blog.stromhaltig https://blog.stromhaltig.de Damit der Strom der aus der Steckdose kommt ein bisschen nachhaltiger ist. Sat, 25 Oct 2014 07:36:38 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.8.4 Gerechte Verteilung von Infrastrukturkosten – Netzentgelte https://blog.stromhaltig.de/2014/10/gerechte-verteilung-von-infrastrukturkosten-netzentgelte/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/gerechte-verteilung-von-infrastrukturkosten-netzentgelte/#comments Sat, 25 Oct 2014 07:36:38 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=6917 Bereits im Juni dieses Jahres hatte der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann eine Steigerung der Netzentgelte für Eigenstromer gefordert (blog.stromhaltig berichtete). Nach der dürftigen Reduktion der EEG-Umlage fühlen sich jetzt auch viele Interessenvertreter alarmiert, dass in Sachen Letztverbrauchspreis etwas geschehen muss.

Ist die Infrastrukturumlage bereits beschlossen?

Fast 90% der Kosten auf der Stromrechnung eines Letztverbrauchers sind variable, d.h. sie hängen unmittelbar mit der verbrauchten Menge an elektrischer Energie zusammen. Mit dieser Praxis ergibt sich für die Netzbetreiber ein Dilemma, denn optimierter Strombezug und damit rückläufige Verbrauchsmengen (vergl. Deutschland verbraucht immer weniger Strom), lässt sich nicht mehr mit Schönrechnen wegdiskutieren.

Bittere Wahrheit: Sparen schadet der Infrastruktur

Wird weniger Strom verbraucht, nehmen die Netzbetreiber weniger Geld ein. Infrastrukturkomponenten wie Leitungen, Trafos und Umspannwerke altern immer gleich schnell – unabhängig davon, wie viel Strom dadurch zum Letztverbraucher transportiert wurde. Die in der Buchhaltung übliche Praxis der Abschreibung über die Lebzeit passt sehr gut – folgen die Einnahmen allerdings nicht parallel, so klafft irgendwann eine Lücke zwischen dem benötigten Verbrauch und dem tatsächlichen Verbrauch.

Im Spätjahr 2014 ist der Beginn einer Umwälzung erkennbar, welche  zunächst durch einen spürbaren Anstieg der Netzentgelte erkennbar ist. Auf Kurz oder Lang wird wohl eine fixe Infrastrukturumlage kommen, die unabhängig von der Verbrauchten Strommenge ist.

Der Strom-Soli

“Die Wettbewerbsverzerrung bei den Stromkosten bekommt jetzt eine neue Dimension: Betriebe aus der Region Südwestfalen haben es demnächst nicht nur schwer, mit Betrieben aus Nachbarstaaten wie z.B. Frankreich oder Polen zu konkurrieren. Bei den Stromkosten haben jetzt auch noch Betriebe aus anderen Regionen Deutschlands die Nase vorn.”  (WSM Hauptgeschäftsführer Christian Vietmeyer gegenüber dem Verlag Proteus Solutions)

Über 600 verschiedene Verteilnetze gibt es in Deutschland, ein Flickenteppich, bei dem zwar einige Netze durch den gleichen Netzbetreiber betrieben werden, jedoch durch eine Rekommunalisierung immer mehr zu Inseln werden. 

Die 4 Übertragungsnetze liegen darüber wie lose Wasserstraßen. Verteilnetzbetreibern wird aktuell eine Eigenkapitalrendite von 9% zugestanden – geht der Stromverbrauch zurück, gehen die Netzentgelte in diesem Netz hoch, damit die Rendite gleich bleibt. Transferzahlungen für Gebiete, die vom Investitionswillen benachteiligt  wurden, gibt es nicht. Die Stromnetzperle in Berlin hat mit einem Netz in Südwestfalen nichts zu tun.

Ein Strom-Soli wird es wohl früher oder später geben, damit veraltete Infrastruktur nicht einem wirtschaftliches Genickschlag zum Opfer fällt.

Nichts mit Energiewende

In Richtung der Energiewende zu schauen und den Umbau der Verteilnetze in den Bereich der Folgekosten von Strom aus Wind -und Solaranlagen zu stecken, ist eine Verdrehung der Tatsachen. Sargträger der Energiewende reden heute von Netzdienlichkeit, wenn in Wirklichkeit von zu geringen Investitionen in den vergangenen Jahrzehnten in das Stromnetz gesprochen werden kann. Wie ein AKW einem Verteilnetz in Südwestfalen dienlich sein kann, sollte gerne einmal geschrieben werden. Kostenverlagerung von den Betriebskosten zu Erzeugungskosten sind wohl treffender.

Rendite via Infrastrukturumlage

Kommt als nächste Stufe der Netzentgelte eine zentrale Infrastrukturumlage, dann ist die 9% Eigenkapitalrendite auch in Zukunft gesichert. Ohne Risiko steht Topf zur Verfügung. Auf eine Umlage mehr oder weniger kommt es auf der Stromrechnung nicht mehr an. Das trifft den Gewerbebetrieb – wie auch den privaten Stromkunden.

Die ideale Lösung wird wohl eine vollständige Umgestaltung der Tarifierung des Strombezugs. Die heutigen Produkte sind zu weit von den tatsächlich zu lösenden Problem entfernt.

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Deutschland – Einig Zweistromland? https://blog.stromhaltig.de/2014/10/deutschland-einig-zweistromland/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/deutschland-einig-zweistromland/#comments Thu, 23 Oct 2014 11:01:55 +0000 https://blog.stromhaltig.de/?p=6903

“Statt neue Leitungen von Nord nach Süd zu bauen, könnte der Strommarkt geteilt werden. Das hätte viele Vorteile.” (Malte Kreutzfeldt bei TAZ)

… und würde den Stromhändlern überhaupt nicht gefallen.

Leistung je Einwohner (Jahresmittel in kWh)

Leistung je Einwohner (Jahresmittel in kWh)

Der Stromerzeugungsatlas 2014  gibt Aufschluss darüber, wie viel Kapazitäten zur Erzeugung von Strom je Bundesbürger eingespeist werden. Wird zusätzlich noch die Art der Kraftwerke betrachtet und ihre Volllaststunden, so ergibt sich ein Bild, bei dem Bayern und Baden-Würtemberg zwar keinen Spitzenplatz einnehmen, jedoch auch keine Schlußlichter sind.

Der Ministerpräsident Seehofer aus Bayern ist bekannt für seine Basta-Mentalität. Eine Entscheidung zum Trassenbau soll es erst im Jahre 2015 geben, wenn der Bedarf vollständig ermittelt wurde, so der BR. Hängt sich der Freistaat selbst von der Zivilisation ab? Oder forciert er sogar die Aufspaltung der Strommärkte in einen Nord-Preis und Süd-Preis?

Letzteres wird es kaum geben, denn Stromhändler wollen einen Markt haben, der eine möglichst große geographische Ausdehnung besitzt. Es wird von einer Kupferplatte gesprochen, die einen Idealzustand darstellt, bei dem es egal ist, wo man den Strom erzeugt und wo er entnommen wird. Das dies nicht der physikalischen Realität entspricht, ist klar.

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Spielkind entdeckt Smappee – Ein Gastbeitrag https://blog.stromhaltig.de/2014/10/6897/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/6897/#comments Thu, 23 Oct 2014 07:18:02 +0000 http://blog.stromhaltig.de/?p=6897 Hallo. Ich bin Sven, 32 Jahre alt und ich bin ein Spielkind. Gerade im Bezug auf  „irgendwas mit dem iPhone steuern / überwachen“ bin ich recht schnell zu  begeistern. Die Musik im Haus wird per Sonos verteilt, die Lichter über Hue  gesteuert, Filme und Serien werden per XBMC geschaut und die  Überwachungskamera meldet sich bei ungewöhnlichen Bewegungen per Push  Benachrichtigungen. Das iPhone als „Universal-Remote“ ist somit das Ziel. Daher war auch mein Interesse an Smappee recht schnell geweckt, als mir ein
Kollege von diesem System erzählte.

Zuerst schreckt natürlich der doch recht hohe Preis etwas ab. Aber letztendlich ist es wie immer bei dem technischen Spieltrieb:
Die Neugierde siegt.

Mit dem Thema „Strom“ hatte ich mich bisher zweimal pro Jahr beschäftigt: Einmal  beim Ablesen des aktuellen Verbrauchs und einmal beim begleichen der Nachzahlung. Darüber hinaus bin ich auf diesem Gebiet recht wenig bewandert.

Gerade dies hat die Entscheidung für Smappee noch etwas einfacher gemacht, da ich doch gern einmal sehen wollte, wo denn der ganze Strom im Haushalt verbraucht wird. Smappee selbst gibt auf der Website an, dass sich die Anschaffung nach zwei Jahren amortisiert haben soll. Davon gehe ich bei mir ehrlicher Weise nicht aus. Nur, weil ich weiß, wo der Strom verbraucht wird, werde ich ja nicht automatisch den Verbrauch reduzieren. Zumal bei uns einige Geräte aus Bequemlichkeit und dem bereits erwähnten technischen Spieltrieb heraus laufen, die man aus Einspargründen sicherlich auch abschalten könnte. Aber diesen kleinen Luxus gönne ich mir dann bewusst.

Über die Smappee Installation an sich ist an anderen Stellen bereits ausführlich  geschrieben worden. Abgesehen von kleineren Problemen mit einer zu schwachen WLAN Verbindung ist die eigentliche Installation recht einfach gewesen. Danach war erst einmal Geduld gefragt, da Smappee die Geräte über einen längeren Zeitraum erlernt. Es ist momentan bei mir ein wenig wie bei Kindern mit dem Adventskalender:

Man steht jeden Tag auf und freut sich darauf, die App zu öffnen und zu schauen, welche Geräte neu erkannt wurden. Allerdings zeigt Smappee auch erste Schwächen, welche die Freude am Gesamtsystem etwas trüben. Zum Beispiel haben scheinbar die Lampen im Badezimmer und die im Büro den selben „Strom-Fingerabdruck“. Smappee kann derzeit bei mir nicht unterscheiden, ob ich nun im Badezimmer das Licht  eingeschaltet habe oder im Büro. Genauso verhält es sich mit dem Kinderzimmer und dem Gästebad. Beides wird als der gleiche Raum erkannt. Alle Räume haben unterschiedliche Lampensysteme, aber jeweils nahezu den gleichen Verbrauch.

Die App selbst ist schon recht informativ, ist aber hier und da nicht ganz so intuitiv, wie man es sich wünschen würde. Auch einige Übersetzungen passen noch nicht so ganz in die dafür vorgesehenen Felder.  Im ersten Entwurf dieses Beitrags kam jetzt eigentlich ein Abschnitt über das weitere Entwicklungspotential von Smappee mit dem besonderen Augenmerk auf einer Einbindung des ifttt.com Dienstes. Allerdings war Smappee hier etwas schneller als
ich, da diese Funktion jetzt implementiert wurde. Somit lässt sich das eigene Smappee System als ifttt.com Kanal definieren und als solcher in den Rezepten verwendet werden. Neben simplen Rezepten wie „Sende mir eine Email, wenn Gerät X eingeschaltet wird“ sind auch weitaus komplexere Varianten möglich, welche vor
allem von den aktivierten Kanälen abhängen. Aber trotz der nun erfolgten Einbindung von ifttt.com bleibt genügend Entwicklungspotential vorhanden um auch in Zukunft interessante Neuerungen anbieten zu können. Hierzu zählen auch schon
kleine Verbesserungen in der App, wie beispielsweise eine Gruppenfunktion in welcher man Räume definieren kann. (z.B. „zeigt mir den Verbrauch von allen Geräten in der Küche“)

Generell eignet sich Smappee schon recht gut, den typischen Strom-Konsumenten (als solchen sehe ich mich) etwas näher an die Materie heran zu führen. Es ist durchaus interessant, ein Gefühl dafür zu bekommen, was einzelne Geräte verbrauchen. Letztendlich kann dies auch bei mir zu Einsparungen führen, obwohl dies, wie eingangs erwähnt, nicht das primäre Ziel ist. Aber wenn sich Energie
sparen und Spieltrieb so schön vereinbaren lassen wie es bei Smappee der Fall ist, dann lohnt sich das System schon. Trotz der noch vorhandenen Kinderkrankheiten.

Gastbeitrag von Sven Kessler

Anmerkung der Redaktion

Sven hatte vor einigen Tagen hier im Blog die Beiträge zu Smappee gelesen und einen Kommentar verfasst. Beim lesen ist aufgefallen, dass er ebenfalls einen Blog betreibt, der sich dem Strommessgerät aus einer ganz anderen Richtung nähert.

An dieser Stelle ein Danke an Sven für den Beitrag – und eine Ermunterung an alle Leser, selbst ihre Erfahrungen mit Produkten, Themen, Standpunkten etc… an blog.stromhaltig zu senden.

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Ein paar Euro für einen Solar-Shop in Tansania https://blog.stromhaltig.de/2014/10/ein-paar-euro-fuer-einen-solar-shop-in-tansania/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/ein-paar-euro-fuer-einen-solar-shop-in-tansania/#comments Wed, 22 Oct 2014 20:44:52 +0000 http://blog.stromhaltig.de/?p=6893 Erhard Renz und blog.stromhaltig unterstützen regelmäßig Projekte in der ganzen Welt, die ohne sogenannte Micro-Kredite nicht möglich wären. Das Vorhaben der 32 Jahre alten Gloria ist die Erfüllung eines Traumes: Licht in das Dorf bringen.

Erreicht werden soll dieses Ziel durch den Shop für Solar-Panels und Zubehör, den sie eröffnen möchte. Das Projekt ist mittlerweile vollständig finanziert, allerdings gibt es noch über 80 weitere, die auf der Suche nach Investoren sind.

Alle Mikro-Kredite von blog.stromhaltig.

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Interessante Wende für die Kapazitätsmärkte – Baustelle Agora https://blog.stromhaltig.de/2014/10/interessante-wende-fuer-die-kapazitaetsmaerkte-baustelle-agora/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/interessante-wende-fuer-die-kapazitaetsmaerkte-baustelle-agora/#comments Tue, 21 Oct 2014 07:41:57 +0000 http://blog.stromhaltig.de/?p=6878 Kurz bevor ein Haus einstürzt, kommt meist der Architekt auf der Baustelle vorbei und erkennt, dass der Baugrund ungeeignet gewesen ist. Bei der Energiewende ist die Baustelle sehr groß, und einen Architekten gab es nicht. Vielmehr ist es das Ergebnis des Zusammenwirkens der Bürger und ihren Entscheidungen sowie Erfahrungen.  Der Baugrund ist gut! Sich selbst ernennende Architekten wollen dies nur nicht sehen.

Es ist zu viel so viel zu viel,
überall Reklame,
zuviel Brot und zuviel Spiel,
das Glück hat keinen Namen…
(aus “Stadt” – von Casandra Steen)

In der Mitte der Baustelle der Energiewende entsteht ein Marktplatz, im alten Griechenland auch Agora genannt. Hier soll das Zentrum der Macht liegen.

EB-Journalismus

Bei dem Design des Marktplatzes, der Agora für die Energiewende, hatte man ein Problem, denn der Platz wurde zu klein geplant. Heute werden in Deutschland zur Spitzenverbrauchszeit – in den Mittagsstunden – der Strombedarf von sehr vielen kleinen Erzeugungsanlagen gedeckt.

Zu klein der Platz, zu klein sind die Straßen, die den einzelnen Erzeugern erlauben würden,  am Treiben auf der Agora  der Energiewende mitzuwirken.

In dem Konzept ist nun vorgesehen, dass Erneuerbare-Energien-Anlagen künftig nicht mehr je produzierte Kilowattstunde Strom, sondern für die installierte betriebsbereite Kapazität vergütet werden. (Quelle: PV-Magazin)

Es waren 15-30 Sekunden Leseaufwand (die sich lohnen), um zu verstehen, wie man den Strom aus Erneuerbaren auch bis zum privaten Stromkunden bringen könnte.

Keiner weiß mehr wie er aussieht,
alle sind hier auf der Flucht.
Es muss doch auch anders gehen… (aus “Stadt”)

Wo liegt eigentlich diese Angst begraben? Der mündige Stromkunde, der sich selbst seine Kapazitäten anmietet, wie er es wünscht. Oder es eben auch sein lässt, wenn er es nicht wünscht oder braucht.

Ganz ehrlich: Egal wie Reformvorschläge oder Studien aussehen, wir hängen doch alle an der Nadel der Stromversorgung.

… ich gebe keine Antwort mehr auf die falschen Fragen.

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Mit Windkraft das Netz stabilisieren (und Geld sparen) https://blog.stromhaltig.de/2014/10/mit-windkraft-das-netz-stabilisieren-und-geld-sparen/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/mit-windkraft-das-netz-stabilisieren-und-geld-sparen/#comments Mon, 20 Oct 2014 07:18:38 +0000 http://blog.stromhaltig.de/?p=6872 Das Stromnetz kann nur dann stabil betrieben werden, wenn sämtliche Systemdienstleistungen ordentlich erbracht werden. Eine dieser Dienstleistungen ist die negative Sekundär-Regelleistung (NEG_SRL). Genutzt wird diese, wenn der Verbrauch geringer ist, als geplant und die Netzfrequenz dadurch erhöht (über 50 Herz) liegt. Anbieter mit Erzeugungseinrichtungen für Strom, die reduzieren können, erhalten dann Geld dafür, dass sie ihre Einspeisung zurückfahren.

In Baden-Württemberg hätte sich in den ersten beiden Wochen des Oktobers der Einstieg in das Geschäft mit NEG_SRL gelohnt. Fast 19% hätten allein durch Windkraft erbracht werden können.

Die Vergütung, die ein Anbieter für negative Regelleistung erhält, wird durch Auktion bestimmt. Dabei sind die Ergebnisse durchaus über den Beträgen, die sonst in der Direktvermarktung erzielt werden können.

Produktname Mittlerer Leistungspreis [€/MW] Grenzleistungspreis [€/MW]
NEG_HT 117,92 317,00
NEG_NT 222,70 622,00

(Quelle: Transparenz Seite der Übertragungsnetzbetreiber)

Baden-Württemberg 1.10.-15.10.2014

Nach Angaben des zuständigen Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW  wurden im genannten Zeitraum insgesamt 45.048 MWh abgerufen. Aus Windenergieanlagen stand zeitgleich (15 Minuten Werte)  8.418 MWh zur Verfügung (Quelle).

Dank moderner Fernwirktechnik haben Windenergieanlagen die Möglichkeit sehr kurzfristig aus dem Wind gedreht zu werden und so bei der Stabilisierung des Stromnetzes behilflich zu sein.  Der Stadtwerkeverbund Trianel hatte 2013 dies bereits getestet,  bei TransnetBW folgte für Baden-Württemberg im Juni 2014 ein Test.

Kritik

Man könnte nun argumentieren, dass es keinen Grund gibt, dass man Windkraftanlagen abschaltet, wenn zur gleichen Zeit ein Kohlekraftwerk weiter CO2 emittiert. Diese Argumentation ist allerdings grundlegend falsch, denn wie viel jedes Kraftwerk zu einem Zeitpunkt erzeugt ist abhängig vom Markt und dem geschätzten Verbrauch. Kein Stromlieferant würde mehr Strom einkaufen, als er tatsächlich an seine Kunden liefern kann (unwirtschaftlich). Es wird sogar versucht durch Optimierungen den Verbrauch besser zu schätzen und somit den Einkauf von zuviel Strom zu vermeiden. Stimmt Verbrauch und Prognose allerdings nicht überein, so muss der Verteilnetzbetreiber dafür negative Regelleistung einkaufen – und hat damit Kosten.

Die negative Sekundärregelleistung ist hingegen Frequenzgetriggert. D.h. der Markt – und damit der Fahrplan der Kraftwerke – ist zum Zeitpunkt des Abrufs bereits Vergangenheit.

Um noch ein Tupfen auf das i zu setzen. Theoretisch kann der Betreiber eines Windparks sowohl seine Erzeugung verkaufen, als auch im Moment des SRL-A brufs die Stromerzeugung reduzieren.

Nennen wir es freundlich: Doppelverdiener :)

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VIK: Jammern mit wenig Netzdienlichkeit https://blog.stromhaltig.de/2014/10/vik-jammern-mit-wenig-netzdienlichkeit/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/vik-jammern-mit-wenig-netzdienlichkeit/#comments Fri, 17 Oct 2014 07:20:45 +0000 http://blog.stromhaltig.de/?p=6865 Die EEG-Umlage für das kommende Jahr ist beschlossen. Im aktuellen Podcast von Energynet kann man nachhören, welche Auswirkungen dies für den privaten Stromkunden hat.  Auf den verschiedenen Social Media Kanälen kann man lesen, dass man sich über den geringen Rückgang bei gut gefüllter Kriegskasse wundert. Meldungen entstehen…

“EEG verdoppelt auch 2015 den Strompreis” (VIK)

… jagt der Verband, der sich selbst als die energiepolitische Stimme der Industrie in Deutschland bezeichnet über die Presseticker. Da braucht der private Stromkunde keine Ausnahmen für Spitzenverbraucher, um etwas neidisch zu werden.

Mit 61,7 Euro/MWh EEG-Umlage bleibt, nach der heutigen Veröffentlichung durch die Übertragungsnetzbetreiber, das EEG auch im kommenden Jahr der entscheidende Faktor für hohe Stromkosten. Für Mittelspannungskunden, die in der Regel mit der vollen EEG-Umlage belastet sind, entspricht die EEG-Umlage alleine etwa den Kosten, die der reine Strom und die Belieferung durch das Netz zusammen ausmachen, so der VIK, die Interessenvertretung industrieller und gewerblicher Stromkunden.

Umgerechnet auf den privaten Stromkunde steht hier geschrieben, dass die KiloWattstunde Strom von der Industrie für 2*6,17 Cent = 12,34 Cent ins Haus kommt. Darauf fallen eigentlich noch weitere Entgelte an:

ct/kWh
Erzeugung, Netz, EEG Umlage 12,34
Konzessionsabgabe 1,79
Stromsteuer 2,05
KWK Umlage 0,178
§19 Umlage 0,092
Offshore Umlage 0,25
Abschalt Umlage 0,009

Die 4,369 ct/kWh hatte man leider beim Verband übersehen. Macht nichts, unter dem Strich steht dennoch ein Strompreis von Netto 16,709 ct/kWh. Zum Vergleich zahlt der private Stromkunde in Deutschland 22,68 ct/kWh bei einem netzdienlichen Verbrauchsverhalten.

Stromhandel für die Industrie

Im Gegensatz zu den privaten Stromkunden, besitzen Industriekunden oft einen mehr oder weniger direkten Zugriff auf die Strombörse und können ihren Verbrauch von Preisveränderungen durch wetterabhängige Stromerzeugung abschöpfen.

netzfrequenzmessungEin Rätsel, welches schon länger bei blog.stromhaltig auftaucht, ist eine Anomalie in der Netzfrequenz. An den Stundengrenzen finden sich erkennbare Schwankungen, die durch Lastwechsel im Netz ausgelöst werden. Doch wieso kommt es zu den Lastwechseln, die das Stromnetz mit einer Regelmäßigkeit destabilisieren? Eine Grund könnten die Kraftwerke sein, die ihre Leistung verkaufen. Mehrere Kraftwerksbetreiber haben allerdings mittlerweile unabhängig bestätigt, dass es physikalisch nicht möglich ist ein Kraftwerk auf wenige Sekunden genau an/ab zu schalten. Die Börsenbetreiber fühlen sich auch unschuldig. Bleiben die Verbraucher.

Private Stromkunden ist es egal, wann sie die Geräte an bzw. abschalten. Schwanken jedoch die Preise im Stundentakt, so ist eine Optimierung der Energiekosten aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Deren energiepolitische Stimme  rechnet die Folgekosten der Destabilisierung, die letztendlich alle Stromkunden gemeinschaftlich durch ihre Netzentgelte zahlen, nicht mit ein:

Die Belastungssituation der Stromkunden bleibt grundsätzlich viel zu hoch. Eine erfolgreiche deutsche und europäische Energiewende darf auch im globalen Umfeld akzeptable Strompreise nicht aus dem Auge verlieren.”, Dr. Annette Loske, VIK-Hauptgeschäftsführerin.

Kaputter Markt

Das Stromnetz ist ein Gemeingut, welches allen angeschlossenen Verbrauchern zur Verfügung steht.  Wer Kosten im Betrieb verursacht wird durch das aktuelle Marktdesign belohnt. Wer Kosten einspart, der wird bestraft durch höhere Netzentgelte.

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Mit der Smappee dem Netzbetreiber auf die Finger schauen https://blog.stromhaltig.de/2014/10/mit-der-smappee-dem-netzbetreiber-auf-die-finger-schauen/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/mit-der-smappee-dem-netzbetreiber-auf-die-finger-schauen/#comments Thu, 16 Oct 2014 13:17:17 +0000 http://blog.stromhaltig.de/?p=6850 Im Beitrag zum Unboxing der Smappee hatte der Leser Funky in einem Kommentar erwähnt, dass man sehr viel weitere Informationen direkt von diesem Strommessgerät auslesen kann, als man in der API oder den offiziellen Apps findet.

Auf Basis einiger Beispiel Code Zeilen, soll gezeigt werden, wie man den CosPHI (Phasewinkel), die Blindleistung und die Spannung von einer Smappee auslesen kann. Werte, die vielleicht den ein oder anderen Netzbetreiber interessieren könnten.

Bei der Smappee läuft ein lokaler Jetty als Webserver, der ein Konfigurationsinterface ausliefert. In diesem Webinterface ist auch ein Data-Logger zugreifbar, der seine Berichte per JSON Objekt liefert.

http://[IPADR]/gateway/apipublic/reportInstantaneousValues

Im Objekt Report erhält man HTML-Code, den man parsen muss.

Zumindest bei der Firmware, die bei blog.stromhaltig verbaut ist, kann man diese URL ohne Passwortabfrage aufrufen. Bei der /smapee.html kann man sich mit “admin” anmelden…

Ausgabe

voltage=236.9 Vrms
FFTComponents:
Phase 1:
current=0.534 A, activePower=123.937 W, reactivePower=25.78 var, apparentPower=126.59 VA, cosfi=97, quadrant=0, phaseshift=0.0, phaseDiff=0.0
FFTComponents:
Phase 2:
current=0.376 A, activePower=81.192 W, reactivePower=36.963 var, apparentPower=89.21 VA, cosfi=90, quadrant=0, phaseshift=0.0, phaseDiff=0.0
FFTComponents:
Phase 3:
current=0.407 A, activePower=38.268 W, reactivePower=88.734 var, apparentPower=96.635 VA, cosfi=39, quadrant=0, phaseshift=0.0, phaseDiff=0.0

Schaut man sich die Rückgabe genauer an, stellt man auch fest, welchen Trick die Smappee intern verwendet. Eigentlich kann man mit einer induktiven Messklemme nur die Scheinleistung messen. Durch eine genaue Beobachtung mit einer hohen Auflösung und einer nachgelagerten Fourier-Analyse kann man aber auch mehr Werte ermitteln. Hier die Wirkleistung (activePower), Scheinleistung  (reactivePower) sowie den CosPHI. Wie genau diese Werte sind hängt dabei von der Sampling-Rate und der Fourier-Analyse ab. Für die Elektrotechniker unter den Lesern der Hinweis, dass hier etwas vereinfacht wurde.

Das Versprechen, welches mit der Smappee verbunden ist, ist dem Kunden mehr Transparenz beim Verbrauch der einzelnen Geräte zu liefern. Dazu muss das Messgerät in der Lage sein, ein Gerät zu erkennen. Da im Zählerschrank gemessen wird, muss etwas getrickst werden. Zumindest hat man die Option, die Geräte auch auf Basis ihrer Blindleistungsinduktion zu erkennen.

Monitoring

Monitoring - Spannungsniveau

Monitoring – Spannungsniveau

In der Smappee selbst bekommt man natürlich nur eine Momentaufnahme. Um wirklich nützlich zu sein, sollte eine Analyse folgen, die zum Beispiel für den Netzbetreiber durchaus hilfreich sein kann.  Überführt in die Energie-Daten-Cloud kann so eine Baustein der Stromwende entstehen. Ist der Trafo 2 Straßen weiter gut ausgesteuert? Wie wirkt sich eine Wolke über den PV-Anlagen auf die Spannung aus? Ein Indiz kann der Verteilnetzbetreiber Syna aus dem Logger erhalten.  Bleibt die Frage, warum man dies (kostenlos) machen sollte.

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Stromkunde wird es schon schlucken… EEG-Umlage 2015 wirft Fragen auf. https://blog.stromhaltig.de/2014/10/stromkunde-wird-es-schon-schlucken-eeg-umlage-2015-wirft-fragen-auf/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/stromkunde-wird-es-schon-schlucken-eeg-umlage-2015-wirft-fragen-auf/#comments Wed, 15 Oct 2014 10:22:59 +0000 http://blog.stromhaltig.de/?p=6861

“EEG-Umlage: Wie kommt es, dass ein Defizit von 2,2 Mrd. (2013) zu einer Erhöhung um 0,96 Cent (2014) führt, aber ein Überschuss von 1,4 Mrd. (2014) die Umlage nur um 0,07 Cent reduziert? Eine Null zu viel, oder?”  (Energieblogger C. Morris)

Da braucht man eigentlich nichts mehr hinzufügen…

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SolarContactIndex: PV-Interesse auf tiefstem Stand seit zwei Jahren https://blog.stromhaltig.de/2014/10/solarcontactindex-pv-interesse-auf-tiefstem-stand-seit-zwei-jahren/ https://blog.stromhaltig.de/2014/10/solarcontactindex-pv-interesse-auf-tiefstem-stand-seit-zwei-jahren/#comments Wed, 15 Oct 2014 07:46:01 +0000 http://blog.stromhaltig.de/?p=6847 Der SolarContact-Index ist im September auf 70 Indexpunkte gefallen undverzeichnet damit den niedrigsten Wert seit 2 Jahren. Während im ersten Quartal 2014 noch überdurchschnittlich häufig Angebote von Fachbetrieben für die Installation einer PV-Anlage angefragt wurden, nahm das Interesse seit April kontinuierlich ab. Insbesondere der Indexverlauf der letzten drei Monate (Minus 21 Punkte) lässt für das vierte Quartal eine weiter abnehmende Auftragssituation erwarten.

Das seit April 2014 deutlich abnehmende PV-Interesse zeigt sich nun auch wieder in den Zubauzahlen, die nach dem einmaligen Zubau-Boom im Juli um mehr als 40% eingebrochen sind. Der Rückgang ist dabei insbesondere auf größere PV-Anlagen zurückzuführen. Dies bestätigt die Annahme, dass es sich im Juli lediglich um einen einmaligen Vorzieheffekt handelte, um als Neuanlagenbetreiber nicht ab August

2014 unter die Pflicht zur Abführung der Eigenverbrauchsumlage zu fallen. Da der Zubau an PV-Anlagen den festgelegten Korridor von 2.400 bis 2.600 Megawatt pro Jahr nun sogar unterschreitet, wurde folgerichtig die Degression der neuen Vergütungssätze für den Zeitraum 1. Oktober bis 1. Dezember 2014 von der Bundesnetzagentur (BNetzA) auf 0,25 Prozent festgelegt. Ob dies den Abwärtstrend im letzten Quartal noch einmal stoppen kann ist jedoch fraglich. Wahrscheinlich ist es, dass zusätzlich saisonale Effekte die Nachfrage nach PV-Anlagen weiter belasten werden.

Solarcontact-Index_September2014

Der SolarContact-Index stützt sich auf die Nachfrage nach allen Gewerken rund um Solaranlagen im Internet mit einem Schwerpunkt auf private Nutzer. Der SolarContact-Index basiert auf der Anzahl an Online-Anfragen eines Monats, die dann ins Verhältnis zum Durchschnitt der zurückliegenden 12 Monate gesetzt und indexiert werden. Ein Wert über 100 bedeutet einen überdurchschnittlichen, ein Indexwert unter 100 bedeutet einen unterdurchschnittlichen Trendverlauf. Von der Anfrageintensität lässt sich auf das Interesse und auch den zukünftig zu erwartenden Auftragsbestand schließen.

Text & Pressekontakt
DAA Deutsche Auftragsagentur GmbH
Holstentwiete 15
22763 Hamburg

Telefon: +49 (0)40 609 468 410
E-Mail: info@daa.net
www.daa.net

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