.de/2016/01/strommix-2015-318-aus-erneuerbaren/#comments Wed, 13 Jan 2016 00:43:42 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9582 Weiterlesen ]]> Nach den vorläufigen Zahlen der Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland hat die Stromerzeugung aus Erneuerbaren im Jahre 2015 einen Anteil von fast 32% erreicht. Bei einer EEG-Umlage von 6,17 Cent im letzten Jahr und einem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 25 Cent haben die privaten Stromkunden erstmals anteilig weniger für die Erneuerbaren bezahlt, als sie mengenmäßig geliefert bekommen haben. Wie die täglichen Zahlen von grid.stromhaltig  zeigen, dürfte auch 2016 mit ähnlichen Ergebnissen zu rechnen sein.

Für das gesamte Jahr 2015 wurden bislang  557.289 Terra-Watt-Stunden Strom an Letztverbraucher geliefert. Darin enthalten waren laut Bilanzierung  177.665 TWh Strom aus den Erneuerbaren-Quellen (Biomasse, Solar, Wind On/Offshore, Geothermie und Laufwasser).

Aktualisierte Werte für einzelne Orte in Deutschland können dem Strommix-Navigator entnommen werden.

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Strom 2016: Netzbetreiber und EDV der Stromversorgung https://blog.stromhaltig.de/2016/01/strom-2016-netzbetreiber-und-edv-der-stromversorgung/ https://blog.stromhaltig.de/2016/01/strom-2016-netzbetreiber-und-edv-der-stromversorgung/#comments Mon, 11 Jan 2016 10:02:38 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9578 Weiterlesen ]]> Das letzte Jahr brachte bei blog.stromhaltig besonders das Thema Strommarkt und Braunkohlevertrstromung zum Vorschein. Am Ende des Jahres kam dann die Serie Smarte Verunsicherung, welche etwas Hintergründe zur Sicherheit hinter den Smart-Homes und den Smart-Grids bringen sollte.

Was erwartet uns im Jahre 2016? Welche Richtung nimmt die Stromwende in Deutschland?

“Netzbetreiber kassieren oft überhöhte Entgelte”  lautet der Titel des Beitrages bei WISO am 11.01.2016. Für das Stromnetz müssen die Bürger immer tiefer in die Tasche greifen. Ein Grund dürfte der Fokus auf die Erzeugung von Strom in den letzten 10 Jahren sein. Die Kosten der Stromlogistik unterliegen zwar der ständigen Aufsicht der Bundesnetzagentur, jedoch ist Energiewende ein Thema, welches politisch am Ausbau der Erneuerbaren festgemacht wird. Das Smart-Grid als notwendiges Übel, welches es uns erlauben soll, intelligenter das Stromnetz zu betreiben – kosten darf es eigentlich nichts.  Im November 2015 wurde an dieser Stelle berichtet, dass die Kosten für Systemdienstleistungen auf Rekordtief sind, dass sind die Kosten der Netzbetreiber. Die einstigen “4 Großen” haben auf der Seite der Erzeugung eine Erosion hinter sich, die nun mit aller Kraft aus den Netzen überkompensiert werden muss. Der Pressesprecher der Bundesnetzagentur gegenüber WISO:

 ”Es gibt einen allgemeinen Verdacht, dass Erlösobergrenzen überhöht sein können.”

Der Handel mit elektrischer Energie am Strommarkt 1.0, 2.0 oder 3.0 wird von den Kosten der Stromerzeugung getrieben. Er fördert jedoch, dass die Kosten des Transportes und Verteilung für die Stromkunden stetig ansteigen. Im Rahmen des Hybridstrommarktes kam daher die klare Forderung, dass die Abrechnung dieses Kostenblocks mehr an die Verursacher ausgerichtet werden muss (vergl. Kosten der Stromlogistik).  Gerade die Kleinverbraucher (Privat Haushalte, Kleinunternehmen) haben in den vergangenen Jahren einen steigenden Betrag für Umspannung und Netzausbau ausgegeben, obwohl sie von <1% (2000) auf >30% (2015) den Strom aus unmittelbarer Nachbarschaft beziehen.  Mit den Stichworten Luxusproblem – Fusion der Übertragungsnetzbetreiber wurden bereits erste Ansätze vorgestellt, wie Betriebskosten nachhaltig gesenkt werden können.

Eine Optimierung der Rechtslage zum Unwohle des Kunden hat sich beim Netzbetrieb breit gemacht:

“Wir haben Ihr Anliegen geprüft, müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass bei der XYZ GmbH kein Prozess der Zählerstandsgangmessung implementiert ist. Eine genauer Prozessbeschreibung mit Rechten und Pflichten der beteiligten Marktpartner liegt nicht vor. Es ist unter anderem unklar, ob die Netznutzung nach SLP-, RLM- oder anderen Preisen berechnet werden muss.Aktuell ist das Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende in der Konsultation. Hier ist ebenfalls die Rede von  Zählerstandsgangmessung. Vermutlich kann nach Inkrafttreten von diesem und Anpassungen an der GPKE/GeliGas sowie der MaBiS eine Umsetzung in frühestens 1 – 2 Jahren erfolgen.”

Es ist die EDV, die IT, die Prozesse in den Computern der Netzbetreiber, welche heute noch in der Steinzeit leben. Im Zuge der sogenannten Digitalisierung der Energiewende gibt es viele Baustellen, die aber zunächst den Ist-Stand berücksichtigen müssen. Fakt ist leider, dass die Daten über das Stromnetz in Deutschland unzureichend, fehlerbehaftet und veraltet sind. Soll die Digitalisierung der Stromwende funktionieren, so muss deutlich smarter werden, was bislang over-engineered dem Kunden untergeschoben wurde. Das Bilanzkreismanagement im Internet der Dinge braucht neue Ansätze, wie sie zum Beispiel mit dem Clearing bei Punkt-zu-Punkt Stromlieferungen vorgestellt wurden.

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Schweiz: Furcht vor Versorgungslücke im Stromnetz durch Klimawandel https://blog.stromhaltig.de/2015/12/schweiz-furcht-vor-versorgungsluecke-im-stromnetz-durch-klimawandel/ https://blog.stromhaltig.de/2015/12/schweiz-furcht-vor-versorgungsluecke-im-stromnetz-durch-klimawandel/#comments Tue, 22 Dec 2015 01:11:44 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=9570 Weiterlesen ]]> Am vergangenen Donnerstag traf sich die Arbeitsgruppe Winter 2015/2016 zu ihrem zweiten Treffen in Bern. Nur knapp eine Woche nach der ersten Sitzung, war das Lagebild, welches vom Schweizer Netzbetreiber Swissgrid gezeichnet wurde beängstigend. Im Vorfeld wurden die Vorschläge der Branche, gesichtet und der Bundesstab informiert. Bei der Ursache für die plötzliche Knappheit an Strom können viele gefunden werden. Akut ist der Klimawandel jedoch bei den Eidgenossen der wichtigste Verursacher, der sich auch mit einem ganzen Bündel an Notmaßnahmen nicht aufhalten lässt. Die Schweiz muss ihre Infrastruktur an die Gegebenheiten anpassen. Die Arbeitsgruppe macht dies sehr deutlich.

In der Präsentation, die Swissgrid den Mitgliedern vorstellt werden eine Reihe von Maßnahmen benannt, die zur Minderung der Akutsituation beitragen sollen. Die ersten davon wurden bereits im Vorfeld zur Sitzung umgesetzt.

  • Grösserer Preisbereich im Falle von Knappheitssituationen
    Erhöhung Preis-Cap für Tertiärregelenergie (TRE) von 3’000 auf 9‘999,99 €/MWh
  • KW Illwerke können für Redispatch Massnahmen genutzt werden
    Entspannung Netzsituation Nordostschweiz
  • Stabilisierung des Netzes als Reaktion auf die angespannte Netzsituation
    Anpassung Instandhaltungsplanung an aktuelle Netzsituation

Wie ist es zu dieser Situation gekommen?

Auf Seite 13 der verlinkten Präsentation findet sich ein Zwischenfazit. Dieses zeigt, dass die bereits umgesetzten Maßnahmen ihre Wirkung entfalten, jedoch die Ursachen nicht lösen.

 … Vergrösserung der Abweichung der Füllstande Speicherseen zum langjährigen Median

… Wetterlage weiterhin ungünstig für Wasserkraft (zu trocken) …

… Nagelprobe steht bei der nächsten Kälteperiode noch bevor (vor allem in FR) …

… Weitere Anstrengungen sind erforderlich, um für alle möglichen Szenarien (Kältewelle, Winterstürme, Kraftwerksausfälle, etc.) gerüstet zu sein …

Die Wasserkraft spielt traditionell in der Schweiz eine sehr hohe Rolle. Im Gegensatz dazu spielen andere Erneuerbare Energiequellen im Strommix eher eine untergeordnete Rolle. Photovoltaik oder Windkraft ist deutlich geringer ausgebaut als in Deutschland. Prekär wird die Situation, da man die Wechselwirkung der verschiedenen Erzeugungsarten gerne auch in Deutschland nutzt um den europäischen Strommarkt weiter voran zu bringen.

EU EnergieUnion

Unterschiedliches Verständnis per Übersetzung
Unterschiedliches Verständnis per Übersetzung

Kaum jemand wird sich die Mühe machen, die Übersetzungen in beiden Sprachen zu lesen. Auf Twitter hatte Jerabek Jiri dieses Fundstück veröffentlicht und dazu kommentiert:

“The German, Dutch, Swedish and Danish translations say no money for nuclear, rest of languages say the opposite”

Diese kleinen Unstimmigkeiten in der Kommunikation werden zwar die Lage in der Schweiz auch nicht ändern, können allerdings ein Indiz sein, dass es zukünftig in ganz Europa beim Thema Versorgungssicherheit per Lobbyeinfluss zu sehr vielen Verständnisschwierigkeiten kommen wird.

Das Britische The House of Lords ging in der vergangenen Woche mit ihrer Forderung zur EnergieUnion bereits in die nächste Deutungsrunde.

… notes that the EU-wide binding renewables target of at least 27% by 2030 has been agreed with the intention of increasing the diversity of supply and reducing the EU’s dependency on imported and domestic fossil fuels. But without an effective, transparent, accountable, and legitimate governance mechanism, the significance of the target is considerably diminished, the incentive to Member States to be ambitious is weakened, and any prospect of achieving the overall objective is jeopardised…

Diese zwei “Kleinigkeiten” können zwar den Bürgern in der Schweiz egal sein, zeigen aber, dass man immer noch im “Theater für den Bürger” Modus agiert, anstelle endlich zusammen an Lösungen zu Arbeiten. Kleinstaaterei gepaart mit Renditeoptimierung.

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