In der Reihe der Marktmodelle für die Stromversorgung der Zukunft soll es heute um ein sehr einfaches Ziel gehen: Verstaalichen!

Man nehme sämtlichen Strom aus Wind und Solaranlagen und gehe davon aus, dass es dem Volke gehört und nur an private Haushalte geliefert wird. Dieses Volk muss die Kosten tragen – dieses Volk darf davon profitieren. Ein „Staatswerk“, welches alle Stromkunden mit H0-Profil (Alle privaten Haushalte) versorgt. Was Industrie und Gewerbe macht ist in diesem Modell erst einmal egal…

Das Modell ist nicht neu, es wird in vielen Ländern der Welt bereits erfolgreich umgesetzt. Gerade in Afrika dient es als ein Weg zur Industrialisierung, da die Stromversorgung der Bevölkerung und damit die Absicherung des häuslichen Lebens primär sichergestellt wird.

Erzeugerseite

Mit der Fixierung der Einspeisetarife für PV-Anlagen ist die Bundesrepublik Deutschland eine Zahlungszusage gegenüber der Anlagenbetreiber eingegangen. Daran soll sich auch nichts ändern, sondern unabhängig von der bestehenden Laufzeit eine Verlängerung bis zum Jahre 2034 festgeschrieben werden. Als Gegenleistung für die Verlängerung wird von den Betreibern garantiert im Falle eines Schadens/Ausfalls für Ersatz zu sorgen.

Das Staatskraftwerk regelt die Zahlung für die abgenommene Strommenge an die Betreiber, führt somit die EEG-Konten mit hoheitlichem Auftrag. Im Jahr 2013 war dieser Betrag ~13 Mrd. Euro (Zahlungen nach § 16 oder § 35 EEG), weitere 8 Mrd. Euro werden veranschlagt für die Sicherung den Ankauf der bestehenden Erzeugung in der Direktvermarktung. Daraus ergibt für die PV/Windkraft Kosten in Höhe von 21 Mrd. Euro pro Jahr, die festgeschrieben werden können.

Mit den 21 Mrd. Euro pro Jahr erhält man je nach Wetterlage zwischen 100 GWh und 700 GWh täglich, wobei der Durchschnitt bei 400 GWh liegt (Vergleiche Tagesstatistik von blog.stromhaltig).

Verbraucherseite

Die 40,2 Millionen Haushalte in Deutschland verbrauchen je nach Wochentag und Jahreszeit 230-350 GWh. Diese Menge kann meistens zeitgleich aus der Erzeugung befriedigt werden. Häufig (80% der Fälle) übersteigt die Erzeugung den Verbrauch. Die 20% der Fälle, bei denen die Erzeugung nicht ausreicht um den Verbrauch zu befriedigen kann mit bestehenden Speicher ausgeglichen werden.

Von der Menge reicht der Pumpspeicher GoldisthalMarkersbach und Säckingen (Schluchsee). Die Baukosten für alle diese Anlagen betrug zusammen etwa 2 Mrd. Euro, die durch das Staatskraftwek einmalig zu tragen sind.

Fester Strompreis

21.000.000.000 Euro bilden den variablen Anteil von 144.720.000.000 KWh Strom.  Macht 0,15€/KWh für die gesamten Erzeugungskosten inkl. dem heutigen Bestandteil der EEG-Umlage. Darauf kommen die Nebenkosten, die bereits heute bekannt sind:

  • Stromsteuer 2,05 Cent
  • Konzessionsabgabe 1,99 Cent
  • Netzentgelt 6,85 Cent

Nettopreis: 25,89 Cent je Kilo-Watt-Stunde
zuzgl. 19% Mehrwertsteuer: 30,81 Cent je Kilo-Watt-Stunde

 

Da ein Staatskraftwerk keine Gewinne erwirtschaften darf, würde mit knapp 31 Cent je KWh und einer Festpreis-Garantie bis 2034 ein sehr interessantes Angebot entstehen, welches auch gerechter ist, als eine Infrastrukturumlage.

Preissenkend würde sich auch die Erlöse aus Überschüssiger Erzeugung auswirken, die bislang mit 0€ in die Rechnung eingegangen sind. Bilaterale Verträge zum Beispiel mit Frankreich oder der Schweiz könnten etwa 1-2 Mrd. Euro pro Jahr zusätzlich bringen.

Der ganz große Nachteil dieses Modells: Die ganze Diskussion rund um die Kosten der Energiewende würden auf einen Schlag aufgelöst werden.

Meinungen? 

(Beitragsbild: Andrea Boldizsar – Lizenz: CC0 1.0 Universal)

Den Beitrag "100% Vollversorgung aus Erneuerbaren im Jahre 2014 - Fester Strompreis bis 2034 offline Lesen:

4 Gedanken zu “100% Vollversorgung aus Erneuerbaren im Jahre 2014 – Fester Strompreis bis 2034

  1. Das Konzept hat noch einen schweren Nachteil: Das Wort „Staat“ kommt darin vor (igitt!), so dass es jeder dem das nicht passt gleich mit den stets stichhaltigen Argumenten „Planwirtschaft“, „sozialistisch“ usw. niederschmettern kann. Wenn das Konzept überhaupt eine Chance haben soll muss mindestens das Wort „Wettbewerb“ oder „Markt“ enthalten sein (siehe „Kapazitätsmarkt“, der ja auch kein Markt ist).
    Also: Neuen Namen ausdenken und dann noch mal vorlegen.

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  2. Um für 20 Jahre im Voraus einen Stromvertrag einzugehen, müßte ich bei 700 € Stromkosten pro Jahr 14.000 € investieren. Wenn Du mit Deinem Vertrag einen Festpreis schriftlich garantierst und eine entsprechende Bankbürgschaft für die Vorauszahlung bietest, liesse sich das rechnen.

    Zu „verstaatlichen“ – normal müßten die Großunternehmen der Stromerzeuger längst verstaatlicht sein, denn sie möchten ja jetzt eine Deckelung des Risikos zum Abbau ihrer AKW’s. Hier geht es doch um Staatsgelder, Steuern, Bürgergelder. Warum sollte in einer Demokratie dann nicht die Unternehmen, die in großem Umfang Nutzniesser von Steuergeldern sind, verstaatlicht sein?

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