Dezentral bedeutet lokal profitieren
Dezentral bedeutet lokal profitieren

So wie der Strom in die Gemeinde fließt, fließt das Geld von ihr weg…

Mit diesen Worten begann mein Vortrag bei „Unabhängig für Mauer“ einer Bürgerliste hier in der Gemeinde, die Mut zur Fachexpertise aufbringen will.  Der vorhergehenden Redner hatte bei der Vorstellung des Haushaltes und der Investitionen in der Gemeinde Zahlen im 100.000 Euro Bereich – beim Thema Strom ging es schnell um Millionenbeträge.

Jeder Euro, der eine Gemeinde verlässt, muss zweimal wieder verdient werden. 

In diesem Jahr ist vielen Bundesländer Kommunalwahlen. Klar kann und darf in den Kommunalparlamenten über Dorffeste und Grünflächenbepflanzung diskutiert werden, aber eben auch über Stromversorgung, deren Sicherheit und wirtschaftliche Bedeutung.

Ein Ziel, dass jede Kommune/Gemeinde heute schaffen kann, ist 25+% der Stromversorgung innerhalb der Gemarkungsgrenze zu decken. Wobei Sonnenstrom und Windkraft nur 2 Möglichkeiten sind…

Auf seiner Homepage zählt der Gewerbeverein der Gemeinde Mauer 45 Mitglieder. Der zuständige Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW nennt auf seiner Seite allein 93 Stromerzeuger, die im Prinzip ebenfalls ein Gewerbe betreiben. Im Jahre 2012 generierten diese immerhin einen Umsatz von 612.190 €.  Der dadurch erzeugte Strom reicht allerdings lediglich dazu aus, etwa 20% des Bedarfs der Verbraucher an elektrischer Energie zu decken.

Der Bundesschnitt liegt bereits bei 25%, wobei es wenige Kommunen mit >90% und viele mit Kommunen mit <10% gibt.

Etwa 80% des Stroms muss aus dem Umland bezogen werden. Bei günstigen 22 Cent/KWh im Jahre 2012 entspricht dies einem Kostenberg von 1.936.000 € im Jahr, der zu Stromerzeugern im Umland umverteilt wird.

Stromverbraucher haben wenig Einfluss

Mit der Liberalisierung des Strommarktes haben die Verbraucher die freie Wahl des Stromanbieters erhalten. Sie haben die mehr oder weniger freie Wahl zwischen 1.200 Anbieter und mehr als 11.000 Tarifen. Etwa die Hälfte der privaten Stromkunden haben ihren Lieferanten seither gewechselt. Auf die Erzeugung hat dies jedoch keinen unmittelbaren Einfluss, da diese durch Umlagen und Umverteilung nicht vom Verbrauch gesteuert wird. Nebeneffekt: Förderung der lokalen Stromerzeugung hat keinen Einfluss auf die Stromrechnung der Bürger.

Wird die Stromrechnung bezahlt, so hat vorher der Anbieter den Strom von irgend einer Anlage gekauft. Durch diesen Kauf stehen am Ort der Anlage eine Mindermenge, welche wiederum von deren Umland eingedeckt wird.  Das europäische Stromnetz wird daher auch als großes Meer oder „Kupferplatte“ bezeichnet – es ist egal, wo der Strom für einen Verbraucher eingespeist wird.

Windkraft und Solarenergie sind nur zwei Komponente

Strom aus Sonne und Wind sind nur eine Möglichkeit, um die 25% lokale und kommunale Stromerzeugung zu erreichen. Längst ist die Technik ausgereift nicht nur den sogenannten Peak-Load (Solar)  und die Grundlast (Wind) mit kleinen Kraftwerken zu liefern. Der Vorteil dieser Anlagen besteht darin, dass sie dem Verbrauch im Ort folgen können und so zur sogenannten Spannungshaltung beitragen.

Lokale & Kommunale Stromgewinnung:

Neben der eigentlichen Stromerzeugung haben die aufgeführten Erzeugungsarten auch einen bereinigenden Effekt auf die Verteilnetze. So sind die Anlagen in der Lage die entstehende Blindleistung aus dem Netz zu nehmen (vergl. weitere Beiträge von blog.stromhaltig) und je nach Beschaffenheit auch schwarzstartfähig (vergl. „Notfallversorgung der Bevölkerung„).

Zuständigkeit der Kommunalparlamente

Sollen 25% des Stroms innerhalb der Gemarkung erzeugt werden, so müssen deutlich weniger Überlandleitungen gebaut werden, jedoch muss der Verteilnetzbetreiber als Partner eingebunden werden. Die überwiegende Mehrheit der Kleinerzeugungsanlagen speist in das Niederspannungsnetz oder Mittelspannungsnetz ein. Für beides ist der Verteilnetzbetreiber zuständig und muss die technischen Voraussetzungen hierfür liefern.

„Messwerte aus den Anlagen für erneuerbare Energien liegen jedoch nur sehr bedingt vor“ – Andreas Preuß – Übertragungsnetzbetreiber Amprion gegenüber der FAZ.

Vielleicht sind einige Gelder, die in den 1990er und frühen 2000er Jahre an die Betreiber der örtlichen Stromnetze geflossen sind, nicht in voller Höhe in die Infrastruktur geflossen. Der Dialog mit dem Betreiber sollte sich daher nicht auf die Monate vor einer Verlängerung des Konzessionsvertrages beschränkt sein, sondern kontinuierlich stattfinden.

Die Bürger sind keine Kunden der Verteilnetzbetreiber und haben nur beim jährlichen Ablesen des Zählers Kontakt mit diesem. Eine Kundenbeziehung kann nur mit den gewählten Vertretern der Gemeinde aufgebaut werden, in der die Entscheidung zu 25%+ Deckung aus eigener Erzeugung realisiert wird.

Einen Dialog mit dem Betreiber kostet Zeit und Geld. Ein unabhängiger Berater, der sich auf Energiestrategie spezialisiert hat, ist aber selbst bei kleinen Gemeinden finanzierbar durch die Konzessionsabgabe. Ein Geld, welches die Bürger durch ihre Stromrechnung an die Gemeindekassen zahlen, damit sich diese ihre Aufgabe als Kontrollinstanz und strategischer Partner der Verteilnetzbetreiber übernimmt. Am Beispiel der Gemeinde Mauer entsprechen die Einnahmen aus der Konzessionsabgabe etwa 25% der Einnahmen der Gewerbesteuer, oder 5% der Einnahmen aus der Einkommenssteuer.

Wirtschaftskreislauf Strom

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten den Geldfluss regional oder kommunal zu halten. Ersatzwährungen wie der Chiemgauer oder Bonussysteme wie die Wiesloch-Card sind Ideen, die aus dem Stadtmarketing abgeleitet wurden.

Bei der Stromversorgung ist der Hebel gerade für kleinere Kommunen deutlich größer und kann unter zwei wichtigen Vorraussetzungen umgesetzt werden:

Für 25%+ gilt:

  • Keine Auswirkung auf die Stromrechnung der Bürger
  • Keine Veränderung der Haushaltssumme.
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Ein Gedanke zu “Wirtschaftsfaktor Stromerzeugung – Kommunalwahlen 2014 – Mission:25% Lokal & Kommunal

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