Fische unter Strom
Fische unter Strom

Die EEG-Umlage kann uns eigentlich in ihrer Höhe egal sein, denn steigt sie, dann wird das Angebot am Markt größer, der Börsenpreis geht zurück und damit der Einkaufspreis für Strom. Die Einbeziehung eines Börsenpreises in die EEG-Umlage könnte man – wenn es weitergegeben wird – als clevere Strompreisbremse ansehen.

Wenn ich mir einen Zusammenhang, bei dem es um Zahlen geht besser vorstellen will, dann verwende ich gerne Extremas.

Aber der Reihe nach, erst einmal die Frage, warum steigt die EEG-Umlage überhaupt?

 „Für die Festlegung der EEG-Umlage für das Jahr 2014 in Höhe von 6,24 Cent je Kilowattstunde – gegenüber rund 5,3 Cent im Jahr 2013 – ist unterstellt, dass die Erzeugung an elektrischer Energie aus regenerativen Energien weiter deutlich ansteigt, und zwar um ca. 15 Terawattstunden (TWh) auf knapp 150 TWh in 2014.“ (Ulrich Fahl – Faktencheck bei Hart Aber Fair)

Eigentlich ist so ein Faktencheck bei einer TV-Debatte eine richtig feine Sache, hier wird aber scheinbar das Truman-Zitat angewendet: „Wenn du sie nicht überzeugen kannst, verwirr‘ sie.“ Die Zahlen, die Fahl in den Raum schmeißt, mögen stimmen, jedoch ist es ein Widerspruch ohne Link zum original Faktum: Die Weitergabe von preissenkenden Wirkungen an die Letztverbraucher.

Ok, auch dieser Blog lebt davon, dass er an anderen Stellen zitiert wird, wollen wir Dr. Fahl dafür keinen Vorwurf machen.

Wettbewerbshüter BNetzA
Wettbewerbshüter BNetzA

Die EEG-Umlage wird nicht von gewählten Volksvertretern (=Politik) festgesetzt, auch nicht von den großen Forschungsinstituten, oder etwa der Wissenschaft, sondern von den vier Übertratungsnetzbetreibern (ÜNB) in Deutschland. Die vorgeschlagene Höhe, sowie eine Begründung, wird dann von der Bundesnetzagentur geprüft und jährlich am 15. Oktober bekanntgegeben. Dies ist auch praktikabel, da die ÜNBs mit der Führung der EEG-Konten beauftragt sind. Wenn Max Mustermann auf seiner Stromrechnung 20€ EEG-Umlage stehen hat, dann wird dieser Betrag durch den Energieversorger an die ÜNBs überwiesen. Wenn Lieschen Müller für ihre PV-Anlage auf dem Dach 20€ EEG-Förderung erhält, dann bekommt sie diese durch ihren Versorger, der diese wieder beim ÜNB holt.

Für die Bestimmung der Umlagenhöhe müssen die ÜNBs einiges an Kaffesatzleserei machen, denn es gibt viele verschiedene Faktoren: Den Zubau, die aus allen Anlagen erzeugte Strommenge, die gesamt Verbrauchte Strommenge in Deutschland sowie der Börsenpreis.

Diese ganzen Werte müssen für einen Zeitraum von 15 Monaten in die Zukunft geschätzt werden. Eine nicht ganz leichte Aufgabe, welche in den letzten Jahren auch immer etwas daneben lag. Im Jahre 2014 zum Beispiel müssen 0,86 Cent (~13%) je Kilo-Watt-Stunde als Nachholung aus 2013 bezahlt werden (Quelle). D.h. aus heutiger Sicht hatte man sich bei all den Parametern am 15.10.2012 verrechnet. Prognosefehler sorgen dafür, dass die EEG-Konten ins Minus rutschen. Da die Übertragungsnetzbetreiber in diesem Falle einen Kredit stellen müssen, hat man eine Liquiditätsreserve in die EEG-Umlage eingebaut. Zwischen 3% und 10% darf der ermittelte Wert erhöht werden, um einen negativen Kontostand zu verhindern. In den vergangen Jahren wurden immer 3% aufgeschlagen, dennoch kam es zu negativen Kontoständen, wofür die Stromkunden im kommenden Jahr die Sollzinsen tragen dürfen (bis Ende September 2013: 1,36 Millionen Euro).

Das EEG-Soll-Wird-Kann reformiert werden. Ein Punkt, der hoffentlich dabei angegangen wird ist das Thema Transparenz der Prognosen. Die Energieblogger vergleichen im Moment die einzelnen Konzepte und stellen diese in einer Blogparade zur Wahl. 120 Leser haben sich bislang an der Abstimmung beteiligt, was eine deutliches Interesse am Thema EEG-Mechanismus erkennen lässt. Befriedigt werden kann dieses Interesse allerdings nur, wenn die Hintergründe für die Berechnungen zukünftig einer wissenschaftlichen Untersuchung stand halten würden.

Eine Frage, die man an das TopEEG stellen wird, ist die Frage, ob man die Abhängigkeit vom Börsenpreis auch zukünftig berücksichtigen will. Dies bringt uns zu den Extremas vom Anfang zurück.

Angenommen, das EEG würde – ohne Veränderung eines anderen Parameters – im kommenden Jahr 10 Cent betragen, dann würde der Anteil des Börsenstrompreises nicht 1,47 Cent, sondern 5,23 Cent betragen. Auch wenn der Stromkunde damit ein extrem hohes EEG-Entgelt bezahlen müsste, würden 3/4 des Stroms um diesen Betrag günstiger eingekauft werden können. D.h. der reale Strompreis würde sich um –15,69 Cent reduzieren lassen.

Die wichtigste Aufgabe des EEGs war es einmal, den Zubau von PV und Windkraft zu fördern. Wir haben in Deutschland mittlerweile einiges erreicht, dennoch sind wir noch nicht am Ziel. Mein persönlicher Meilenstein ist, wenn die Pumpspeicherkraftwerke nicht mehr in der Nacht „geladen“ und am Tag „entladen“ werden. blog.stromhaltig hatte sich bereits im Mai angeschaut, wie der aktuelle Stand ist, mit dem Ergebnis, dass wir noch viel mehr PV brauchen, damit die Speicher für den Fall „Keine Sonne, Kein Wind“ überhaupt genutzt werden können. Ein weiterer Indikator ist der Grünstromindex. Lässt man sich den Wert für einen Ort in Deutschland berechnen,  so ist der Strom meist in der Nacht am grünsten. Mit genügend PV-Kapazitäten hätten wir am Tag zu den Spitzenlastzeiten die höchsten Indexwerte.

In der jährlichen Kommentierung der Bundesnetzagentur zur EEG-Umlage des Folgejahrs wird auch das Thema Zubau der EEG geförderten Anlagen bekanntgegeben:

Für die Umlage 2012:
So liegt der für 2012 erwartete Zubauwert von 4,5 Gigawatt deutlich unter dem Wert des Boomjahres 2010

Für die Umlage 2013:
„Darüber hinaus muss das unerwartet hohe Defizit auf dem EEG-Konto von aktuell rund 2,6 Mrd. Euro ausgeglichen werden. Das Defizit ist hauptsächlich auf den Rückgang des Börsenpreises sowie den in diesem Maße nicht vorhergesehenen Zubau an PV-Anlagen und daraus resultierend höheren Vergütungszahlungen zurückzuführen“

Für die Umlage 2014:
„Die wesentlichen Gründe für den Anstieg sind zum einen die gefallenen Preise an der Strombörse und zum anderen der Zubau an EEG-geförderten Anlagen. Darin sind erstmals in nennenswertem Umfang die Offshore-Windanlagen enthalten“, so Homann weiter.

Die Aussage von Dr. Fahl ist somit richtig. Für das kommende Jahr rechnen die Übertragungsnetzbetreiber mit einem Zubau von EEG geförderten Anlagen, allerdings nicht im Bereich der PV-Anlagen, wo wir ihn brauchen könnten, sondern bei den Offshore-Windanlagen. Gelingt der Netzanschluss im kommenden Jahr, dann geht die Spekulation auf – ansonsten hätten die Verbraucher den selben Betrag allerdings über die Offshore-Haftung zahlen müssen.

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4 Gedanken zu “EEG-Umlage: Trägt Offshore die Schuld?

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