Seit dem 01. Januar 2013 ist in Dänemark die Installation von Öl- und Erdgasheizungen verboten. Bereits am 22. März 2012 wurde unter der Bezeichnung „Die Grüne Veränderung für Dänemark“ (Green Transition for Denmark) das Gesetz im nationalen Parlament verabschiedet, welches nun schon 6 Wochen in Kraft ist, ohne dass in Dänemark jemand in seinem Neubau frieren muss. In unserem nördlichen Nachbarland wird zusätzlich ab 2016 der Austausch bestehender Anlagen verboten sein. Cornelia Daniel wundert sich bei Ecoquent zu Recht, warum dieser mutige Schritt bislang so wenig Beachtung findet. Ist die Tragweite dieser Entscheidung für ein Volk doch ähnlich dem Atomausstieg, wie Robert Doelling von den Energie-Experten zu bedenken gibt.

Die Gründe für diesen radikalen Schritt könnten vielschichtig sein. Bei der Ölkrise in den 1970er Jahren hatte das Land sehr schmerzlich erfahren müssen, wie hoch die Abhängigkeit von importierter Energie war. Zunächst wurde überlegt durch Atomenergie einen Befreiungsschlag zu wagen, was zu heftigen Protesten in der Bevölkerung und letztendlich zu einem Verbot von Atomkraftwerken im Königreich führte. Durch die lange Küstenlinie begünstigt, wurde schon sehr früh die Stromerzeugung durch Windkraft stark ausgebaut. Seit etwa dem Jahre 2005 ist Dänemark das Land mit dem höchsten Anteil von „Re-Powering“-Projekten, bei denen alte Anlagen technologisch auf den neusten Stand gebracht werden um die Effizienz zu steigern.

Dennoch konnte der Energiebedarf nicht vollständig aus Windkraft gedeckt werden, was in der Folge zum Negativrekord des höchsten pro Kopf CO2-Ausstoßes in der Europäischen Union dem Land einbrachte. Etliche Versuche wurden politisch unternommen, eine Lösung für das CO2 Problem zu finden. Höhepunkt dürfte der Streit vor einem Jahre gewesen sein, als bekannt wurde, dass die Dänen eine Verpressung von CO2 in alten Erdgaslagern untersuchen (s.h. auch NDR-Meldunng zu CCS in der Nordsee).

Dänemark ist Mitglied der Europäischen Union und somit auch dem Einsparungsziel von 20% bis 2020 unterworfen. Wie weit man von diesem Ziel – gerade aus Sicht der CO2-Emission – entfernt ist, zeigt ein aktueller Blick auf die Daten des European Energy Portal. Im Jahre 2008 hatte das Land einen CO2 Ausstoss von 63,8 Megatonnen. Lediglich Spanien, Österreich und Luxemburg hatten eine größere Diskrepanz zu den gesteckten Zielen des Kyoto-Protokolls.

Energie-Ökonomen schaut nach Dänemark!

Wird über die Auswirkungen der Energiewende aktuell in Deutschland diskutiert, dann geht es meistens um das leidige Thema Strom. Der Ausstieg aus der Atomenergie ist in Deutschland der Initiator der gesellschaftlichen Energiewende geworden, obwohl der Ausstieg aus der Kernenergie direkt nur sehr wenige Personen betrifft. Das Verbot der Wärmegewinnung aus Mineralöl und Erdgas in Dänemark betrifft die mittelbar einen viel größeren Teil der Wähler. Wie schnell es gehen wird, dass Strømforbrug (Stromverbrauch) nicht mehr in Gedanken in Olieforbrug (Ölverbrauch) umgerechnet wird, wird man schon allein auf Basis der Nennungsverteilung bei news.google.dk erkennen können. Das Entziehen eines Energieträgers direkt bei den Haushalten bedeutet aber auch, dass diese ganzheitlich gezwungen sind den Energieverbrauch zu überdenken. Dies sind deutlich weitreichendere Zwänge, wie nur zwischen Stromanbieter A und B sich entscheiden zu müssen.

Aktualisierung:

Da mittlerweile etliche Blogs das Thema aufgegriffen haben, hier eine kleine Übersicht der Beiträge:

Weitere Beiträge habe ich versucht in der Delicous Liste aufzunehmen.

Den Beitrag "Vorbild Dänemark: Verbot von Erdgas und Ölheizungen in Neubauten offline Lesen:

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